Hamburger Hafen

Cruise Days: Erst grau, dann blau und schillernd bunt

150.000 Besucher der Cruise Days sahen die Auslaufparade. Schon Stunden vor dem Start drängten sich Tausende an den Landungsbrücken.

Hamburg. Es begann feucht, nicht fröhlich. Als 140 Abendblatt-Leser gegen 19.30 Uhr an Bord des Segelschiffs "Atlantis" gingen, regnete es in Strömen. Das große Finale der Hamburg Cruise Days drohte trotz rund 3500 blauer Leuchtstoffröhren an Schiffen, Gebäuden und Containern im Grau in Grau unterzugehen. Der Andrang war dennoch groß. Schon Stunden vor dem Start der Auslaufparade drängten sich Tausende Sehleute an den Landungsbrücken.

+++ Blue-Port-Bilder der Abendblatt-Leser +++

Die Cruise Days hatten schon vor zwei Jahren Zehntausende Besucher angelockt. Dabei schimmerten während der Cruise Days 2008 nur 30 Plätze im Hafen blau. Dieses Jahr konnte die Zahl der Leuchtpunkte mehr als verdoppelt werden. Sogar die Baustelle der Elbphilharmonie wurde mit 500 Röhren erleuchtet. Doch alles Blau half nichts, erst die Wetter-Wende konnte die grimmigen Gesichter unter den Regenschirmen erhellen. Der Wind frischte auf und gegen 20.30 Uhr brachte ein Schlepper das Museumsschiff "Cap San Diego" auf der Elbe in Position. Während sich die blaue Illumination der Elbphilharmonie in der ruhigen Elbe spiegelte, suchten die Besucher an Bord der "Atlantis" hektisch nach dem besten Platz zum Schiffegucken.

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Dann war es endlich so weit: Um 21.30 Uhr eröffnete das Tuten der Kreuzfahrtriesen das große maritime Spektakel. "Das hat bei mir richtig vibriert in der Magenkuhle", sagte Jocelyne Tichy aus Poppenbüttel, 33, die zusammen mit ihrem Mann Gernot, 39, aufgeregt den schwimmenden Hauptdarstellern dieses Abends lauschte. Darunter neben dem Segelschiff "Atlantis" die Viermastbark "Sedov", die Kreuzfahrtschiffe "Astor", "Aidaaura", "Deutschland", "Mein Schiff" und "Columbus". Die Nebelhörner der schwimmenden Riesen tönten um die Wette - je größer das Horn des Schiffes, desto Tiefer der Ton. Und mittendrin - für die 150 000 Besucher, die von der HafenCity über die Landungsbrücken bis zum Elbstrand dicht gedrängt am Ufer standen, weder sichtbar noch hörbar - die Dirigenten dieser eindrucksvollen Inszenierung. Das waren die Funker, deren klare Anweisungen über eine knatternde Funkverbindung die 300 Schiffe in Position brachten und während des Balletts auf dem Wasser steuerten.

Mit einem lauten Knall schoss das erste Feuerwerk in die Luft und erzeugte zusammen mit dem Tuten der Kreuzfahrtriesen eine Atmosphäre, wie sie sonst nur zum Jahreswechsel um Mitternacht an den Landungsbrücken die Massen verzaubert. Die Elbe verwandelte sich in eine Riesenbühne. Etliche weitere Schiffe waren elbabwärts unterwegs. Gänsehautatmosphäre pur. Im knallbunten Schein des Feuerwerks erstrahlten die Uferbereiche rechts und links. Im Farbenmeer aus buntem Feuerwerk am Himmel und blau geschmückten Schiffen auf dem Wasser verschwammen die Zehntausenden Sehleute zu unzähligen Punkten am Ufer. Parallel genossen 70 geladene Gäste im Skyline-Restaurant direkt am "König der Löwen"-Zelt vom südlichen Elbufer aus den Blick auf das bunte Treiben. Darunter der Innensenator und designierte Bürgermeister Christoph Ahlhaus (CDU) und Wirtschaftssenator Axel Gedaschko (CDU). Aus einer besonderen Perspektive verfolgten weitere Abendblatt-Leser die Auslaufparade: Sie feierten im 20. Stockwerk des Atlantic-Hauses an der Bernhard-Nocht-Straße eine exklusive "Cruise Days Party".

Weniger luxuriös, aber nicht weniger schön war der Ausblick auf die Schiffsparade von dem als "Geheimtipp" gehandelten Platz am Ausgang des Alten Elbtunnels südlich der Elbe, wo kein Platz mehr frei blieb. Während jedoch die ebenfalls blau geschmückten Hafenfähren nur kurz durchs Bild sausten, glitten die großen Pötte wie die "Aidaaura" oder "Mein Schiff" erhaben und langsam an den Besuchern vorbei. Ganz Diven eben. 20 Minuten nach dem Start der Auslaufparade passierten die Schiffe den Fischmarkt, wo sogar auf den Balkonen der Häuser Menschen winkten. Auch wenn das Segelschiff "Atlantis" zwischen den Kreuzfahrtriesen fast unscheinbar wirkte, fühlten sich die Gäste an Bord wohl. "Ich kann es nicht beschreiben, es ist unglaublich, hier an Bord zu sein, ich habe sogar die Segel mitgehisst", berichtet Harald Maelger, 46, aus Rissen. Auch Anne Jungblut und ihr Mann Harry waren begeistert. Sie hatten die Auslaufparade vor zwei Jahren noch von Land aus beobachtet. "Der Perspektivwechsel ist beeindruckend, und das Spektakel erinnert an die Silvesternacht im Hafen", sagte auch die 66-Jährige aus Niendorf.

Die nächsten Cruise Days sind schon in Sicht: 17. bis 19. August 2012.