Umfrage

Sollten die USA ein Foto von bin Laden zeigen? Stimmen Sie ab

Präsident Barack Obama hat sich gegen eine Veröffentlichung ausgesprochen. Die Verschwörungstheorien blühen. Stimmen Sie ab.

Hamburg/Washington. Die USA wollen kein Foto des toten Osama bin Laden veröffentlichen – vorerst. Das machte Präsident Barack Obama klar. Die Bilder des getöteten Terrorchefs seien zu grausig. Außerdem befürchten die Amerikaner Racheakte, wenn Islamisten mit einem Bild bin Ladens durch ihre Propaganda neuen Hass gegen die USA schüren. Obama sagte, eine Veröffentlichung würde ein nationales Sicherheitsrisiko heraufbeschwören.

Stimmen Sie hier in der Umfrage von abendblatt.de ab, ob es Sinn macht, ein Foto des getöteten bin Laden zu zeigen. Befürworter der Veröffentlichung argumentieren, dass man dadurch den letzten Beweis habe, dass bin Laden tatsächlich tot sei. Außerdem beuge man neuen Verschwörungstheorien und gefälschten Bildern vor. Denn offenbar sind auch mehrere republikanische US-Kongressabgeordnete auf gefälschte Bilder hereingefallen. Der Republikaner Saxby Chambliss sagte zunächst, er habe Fotos der Leiche gesehen. „Sie sahen so aus wie sie es erwarten würden, wenn jemandem in den Kopf geschossen wurde“, sagte er. „Es war nicht schön.“ Seine Sprecherin musste wenig später aber klarstellen, dass Chambliss nicht das offizielle Foto der Leiche gesehen habe.

Auch zwei weitere Senatoren, die wie Chambliss dem Ausschuss der Streitkräfte in der Kongresskammer angehören, mussten ihre Aussage, sie hätten das Bild der Leiche von bin Laden gesehen, revidieren. Die Republikanerin Kelly Ayotte hatte zunächst gesagt, ein anderer Senator habe ihr das Foto gezeigt und ihr erzählt, es zeige den Kopf und den Oberkörper der Terrorchefs. „Wenn man das Bild sieht, erkennt man deutlich seine Züge“, sagte sie. In einer Erklärung musste sie später aber einräumen: „Ich weiß nicht, ob es (das Foto) echt war.“

Der Republikaner Scott Brown hatte bereits gegenüber mehreren Medien aus seinem Heimatbundesstaat Massachusetts berichtet, er habe offizielle Fotos der Leiche von bin Laden gesehen. Der Fernsehsender NECN aktualisierte wenig später aber einen Beitrag um die Ergänzung, Browns Büro habe mitgeteilt, dass die Fotos, von denen der Senator gesprochen habe, „nicht echt“ seien.

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Während des Irakkriegs hatten die USA im Jahr 2003 Bilder von Saddam Husseins getöteten Söhnen Udai und Kusai veröffentlicht. Ein Bild vom gehängten Saddam Hussein gelangte im Januar 2007 ebenfalls an die Öffentlichkeit, auch wenn die damalige US-Regierung sich darüber unglücklich zeigte. Laut Obama ist bin Laden eindeutig identifiziert worden: vor Ort nach dem Feuergefecht, mit einer ausgeklügelten Fotoerkennungstechnik, schließlich dann zu 99,9 Prozent per DNA-Test. „Es besteht kein Zweifel daran, dass Osama bin Laden tot ist“, bekräftigte Obama.

„Es wird einige Tumulte um die Frage geben, ob bin Laden wirklich tot ist“, sagt Robert Alan Goldberg, der ein Buch über Verschwörungstheorien in den USA geschrieben hat. Der Geschichtsprofessor der Universität Utah erwartet, dass sich einige Menschen zu Wort melden werden, die den Al-Qaida-Chef gesehen haben wollen. Nicht zu vergessen seien Anhänger von 9/11-Verschwörungstheorien, die behaupten, bin Laden habe als Geheimagent für die CIA gearbeitet.

Die afghanischen Taliban zogen bin Ladens Tod in einer Erklärung im Internet bereits in Zweifel. Die Beweise der USA seien nicht überzeugend, heißt es. Die Taliban haben ein politisches Interesse, Spekulationen über das Schicksal des Terroristenführers anzuheizen. Viele Verschwörungstheoretiker hegen staatlichen Autoritäten gegenüber aber ein grundsätzliches Misstrauen und weisen deshalb die offizielle Darstellung der Realität zurück.

Der oberste Verschwörungstheoretiker der USA, Moderator Glenn Beck, torpedierte die Meldung vom Tod bin Ladens mit vielsagenden Fragen: War die Kommandoaktion nur Show? Ging es Obama um die Umfragewerte? Der Radiomoderator Alex Jones stellte die gewagte These auf, dass die US-Regierung bin Laden bereits seit Jahren als gefrorene Leiche im Tiefkühlfach aufbewahrt. Auf dem sozialen Online-Netzwerk Facebook entstanden Dutzende Gruppen, in denen sich Zweifler der offiziellen US-Version zusammenfanden und Weltgeschichte aus einer recht ungewohnten Perspektive debattierten.

„Wenn es ein Informationsvakuum gibt, fangen die Leute an, zu spekulieren“, sagt Barna Donavan, Professor für Kommunikationswissenschaft an der Universität St. Peter in New Jersey. Als er gehört habe, dass die Leiche bin Ladens auf See bestattet wurde, sei ihm klar gewesen, dass nun Verschwörungstheorien die Runde machen würden. Damit kann die US-Regierung aber offenbar besser leben als mit einem Grab Bin Ladens, das zur Pilgerstätte werden könnte.

Derweil schließt US-Präsident Obama weitere Einsätze gegen Terrorverdächtige in Pakistan trotz der Spannungen nicht aus. Obama behalte sich das Recht dazu vor, sagte sein Sprecher Jay Carney. Obama habe bereits während des Präsidentschaftswahlkampfs deutlich gemacht, dass er Einsätze in Pakistan anordnen würde, wenn dort Terrorverdächtige aufgespürt würden, sagte Carney. Er sei weiterhin der Ansicht, dass dies der „richtige Ansatz“ sei. Obama hatte 2008 erklärt, er werde gegen bin Laden oder andere ranghohe Vertreter des Terrornetzwerks auch in Pakistan vorgehen, wenn die dortige Regierung „unfähig oder nicht willens“ sei, zu handeln.

Pakistan hatte einst das Taliban-Regime in Afghanistan unterstützt, war aber nach den Terroranschlägen vom 11. September an die Seite der USA in den Kampf gegen den Terrorismus eingetreten. Seither überwiesen die USA 18 Milliarden Dollar an Hilfsleistungen nach Pakistan. Das meiste davon ging an das Militär. 2009 verabschiedete der US-Kongress aber auch ein Hilfsprogramm für den Bau von Schulen, Straßen und demokratischen Einrichtungen.

Mit Material von AFP, dapd, dpa