Hochbahn

So sollen Hamburgs Busse schneller werden

Unternehmen will massiv in das Bussystem, das U-Bahn-Netz und in barrierefreie Bahnhöfe investieren. Minus 2010 von 56,6 Millionen Euro.

Hamburg. 360,6 Millionen Fahrgäste in ihren U-Bahnen und Bussen registrierte die Hamburger Hochbahn noch 2002, in diesem Jahr sind es bereits 413,9 Millionen und bis 2020 erwartet Hochbahnchef Günter Elste sogar 520 Millionen Passagiere. "Hamburg wächst, und auch immer mehr Pendler steigen auf den öffentlichen Nahverkehr um - und das merken wir dann deutlich", so Elste.

Der Zwang zum Ausbau des Verkehrsnetzes ist da tatsächlich nicht zu leugnen. Doch nachdem der neue SPD-Senat vor wenigen Monaten die schwarz-grünen Pläne für eine Schienen-Stadtbahn, ein Wiederaufleben der guten alten Straßenbahn, als nicht finanzierbar gekippt hat, mussten Elste und seine Leute sich beeilen mit Alternativkonzepten wie mit dem jetzt angekündigten Bauprogramm von neuen Busspuren und Vorrang-Ampelschaltungen. Doch reicht das aus? "In den kommenden fünf Jahren zunächst einmal ja", sagt Elste. Rund eine Milliarde Euro hätte der Bau der Stadtbahn gekostet, das Busprogramm schlage dagegen mit einem "hohen zweistelligen Millionenbetrag" zu Buche, rechnet er vor. Auch langfristig sei wegen der Zinsbelastung der Bau von Busspuren und intelligenten Ampelschaltungen günstiger als eine so teure Infrastrukturmaßnahme wie der Bau der Stadtbahn.

+++ Grüne Welle für HVV: Busse im 4-Minuten-Takt +++

Eine Überlegung, die die Hamburger Hochbahn in den kommenden Jahren gut anstehen könnte. Zwar konnte sie in ihrer aktuellen Bilanz wieder Rekorde verweisen: So sank das Defizit um 1,8 Millionen auf 56,6 Millionen Euro und die Hamburger U-Bahnen und Busse erreichen immerhin einen Kostendeckungsgrad von 88,7 Prozent - weit mehr als der deutsche Durchschnitt, der bei den öffentlichen Verkehrsbetrieben bei einem Deckungsgrad von 77,4 Prozent liegt.

"Wir sind damit eines der wirtschaftlichsten Verkehrsunternehmen", verkündete Finanzvorstand Helmut König jetzt während der Bilanzpressekonferenz des städtischen Unternehmens. Allerdings deutete er auch vorsichtig an, dass nicht für alle Zeit mit weiter sinkendem Defizit gerechnet werden könne. Instandhaltung und Modernisierung des 100 Jahre alten U-Bahn-Netzes würden in Zukunft das Ergebnis belasten, kündigte er an. Ebenso wie die Erweiterung der neuen U 4. Die auch als HafenCity-U-Bahn bezeichnete Trasse soll nach neuen Hochbahnplänen von 2013 an schon bis zu der Norderelbbrücke in der östlichen HafenCity in offener Bauweise fortgeführt werden. Der erste Abschnitt zwischen Jungfernstieg und mittlerer HafenCity soll indes im Herbst des kommenden Jahres in Betrieb genommen werden. Zudem müssten dort "dringend" auch Aufstellgleise gebaut werden, damit die neue U-Bahn bei Veranstaltungen an der Hafenkante die vielen Leute auch transportieren könne, sagt Elste.

Die Hochbahn will neben Bussystem und U 4 aber auch in anderen Bereichen weiter investieren. So sollen in den kommenden Jahren weitere U-Bahn-Haltestellen barrierefei für Rollstühle und Kinderwagen ausgebaut werden. Bis 2015 sollten zunächst vier Stationen modernisiert werden - jetzt sieht der Plan sogar vor, in den kommenden vier Jahren 20 Haltestellen barrierefrei zu gestalten. In diesem Jahr soll der Umbau am Berliner Tor beginnen, weitere Arbeiten folgen an der Kellinghusenstraße. Neben den beiden aktuell in Bau befindlichen HafenCity-Stationen sollen bis 2015 auch folgende Haltstellen umgebaut werden: Berne, Burgstraße, Christuskirche, Emilienstraße, Eppendorfer Baum, Feldstraße, Hallerstraße, Kiwittsmoor, Legienstraße, Mundsburg, Osterstraße, Ochsenzoll, Rauhes Haus, Stephansplatz und Wandsbek-Gartenstadt.

Ein weiterer Investitionsschwerpunkt soll zudem der Ausbau alternativer Antriebstechniken sein, kündigt Elste an. So werde das Unternehmen noch in diesem Sommer vier neue Brennstoffzellen-Hybridbusse einsetzen. Großes Ziel für 2020: Ab diesem Jahr wolle die Hochbahn ausschließlich emissionsfreie Busse anschaffen. Elste: "Wir gehen davon aus, dass schon in den 30er-Jahren dieses Jahrhunderts fossile Brennstoffe zu teuer sein werden, um sie im öffentlichen Nahverkehr einsetzen zu können."