Jahrestag

11. September: Amerika streitet über Islam und Koranverbrennung

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Foto: dpa / dpa/DPA

Der Jahrestag der Anschläge ruft Ängste vor neuen extremistischen Attacken hervor. Die Amerikaner sind bedrückt wie selten zuvor.

Hamburg/Washington. Es ist der neunte Jahrestag der Anschläge vom 11. September 2001. Und selten zuvor ist das Datum mit solcher Angst erwartet worden. Schon immer hat es Gewalt rund um den Jahrestag gegeben. An diesem Sonnabend jedoch gibt es einen weiteren Auslöser. Der US-Pastor Terry Jones, der öffentlich einen Koran verbrennen wollte, hat die muslimische Welt gegen sich aufgebracht.

Die Debatte um die geplante Koranverbrennung in Florida hat schon die Feiertagsruhe der Muslime zum Ende des Ramadans gestört. Arabische Medien berichteten ausführlich über die Kontroverse um den radikalen Pastor Jones. Am Freitag begann in den meisten arabischen Ländern das Fest des Fastenbrechens, das den islamischen Fastenmonat Ramadan beendet.

Die in der saudischen Stadt Medina ansässige König-Fahd-Gesellschaft, die gegründet wurde, um das heilige Buch der Muslime zu drucken und zu verteilen, sprach von einem „abscheulichen Verbrechen“. Das Vorhaben des Pastors sei Teil einer Kampagne, um die muslimischen und nicht-muslimischen Amerikaner zu spalten , erklärte die Gesellschaft. Der irakische Regierungschef Nuri al-Maliki hatte während eines Treffens mit US-Botschafter James Jeffrey und dem Kommandeur der US-Truppen im Irak, General Lloyd Austin, ein Verbot der Bücherverbrennung gefordert. Er warnte: „Die Extremisten werden diese Aktion als Vorwand für weiteres Blutvergießen benutzen.“

In den arabischen Chat-Foren schlugen die Wogen derweil hoch. Viele Muslime kommentierten die Meldungen über den US-Pastor mit den Worten: „Gott wird ihn zur Rechenschaft ziehen.“

Der Drahtzieher des 11. September 2001, Osama bin Laden, ist nach wie vor auf freiem Fuß. Die Stimmung in den USA und in den Medien ist jedoch eine ganz andere als in der Vergangenheit. Standen an diesem Datum in den zurückliegenden Jahren Trauer und Gedenken im Vordergrund, herrscht 2010 eine andere Gefühlslage: Unsicherheit und Aufgeregtheit, eine aggressive Anspannung.

Der Begriff „Islam“ ist allgegenwärtig, springt dem Leser aus den Tageszeitungen entgegen, dominiert die Gesprächsrunden in den Nachrichtensendungen und zunehmend auch im Privaten. Es scheint, als hätte sich Amerika noch nie so intensiv mit der Frage beschäftigt, wie man der Forderung muslimischer Mitbürger nach umfassender Religionsfreiheit umgeht.

Dass diese Freiheit der Glaubensausübung in den USA ein so hohes Gut ist, aber in keinem Land mit islamischer Bevölkerungsmehrheit in dieser Form garantiert ist, wird mit zunehmender Bitternis registriert. Wie wäre es denn, so fragte eine Leserbriefschreiberin am Donnerstag in der „New York Times“, wenn Feisal Abdul Rauf, der Imam der umstrittenen Ground-Zero-Moschee, nicht von den Amerikanern Toleranz einfordern würde, sondern zum Beispiel Saudi-Arabien auffordern würde, eine dem Cordoba Center (so soll der islamische Komplex in Manhattan heißen) vergleichbare Einrichtung zu bauen?

Und in diesem nicht nur Christen, Muslime und Juden ohne Restriktionen beten ließe, sondern auch Frauen erlauben würde, Fortbildungen zu besuchen und im Pool der Einrichtung (so ist es geplant) zu schwimmen?

Doch es geht auch anders, mit mehr Sensibilität als sie der Bauherr und der Imam von Ground Zero zeigen. Zahlreiche muslimische Gemeinden haben sich entschlossen, die Feiern zum Eid-Fest herabzustufen. Dieses fällt in diesem Jahr auf den 10. und 11. September. In Silver Springs in Maryland etwa, wo rund 10.000 Muslime leben, findet lediglich das Gebet zum Eid statt. „Keine Feierlichkeiten, kein Fest“, erklärt Rashid Makhdoom, einer der Direktoren des dortigen Muslim Community Center – Singen und Tanzen fallen in diesem Jahr aus.

„Die Leute achten darauf, dass es keine Festtagsstimmung am 11. September gibt, weil dies ein Tag der Tragödie ist und wir sensibel sein müssen. Das ist nun einmal die Stimmung unter den Muslimen, sehr bedrückt.“

Meinungsumfragen geben jenen Muslimen, die sich um die Gefühle ihrer amerikanischen Mitbürger sorgen, durchaus Grund zur Besorgnis. Nach einer neuen Umfrage sind nicht nur zwei Drittel der Amerikaner gegen die Ground Zero-Moschee. Derzeit haben 49 Prozent der Befragten eine negative Meinung zum Islam. 2002 äußerten dies dagegen nur 39 Prozent.

( (dpa/KNA/abendblatt.de) )