Karriere

Von Pfandbons, Piloten-Mützen und einem Klaps auf den Po

Inhalt:

Wenn vermeintliche Bagatellen zur Kündigung führen, ist die Aufregung groß. So auch beim Fall einer Supermarktkassiererin, die nach über 30 Jahren im Betrieb fristlos gefeuert wurde, weil sie zwei Leergut-Pfandbons unterschlagen hatte. Das Rechtsempfinden vieler Menschen sagt: Stopp, das ist nicht fair. Aber so einfach ist es nicht.

Bei Eigentumsdelikten greift das Strafrecht – und wegen ein paar Cents macht sicher kein Staatsanwalt ein Fass auf. Im Arbeitsrecht sieht die Sache anders aus. Der Arbeitgeber muss seinem Arbeitnehmer vertrauen können. Vermeintliche Kleinigkeiten wie Büromaterial mit nach Hause nehmen oder der über Hauspost verschickte Privatbrief erschüttern dieses Vertrauensverhältnis, auch wenn der Schaden für das Unternehmen im Centbereich liegt. Es ist ein Kündigungsgrund.

Die Geschichte der Supermarktkassiererin ist eine von Dutzenden im Buch "Was Chefs nicht dürfen und was doch". Und sie zeigt, dass die "gefühlte Gerechtigkeit" von den tatsächlichen Rechtsnormen abweichen kann. In sieben Kapiteln beantworten der Arbeitsrechtler Ulf Weigelt und die Journalistin Sabine Hockling in leicht verständlicher Form viele solcher Fragestellungen zum deutschen Arbeitsrecht.

Präsentation:

Besser kann man juristische Themen einem Laien kaum näherbringen. Am Beginn jedes Abschnitts steht eine Frage, und die Antwort ist selten länger als eine Seite. Wichtige Aspekte sind hervorgehoben. Einige dieser Geschichten bleiben als besondere Präzedenzfälle im Gedächtnis. Darunter das Beispiel, bei dem es um Schadenersatz geht, nachdem der Vorgesetzte einer Mitarbeiterin einen Klaps auf den Po gegeben hat. Oder auch der Fall des Lufthansa-Piloten, der vor Gericht ging, weil die männlichen Piloten der Fluglinie Mützen tragen müssen und weibliche nicht – denn, so begründete es die Lufthansa, die Mützen könnten die Frisuren der weiblichen Mitarbeiterinnen beschädigen. Der Kläger bekam übrigens recht. Auch männliche Piloten müssen nun keine Mütze mehr tragen.

Praxiswert:

Das Buch ist für Arbeitnehmer ebenso wie für Arbeitgeber, sprich Führungskräfte, interessant. Denn nicht jeder Chef hat einen Personaler an der Seite oder eine Standleitung in die nächste Arbeitsrechtskanzlei. Für eine Grundorientierung zu rechtlichen Fragen des Arbeitsalltags ist dieses kleine Taschenbuch hervorragend geeignet. Denn auch aktuelle Themen kommen zur Sprache, zum Beispiel, ob privates Chatten am Arbeitsplatz verboten ist oder wie viele persönliche Daten man bei einer Bewerbung preisgeben muss. Das Buch schützt vor teuren Irrtümern und unangenehmen Überraschungen.

© Hamburger Abendblatt 2017 – Alle Rechte vorbehalten.