Altbundeskanzler im Interview

Helmut Schmidt über den Tod und eigene Ängste

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Den Tod seiner Frau Loki hat die Hamburger Kanzler-Legende Helmut Schmidt noch nicht verarbeitet. Fast 70 Jahre lang waren sie verheiratet.

Hamburg. Im Oktober 2010 starb seine Frau Loki, verarbeitet hat Altbundeskanzler und "Zeit"-Herausgeber Helmut Schmidt ihren Tod aber nicht. Fast 70 Jahre lang waren Loki und der Hamburger Sozialdemokrat verheiratet. "Nein", sagt er der Zeitschrift "Focus" jetzt in einem Interview, verarbeitet habe er das nicht. Obwohl er kein gläubiger Christ sei, halte er sich aber an ein Gebet des amerikanischen Theologen Reinhold Niebuhr: "Gotte gebe mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden." Eine Philosophie, die ihm einleuchte, so Schmidt. Auf die Frage, ob er jetzt, im Alter von 92 Jahren, Angst vor dem eigenen Tod habe, antwortete Schmidt mit einem Nein. "Vor dem Tode fürchte ich mich nicht. Nein. Wenn es keine Schmerzmittel gäbe, hätte ich Angst vor Schmerzen. Aber es gibt genug Schmerzmittel." Gesundheitlich gehe es ihm heute "erträglich". Auch wenn das Leben im Rollstuhl kein Vergnügen sei. Neulich saß er übrigens mit seinem Freund Siegfried Lenz zusammen, ebenfalls inzwischen auf den Rollstuhl angewiesen. Schmidt: "Ich habe ihm gesagt: Rollstuhl ist zwar eine beschissene Sache, aber immerhin: Wir leben und arbeiten noch, also kein Grund zur Klage."