Julian Assange

Jagd nach dem WikiLeaks-Gründer: Ist er in Großbritannien?

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Julian Assange wird von schwedischen Behörden gesucht – wegen Vergewaltigungs-Verdacht. Der 39-Jährige weist die Vorwürfe zurück.

Washington/Stockholm/Berlin. Julian Assange hält die USA und die Welt der Diplomatie mit seinem Enthüllungen in Atem – jetzt wird es allerdings eng für ihn. Es heißt, der WikiLeaks-Gründer verstecke sich irgendwo in Großbritannien. Die schwedische Justiz rechnet damit, dass er in Kürze gefasst wird. Der Vorwurf gegen den 39-jährigen Australier bezieht sich allerdings nicht auf dessen Weitergabe hochsensibler US-Diplomatendepeschen – die schwedische Justiz verfolgt ihn vielmehr wegen des Verdachts der Vergewaltigung.

Assange dagegen bestreitet diese Vorwürfe. Er sieht sie vielmehr als Teil einer Verschwörung, die von den USA gesteuert wird. Allerdings wies der Oberste Gerichtshof in Stockholm am Donnerstag eine Klage Assanges ab, der damit die Aufhebung des Haftbefehls gegen ihn erreichen wollte.

Wirbel wegen WikiLeaks gibt es auch in Berlin. Am Pranger steht der FDP-Mitarbeiter, der die US-Botschaft mit vertraulichen Informationen über die Koalitionsverhandlungen versorgte. Es handelt sich um den bisherigen Büroleiter von Parteichef Guido Westerwelle in der FDP-Bundesgeschäftsstelle, Helmut Metzner. Der 41-Jährige wurde inzwischen von seinen Aufgaben entbunden. Entsprechende Informationen der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (Freitag) wurden in Parteikreisen bestätigt.

Während Politiker rund um den Globus beim Wort WikiLeaks rot sehen, findet die Mehrheit der Deutschen die Veröffentlichung gut. Die „Bild“-Zeitung (Freitag) berichtet unter Berufung auf eine online-gestützten Repräsentativ-Umfrage des Instituts youGov, dass 50 Prozent von 1011 Befragten es befürworten, dass die Dokumente ans Tageslicht kommen. Lediglich 32 Prozent finden das falsch, 18 Prozent gaben an, sie hätten keine Meinung zu dem Thema.

Unterdessen gehen die Enthüllungen weiter. Neustes Thema: Das Staunen von US-Diplomaten über grassierende Korruption in Afghanistan. So kabelte die US-Botschaft im vergangenen Januar, lediglich ein Minister in Kabul stehe nicht unter Verdacht von Korruption und Vetternwirtschaft. Das geht jedenfalls aus US- Dokumenten hervor, die Wikileaks nach Angaben der „New York Times“ veröffentlicht. Es heißt, Präsident Hamid Karsai selbst habe zum Beispiel fünf Grenzpolizisten begnadigt, die mit über 100 Kilogramm Heroin erwischt worden seien.

Druck auf WikiLeaks kommt von allen Seiten: So verbannte der US- Internetdienstleister Amazon die geheimen Dokumente von seinen Servern. Ein prominenter amerikanischer Senator ruft die Welt zum Wikileaks-Boykott auf.

Der gesuchte Internet-Aktivist hält sich nach Angaben der britischen Zeitung „The Times“ seit Oktober in Großbritannien auf. Das Blatt berichtet, Assange habe es einem Formfehler der schwedischen Behörden zu verdanken, dass man ihn nicht habe festnehmen können.

Die schwedisch Justiz wirft Assange vor, er habe bei einem Schweden-Besuch im August zwei Frauen vergewaltigt und sexuell genötigt.

Das US-Justizministerium prüft mögliche rechtliche Schritte gegen Assange wegen Spionage. Der republikanische Abgeordnete Peter Hoekstra, Mitglied des Geheimdienstausschusses, sieht allerdings nur geringe Chancen auf Erfolg. Die derzeitigen Gesetze seien für eine solche Anklage nicht geschaffen, sagte er dem TV-Sender CNN.