Kommentar

Die Paraderolle Hamburgs

Es gibt viele Schönheitswettbewerbe, die wenigsten sind so gut besucht wie die Hamburg Cruise Days. Zum Höhepunkt des Traumschiff-Treffens am Sonnabendabend strömten allein 150 000 Menschen. Sie feierten die Modelle, von denen eines schöner als das andere den Laufsteg Elbe entlang kam. Von der stolzen "Atlantis" bis zur glamourösen MS "Deutschland". "Schöner als die Schiffer", befand ein Gast über die Schiffe. "Man müsste ihnen Preise verleihen." Gewonnen hat am Ende die Stadt. Welche andere Hafenmetropole hätte es geschafft, aus dem simpel klingenden Freizeitvertreib "große Pötte gucken" eine solche Show zu machen? Die Paraderolle Hamburgs begann aber nicht erst mit der Auslaufparade um 21.30 Uhr, sondern schon im Juli 2004. Als zum ersten Mal die "Queen Mary 2" am Grasbrook-Terminal festmachte, zogen unerwartet 500 000 Menschen los, um ihr die Aufwartung zu machen. Mögen andere mit ihren Royals protzen, die Hamburger hatten plötzlich eine Königin der Herzen.

Die Stadt war so klug, auf diesen Zug beziehungsweise dieses Schiff aufzuspringen und kreierte mit den Cruise Days ein geniales Format für die Elbmetropole. Eine Bühne, auf der die Marke Hamburg als Drehscheibe für die Kreuzfahrtbranche gefeiert werden konnte. Es ist der richtige Kurs: Heute kommen 110 Kreuzfahrtschiffe jährlich an die Elbe, vor zehn Jahren waren es gerade mal 29. Wohin die Reise geht, ist also klar: aufwärts.