GuttenPlag und Vroniplag Wiki

Auf der Suche nach dem prominenten Plagiat

| Lesedauer: 3 Minuten
abendblatt.de

Foto: picture-alliance / Wiktor Dabkow / picture-alliance / Wiktor Dabkowski

Erst Guttenberg, dann die Stoiber-Tochter, nun Silvana Koch-Mehrin: Das Jagdfieber auf die falschen Doktoren hat Wissenschaft und Internet erfasst.

Hamburg/Heidelberg. Es ist, als führten sie eine Strichliste: Die Plagiatsjäger wollen nach dem früheren Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) weitere Prominente des Abschreibens bei ihren Doktorarbeiten überführen. Zunächst war die Tochter des früheren bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber, Veronica Saß, im Visier der selbst ernannten Ermittler. Auf vroniplag wiki ließ sich im Internet der Stand der Recherche nachvollziehen. Nun hat es offenbar die prominente FDP-Politikerin Silvana Koch-Mehrin erwischt. Die Vizepräsidentin des EU-Parlaments und Vertraute des scheidenden Parteichefs Guido Westerwelle hatte mit vielen politischen Initiativen und aufreizenden Fotografien (unter anderem als Schwangere) Aufsehen erregt.

Unterdessen hat die Schweizer Journalistin Klara Obermüller den ehemaligen Verteidigungsminister Guttenberg für seinen Versuch kritisiert, die Veröffentlichung des Prüfberichts der Universität Bayreuth juristisch zu verhindern. In seiner mit Plagiaten gespickten Doktorarbeit hatte Guttenberg unter anderem auch einen halben Leitartikel der Journalistin Obermüller über insgesamt 86 Zeilen lang abgeschrieben, ohne die Quelle zu nennen. „Was Guttenberg macht ist grotesk“, sagte Obermüller der „Frankfurter Rundschau“. Er habe ein sehr eigenartiges Krisenmanagement und mache einfach alles falsch. Verklagen wolle sie Guttenberg derzeit zwar nicht. „Aber ich bin absolut der Meinung, dass er die Universität den Bericht veröffentlichen lassen muss.“ Guttenbergs Versuch, die Veröffentlichung zu verhindern „riecht mir stark nach Sonderrecht“, sagte Obermüller. „Das gefällt mir nicht, es ist sehr undemokratisch.“

Koch-Mehrin, ebenfalls im Doktor-Check, wurde 1998 in Heidelberg mit einer Arbeit über „Historische Währungsunion zwischen Wirtschaft und Politik: die Lateinische Münzunion 1865 – 1927“ promoviert. „Plagiat gefunden und verifiziert“ behauptet die Internetseite, die sich mit ihrer Arbeit beschäftigt. Doch das muss nicht stimmen. Der Verdacht konnte noch nicht schlüssig belegt werden. Koch-Mehrin sagte bislang kein Wort zu den Vorwürfen. Ein Sprecher verwies gegenüber „Spiegel Online“ an die Universität Heidelberg. Die Hochschule soll bereits prüfen, ob die Vorwürfe berechtigt sind.

Im Fall Guttenberg hat die Universität Bayreuth Rückendeckung von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erhalten. Die Kanzlerin geht nach Angaben von Regierungssprecher Steffen Seibert davon aus, dass ihr ehemaliger Minister in Bezug auf die Plagiatsvorwürfe in seiner Dissertation „weiterhin zur Aufklärung voll beiträgt“. Die CSU setzt derweil auch weiterhin auf die Rückkehr Guttenbergs in die Politik. Die Justiz in Hof dementierte einen Bericht des „Spiegel“, demzufolge die bayerische Justiz in der Angelegenheit nach Präzedenzfällen suche. „Das stimmt nicht, dazu sind die Fälle auch zu verschieden“, sagte Oberstaatsanwalt Rainer Laib. Es geht laut „Spiegel“ um Fälle, in denen Ermittlungen wegen Urheberrechtsverstößen mangels öffentlichen Interesses eingestellt worden seien und die Plagiatsaffäre möglicherweise keine strafrechtlichen Folgen haben werde. (abendblatt.de/ryb/dpa)

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Politik