Scientology

WikiLeaks: Ahlhaus als Informant

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Aus den Depeschen von US-Botschaftern auf der Seite WikiLeaks geht hervor, dass Ahlhaus wichtige Details ausgeplaudert haben soll.

Hamburg. Bürgermeister Christoph Ahlhaus (CDU) hat offensichtlich in seiner Funktion als Staatsrat der Innenbehörde Details über die Arbeit der Arbeitsgruppe Scientology (AGS) in der amerikanischen Botschaft ausgebreitet. Das geht aus Dokumenten hervor, die der britische "Guardian" der Enthüllungsplattform WikiLeaks entnommen hat. Demnach plauderte Ahlhaus 2007 gegenüber Spezialisten des Konsulats aus, dass der damalige Innensenator Udo Nagel die Chefin der AGS, Ursula Caberta, für "ein wenig verrückt" halte.

Ursula Caberta, deren Arbeitsgruppe im Rahmen der aktuellen Sparrunde faktisch aufgelöst wurde, sieht sich in ihrer Annahme bestätigt, Ahlhaus liege ihre Arbeit alles andere als am Herzen: "Ich werde diese Aussagen juristisch prüfen lassen. Es ist eine Frechheit, mit US-Konsuln so über eine Mitarbeiterin der eigenen Behörde zu reden."

Hintergrund dieser Gespräche war offenbar das von Ex-Innensenator Udo Nagel angestrengte Scientology-Verbotsverfahren. Konsulin Karen Johnson hatte die Inhalte des Gesprächs offenbar am 21. Dezember 2007 nach Washington "gekabelt". Ihre Schreiben gehören zu rund 250 000 brisanten und geheimen Botschaftsdokumenten, die WikiLeaks unlängst veröffentlichte.

Ahlhaus sagte laut den auf der Internet-Plattform publizierten Botschaftsdokumenten, dass auch er Scientology für verbotswürdig halte. Doch er sagt demnach auch, dass Caberta oft vorpresche, ohne sich mit der Behörde abzustimmen. Innensenator Nagels Büro werde zukünftig ein waches Auge auf die Aktivitäten Cabertas haben. Die Diskussion, so mutmaßte Ahlhaus, werde nach den Wahlen sowie der Innenministerkonferenz weitgehend abebben. Nagel würde Caberta zudem als "leicht verrückt" empfinden.

Ex-Innensenator Nagel sagte dem Abendblatt am Freitag, er halte Caberta tatsächlich für verrückt, aber im positivsten Sinne. "Es ist verrückt, welches Arbeitspensum sie sich aufhalste." Senatssprecherin Kristin Breuer sagte zu den WikiLeaks-Enthüllungen: "Das ist pures Wahlkampfgetöse. Ahlhaus war und ist Unterstützer des Scientology-Verbots."

SPD-Innenexperte Andreas Dressel entgegnet: "Die Enthüllungen zeigen, dass die CDU nur über ein Scientology-Verbot geredet hat, um Wählerstimmen zu gewinnen. "