03.01.13

"Charta der Vielfalt"

Diversity-Expertin: "Chefs müssen Mensch bleiben"

Warum Arbeitgeber es schätzen sollten, dass Mitarbeiter verschieden sind, erklärt Aletta Gräfin von Hardenberg, Expertin für "Diversity"

Von Anke-Sophie Meyer, Andrea Pawlik
Foto: Aletta von hardenberg/privat
Aletta von Hardenberg
Aletta von Hardenberg

Aletta Gräfin von Hardenberg hat sich der beruflichen Förderung von Menschen in ihrer Vielfalt verschrieben - sei es ethnische Herkunft, Geschlecht, Alter, sexuelle oder religiöse Orientierung. Als Geschäftsführerin des Vereins "Charta der Vielfalt", finanziert von 17 Dax-Unternehmen, konnte sie bis jetzt gut 1200 Firmen, darunter auch 102 aus Hamburg, für die Charta gewinnen. Die Unterzeichner verpflichten sich zu "gelebter Vielfalt" (engl. Diversity) und dazu, eine Organisationskultur zu pflegen, "die von gegenseitigem Respekt und Wertschätzung jeder und jedes Einzelnen geprägt ist".

Hamburger Abendblatt: Was macht für Sie eine gute Führungspersönlichkeit im Sinne der "gelebten Vielfalt" aus?

Aletta Gräfin von Hardenberg: Interesse an Menschen, ihre Vielfalt zu erkennen, diese wertzuschätzen und zuhören zu können. Menschen zu begeistern und ihnen Chancen zu bieten. Verantwortung für diese Menschen zu übernehmen. In den vielen sehr unterschiedlichen herausfordernden Situationen selber Mensch zu bleiben, Vorbild zu sein und hinter den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu stehen. Walk the Talk (Anm. der Red.: "praktizieren, was man predigt"). Vorleben, was von den Beschäftigten verlangt wird. Das gemeinsame Ziel klar vor Augen haben und dieses mit Einsatz der sehr individuellen und vielfältigen Stärken der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen zu erreichen.

Diversity wird oft auf Frauen- oder Migrantenförderung verkürzt. Aber es geht um besagte "vielfältige Stärken", oder?

Gräfin Hardenberg: Richtig, es geht hier nicht um Förderprogramme für "Betroffenengruppen" oder Quotendiskussionen. Vielfalt bewusst einzusetzen und zu steuern ist eine Chance für alle Organisationen. Sie hilft einerseits dabei, eine vorurteilsfreie offene Unternehmenskultur umzusetzen, andererseits bei der Erschließung neuer Märkte und Kundengruppen im In- und Ausland. Denn jeder Kunde und jede Kundin brauchen ein passendes Gegenüber.

Wie zahlt sich Diversity für Unternehmen aus?

Gräfin Hardenberg: Vielfalt steigert die Innovationskraft, vorausgesetzt, die unterschiedlichen Menschen werden richtig geführt. Die damit mögliche Erschließung neuer Märkte und Kundengruppen bringt einen wirtschaftlichen Vorteil. Außerdem muss ich als Unternehmen vor dem Hintergrund des demografischen Wandels bei der Rekrutierung über meinen Tellerrand schauen und möglicherweise andere Zielgruppen ansprechen, um meine Stellen weiterhin mit den besten Talenten besetzen zu können. Ein positiver Nebeneffekt ist dann, dass die Öffentlichkeit mein Unternehmen als pluralistisch und offen wahrnimmt.

Wie müssen Führungskräfte von der Unternehmens- oder Personalleitung auf das Thema vorbereitet werden?

Gräfin Hardenberg: Essenziell ist, dass das Thema top down angegangen wird. Die Unternehmensleitung muss es vorleben und in sämtliche Prozesse einbeziehen. Es ist kein alleiniges Thema der Personalabteilung, es betrifft genauso alle anderen Geschäftsbereiche. Nehmen Sie Diversity in Ihre Unternehmensstrategie auf, und machen Sie es zu einem Teil Ihrer Kultur. Konkret sind Trainings, Seminare und Workshops zu Diversity wichtig, zum einen zur Sensibilisierung und zum anderen für den praktischen Einsatz von Vielfalt.

Was mussten Sie selbst als Führungsperson noch lernen?

Gräfin Hardenberg: Es gibt nur einen gemeinsamen Erfolg, und dieser kann nur so gut sein wie das Team, mit dem ich arbeite. Geduld zu delegieren und dass viele Wege an das gemeinsame Ziel führen. Wie vielfältig Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind und dass man auch seinen Führungsstil danach ausrichten muss, wenn man ein erfolgreiches Team motivieren möchte, um gemeinsam die besten Lösungen zu erarbeiten. Unbequeme und harte Entscheidungen zu treffen fordert mich noch heute.

Beschreiben Sie mal Ihren Führungsstil.

Gräfin Hardenberg: Temperamentvoll und manchmal ungeduldig ... Daran arbeite ich noch. Nicht hierarchisch, ich biete Chancen, aber fordere auch. Ich binde mein Team ein, wo und wie immer es geht, höre zu, vertraue meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und stehe loyal zu und hinter ihnen.

Wie motivieren Sie Ihre Mitarbeiter?

Gräfin Hardenberg: Ich bin selber begeisterungsfähig und teile diese Begeisterung. Mache deutlich, dass wir ein gemeinsames Ziel haben, höre zu und beteilige sie an Entscheidungen. Ich biete Chancen und übertrage ihnen Verantwortung. Gute Ideen und Ergebnisse werden belohnt.

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