Biertrinker in der S-Bahn - ein persönlicher Erfahrungsbericht

Hamburg. Ein Alkoholverbot sei nicht durchsetzbar, sagt der HVV. Ein Bierchen in der S-Bahn ist doch nicht schlimm, meint mancher Zeitgenosse. Sind wir, die ein solches Verbot freuen würde, da nichts anderes als genussferne Benimm-Hanselns, denen der Realitätssinn abhandengekommen ist?

Wohl kaum. Langjähriges S-BahnFahren kann einem das "Bierchen" in der Bahn reichlich verderben. Schon mal am Sonntagmorgen mit dem Pattex-Gang durch einen S-Bahn-Waggon bewegt, in dem nachts gezecht worden sein muss wie in der Bierkutscherkneipe? Die Schuhe backen am Boden, was in den Sitzbänken klebt, möchte man nicht wissen. Schön auch, wenn der Passagier neben einem eine Hülse aufreißt, laut schluckt und seinen schweren Biergeruch für alle verströmt. Oder Gruppen junger Männer die Bahn zur Hafenkneipe machen.

Gefühlt ist das alles extreme Rücksichtslosigkeit im Umgang miteinander. Warum soll jemand, der täglich S-Bahn fahren muss, Gefahr laufen, sich plötzlich in einer Umgebung wieder zu finden, in die er sonst freiwillig nie gehen würde?

Alkohol in der Bahn ist zwar nur eine von vielen Arten der täglichen Belästigungen, aber eine besonders ärgerliche. Ein Verbot würde sie öffentlich ächten. Und das hilft schon. Wer dann noch trinkt, ist wirklich Pöbel.