Sicherheit

Hamburg stellt 110 neue Wachleute für HVV ein

Foto: Roland Magunia

Die Sicherheitskräfte sollen an Brennpunkten eingesetzt werden, vor allem abends und am Wochenende. Die Debatte um Busspuren geht weiter.

Hamburg. Hamburgs S- und U-Bahnen sollen sicherer werden. Vom kommenden Jahr an werden 110 zusätzliche Sicherheitskräfte in den Bahnen und an den Haltestellen im Einsatz sein. Damit steigt die Zahl der Wachleute um mehr als ein Viertel. Darauf verständigten sich der Senat, die Verkehrsunternehmen des HVV, die Polizei Hamburg und die Bundespolizei.

"Wir wollen, dass die Fahrgäste sich subjektiv und objektiv sicherer fühlen können", sagte Innensenator Michael Neumann (SPD). Die zusätzlichen Sicherheitskräfte, die zurzeit bereits rekrutiert und ausgebildet werden, sollen vor allem dort eingesetzt werden, wo eine besondere Sicherheitslage es erfordert - zum Beispiel an Wochenenden auf dem Kiez oder bei Großveranstaltungen. Um schnell vor Ort zu sein und die Streifen möglichst gut koordinieren zu können, werden Verkehrsbetriebe und Polizei noch besser vernetzt und entwickeln gemeinsam aktuelle Lagebilder. Erstmals haben sich Hochbahn und S-Bahn zudem das gegenseitige Hausrecht übertragen.

Vor allem in den Abendstunden und in den Wochenend-Nächten sollen vermehrt Sicherheitskräfte im Innenstadtbereich unterwegs sein, darüber hinaus wird es gezielte Einsatzschwerpunkte geben: an den Stationen Hauptbahnhof, Reeperbahn, Jungfernstieg, Altona und Harburg Rathaus sowie auf den Linien S 3/S 31 von Hauptbahnhof Richtung Harburg und S 21 Richtung Bergedorf. An den Haltestellen Reeperbahn und Jungfernstieg werden zudem zwei neue Sicherheitswachen eingerichtet, jeweils auf den Zwischenebenen. Hochbahnchef Günter Elste gab sich optimistisch: "Die in den Bahnen und auf den Haltestellen sichtbare Verstärkung wird zu weniger Vorfällen im Bereich des HVV führen."

Die Kosten für 100 Wachleute in Höhe von jährlich vier Millionen Euro werden von der Wirtschaftsbehörde übernommen, zehn weitere Mitarbeiter finanziert die S-Bahn. Ab 2012 verfügt die S-Bahn damit insgesamt über 270 und die Hochbahn über 400 Sicherheitskräfte, von denen allerdings 100 als Kontrolleure tätig sind.

Wirtschaftssenator Frank Horch (parteilos) ist sich sicher, dass nach der Verstärkung des Wachpersonals mehr Menschen auf den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) umsteigen werden. "Es ist unser erklärtes Ziel, die Attraktivität der öffentlichen Verkehrsmittel zu erhöhen - die Sicherheit ist ein Baustein", sagte Horch.

Ein weiterer ist, wie berichtet, die Beschleunigung des Busverkehrs durch zusätzliche Sonderspuren und eine grüne Welle für HVV-Busse. Derzeit konkretisiert eine Expertengruppe der Wirtschaftsbehörde die Planungen zur Ampelschaltung und neuen Busspuren. Anfang Oktober will der Senat darüber entscheiden.

Obwohl es planrechtlich nicht nötig wäre, setzt Senator Horch bei der Planung der neuen Busspuren auf eine umfassende Bürgerbeteiligung. Der ADAC befürchtet neue Staufallen. Die Debatte in der Stadt hat bereits begonnen: Allein die Überlegung, wie künftig mit dem Durchgangsverkehr an der Langen Reihe umgegangen werden soll, sorgt für heiße Diskussionen zwischen Anwohnern, Gewerbetreibenden und Autofahrern in St. Georg.

GAL-Verkehrspolitiker Till Steffen äußerte Zweifel an den Plänen des Senats. Zwar befürwortet er eine Busbeschleunigung; mit den bisherigen Plänen zum Ausbau des Bussystems könne der "drohende Verkehrskollaps" aber nicht verhindert werden.

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Problemzonen:

Sicherer und schneller soll der öffentliche Nahverkehr werden. Doch der Bau neuer Busspuren wird schwierig - oft ist schlicht kein Platz vorhanden

Wenn es schlecht läuft, stauen sich am Mühlenkamp gleich drei Busse hintereinander, während ein Kleinwagen die zweite Reihe zuparkt und der Gegenverkehr kein Ende nimmt. Und weil es auf der viel befahrenen Straße in Winterhude oft schlecht läuft, kommt dort der öffentliche Nahverkehr regelmäßig zum Erliegen. Viele Ampeln, viel Verkehr und begrenzter Platz ziehen viel Unmut nach sich, Busnutzer wie Helmut Schmidt kennen das: "Es gibt sehr häufig Verspätungen. Aber das ist ja klar, wenn die Busse mit den Autos im Stau stecken", sagt der 71-Jährige Poppenbüttler, während er auf die Linie 6 wartet. Vorrang-Ampelschaltungen oder Busspuren hält er deshalb prinzipiell für sinnvoll. "Aber nur an Stellen, die Potenzial bieten. Hier gibt es für beide Lösungsansätze viel zu wenig Platz. Denn egal ob Ampelschaltung oder Busspur - es geht auf jeden Fall zulasten der Autofahrer."

Hier, am schmalen Mühlenkamp, stößt die vom SPD-Senat geplante Modernisierung des Bussystems offenkundig an räumliche Grenzen. Wie berichtet, mühen sich Politik und Hochbahn, Alternativen für den öffentlichen Nahverkehr zu finden, weshalb nach dem kostenbedingten Aus für die Stadtbahn nun die Kapazität der Busse um ein Drittel erhöht, die Taktung auf vier Minuten verengt werden soll. Neue Bus-Sonderspuren und optimierte Ampelschaltungen sind geplant. Beides - so viel steht fest - werde nicht ohne Einschränkungen für andere Verkehrsteilnehmer möglich sein. Besonders nicht in den engen Problemzonen.

Dabei ist der Mühlenkamp nicht die einzige Stelle, an der Ausbaureserven nahezu undenkbar sind. Auch an der vierspurigen Tarpenbekstraße, wo Busse durch zähen Autoverkehr und ein enges Ampelsystem behindert werden, herrscht Skepsis. "Ich frage mich wirklich, wie man das darstellen möchte", sagt HVV-Vielfahrerin Katja Stamann. "Das würde hier richtigen Stau geben, wenn sie noch eine Busspur bauen", ergänzt ihre Freundin Meike Lechner. "Klar sind weitere Busspuren sinnvoll", sagt die Arztassistentin aus Eppendorf. "Gerade weil der 22er so ätzend unpünktlich ist. Aber hier sehe ich keine Chance dafür."

Ähnlich schätzt das der überzeugte Autofahrer Jenko Harrendorf ein. "Das können die hier nicht machen", sagt er. Schon jetzt staue sich der Verkehr teilweise weit zurück. Mit Baustelle und Busspur ginge an der Straße, einem der Hauptzufahrtswege zum Flughafen, nichts mehr vor und zurück.

Eine Meinung, die Anwohner Ludwig Strauss aus Autofahrersicht teilt. Hinzu komme der vermutlich steigende Parkdruck wegen wegfallender Stellplätze. "Aber natürlich erkenne ich in dem geplanten Konzept auch den richtigen Weg, Busfahren attraktiver zu machen." Der Erzieher sieht jedoch das Problem, dass sich im Zuge der Bauarbeiten oder der Einschränkung durch die Busspur der Autoverkehr auf andere Straßen verteilen und diese zusätzlich belasten würde.

Der ADAC - sonst eher Autofahrerlobbyist - befürwortet indes eingeschränkt sowohl die Busspuren als auch die bevorzugte Ampelschaltung für die Busse. "Das ist in einer Metropole wie Hamburg absolut richtig", sagt Matthias Schmitting vom ADAC Hansa. Aber die Reihenfolge sei wichtig. Zunächst müsse der Nahverkehr attraktiver werden, damit mehr Leute zusteigen. Erst wenn dadurch merklich mehr Platz auf den Straßen frei wird, sollten die Busspuren folgen.

Der Experte plädiert für eine Gesamtbetrachtung des städtischen Verkehrs. Trotz Busbeschleunigung sollten die Belange der Radfahrer, Fußgänger und Autofahrer nicht außer Acht gelassen werden. "Wenn eine Ampelschaltung verändert werden soll, muss jeder Knotenpunkt individuell beobachtet und bewertet werden - unter Berücksichtigung des Querverkehrs, der Tageszeiten und des Verkehrsbedarfs."

An der Langen Reihe etwa, an der viele Interessen aufeinandertreffen, sei ein komplett neues Konzept nötig, in dem eine Busspur eine Rolle spielen könne. Denn bereits heute beführen täglich bis zu 15 000 Autos die Straße. Zum Vergleich: 25 000 Autos berechtigen zum Bau einer Autobahn.

Schnellstraßenähnlich wirkt schon heute die teils sechsspurige Kreuzung Doormannsweg/Fruchtallee. Laut Hochbahn komme es dort im Berufsverkehr trotzdem zu Verzögerungen für Busse. Ampeln und Autos machten ein zügiges Vorankommen schwer. Und zumindest ist hier eine zusätzliche Spur vorstellbar. Laut Jonas Schetelig wäre sie sogar "erstklassig". Der 20-Jährige Nienstedtener ärgert sich fast täglich über Verspätungen. "Und Platz wäre hier für eine Busspur vorhanden", sagt er. Zumal einige Linien zeigen würden, dass diese Spuren tatsächlich Zeitersparnis brächten. Dass es für Autofahrer auf den Einfallstrecken zu erheblichen Behinderungen kommen würde, könne er sich zwar vorstellen. "Aber ich finde es trotzdem gerechtfertigt", weil damit auch viele zum Umdenken und Umsteigen gezwungen wären.

Noch steht nicht fest, wo und in welcher Form dem Busverkehr mittels Extra-Spur oder Ampelschaltung Vorrang eingeräumt wird. Die Planer erhoffen sich 20 Prozent Zeitersparnis und ein Drittel mehr Fahrgäste. Und nehmen in Kauf, dass der Autoverkehr darunter leiden wird.

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