03.01.13

Karrierewege

Die Liebe zu den Loks stellte die Karriere-Weichen

Karrierewege: Ute Plambeck fand schon als Kind Schraubenzieher interessanter als Puppen. Heute ist sie Konzernbevollmächtigte der Bahn.

Von Beate Kranz
Foto: www.malzkornfoto.de
Ute Plambeck - Bahn AG
Ute Plambeck, 49, ist seit gut acht Jahren das Gesicht der Deutschen Bahn in Norddeutschland

Ihre Vorliebe für die Eisenbahn und alles Technische wurde ihr in die Wiege gelegt. "Mein Vater war Lokomotivführer und Maschinenschlosser. Er hat mir immer viel Spannendes über seinen Beruf erzählt", erinnert sich Ute Plambeck. Schon als Mädchen legte sie sich lieber mit ihrem Papa unters Auto, half ihm beim Reparieren, statt mit Puppen zu spielen. "Eine Puppe hatte ich zwar auch, aber Schraubenzieher waren für mich interessanter. Wenn es dann noch hieß, das können Mädchen nicht, dann wollte ich es erst recht."

Heute ist die gebürtige Hamburgerin bei der Deutschen Bahn Konzernbevollmächtigte für die Länder Hamburg und Schleswig-Holstein - und damit bundesweit bei dem Staatskonzern die einzige Frau in dieser Position. Ute Plambeck ist seit gut acht Jahren "das Gesicht der Bahn" in Norddeutschland. Sie ist nicht nur für rund 11.500 Mitarbeiter zuständig, sondern auch die Ansprechpartnerin für Politik und Wirtschaft in allen Bahnbelangen. Zudem sitzt Plambeck im Aufsichtsrat der Deutschen Bahn AG.

Die 49-Jährige ist eine zupackende Managerin mit natürlicher und sympathischer Ausstrahlung. Ihre leuchtenden, blauen Augen unterstreichen ihre optimistische Grundhaltung und Freude am Job. In der früheren Bundesbahndirektion am Bahnhof Altona hat Plambeck im zweiten Stock ihr Büro mit Schreib- und Besprechungstisch in hellem Holz. An den weißen Wänden hängen historische Bahnhof-Fotos sowie ein Kunstdruck von Marc Chagalls "Der Kuss", dessen Farben sie liebt. Auf ihrem Schreibtisch strahlt ihr Sohn aus einem Fotorahmen.

Ihrer großen Verantwortung ist sich Plambeck bewusst, schließlich werden in ihrem Wirkungskreis oft verkehrspolitische Weichen für die Zukunft gestellt. Ein Thema ist die Hinterlandanbindung für den Fehmarnbelt. In Hamburg geht es vor allem um den Ausbau des Seehinterlandverkehrs für den Hafen. "Volkswirtschaften haben sich immer dort am besten entwickelt, wo die Infrastruktur stimmte."

Ihren beruflichen Aufstieg hat Plambeck durchweg bei der Bahn absolviert. Dabei durchlief sie zahlreiche Stationen, zeigte sich immer flexibel für neue Aufgaben. Zehn Jahre war sie in verschiedenen Positionen in Frankfurt und Hamburg. Unter anderem war sie für die Stückgutabfertigung am Hamburger Güterbahnhof verantwortlich und leitete als Bahnhofmanagerin den Hauptbahnhof Hamburg, den mit täglich 450.000 Fahrgästen am stärksten frequentierten deutschen Bahnhof. "Diese Wechsel waren mir immer wichtig, um Neues kennenzulernen und um mich weiterzuentwickeln."

Ursprünglich wollte Ute Plambeck Geophysik studieren. Sie hatte Physik als Leistungskurs belegt und ihr Abitur mit einem Einser-Durchschnitt absolviert. "Ansonsten war ich aber ganz normal", sagt sie schmunzelnd über ihre naturwissenschaftliche Ader. Nach ihrem Abitur im Jahr 1982 signalisierte man ihr jedoch, dass Frauen in der Geophysik im Gegensatz zu Männern nicht auf Exkursionen gehen, sondern deren Ergebnisse im Institut auswerten. "Das musste ich nicht haben, schließlich wollte ich etwas erleben", sagt sie. Sehr gern wäre Plambeck auch Pilotin geworden und hatte theoretisch gute Chancen, aber leider das falsche Geschlecht: "Lufthansa stellte dafür damals noch keine Frauen ein."

Also lotete sie bei der Bundesbahn, die damals noch eine Behörde war, ihre Chancen aus. Und die standen gut. Die Bahn praktizierte schon damals das Prinzip der Gleichberechtigung. Der Staatsbetrieb stellte nicht nur Frauen ein, sondern bezahlte ihnen auch das gleiche Gehalt wie Männern. "Das war damals nicht selbstverständlich und für mich ein entscheidendes Kriterium, zur Bahn zu gehen", sagt Plambeck. "Und dieses Prinzip schätze ich bis heute unverändert."

Ute Plambeck trat ein Studium im gehobenen nichttechnischen Bundesbahndienst an, studierte an den Fachhochschulen in Köln und Mainz und schloss als Diplom-Verwaltungsbetriebswirtin ab. "Damit stand die Bahnwelt für mich offen." Und tatsächlich hielt diese Wundertüte einige Beförderungen für sie bereit. Ihr Werdegang war für Plambeck nie ein Kampf: "In der Sache war ich immer ergebnisorientiert. Dabei wurde ich als Frau sehr fair behandelt und nie benachteiligt."

Auch als ihr Sohn vor elf Jahren geboren wurde, kam es nicht zu einem Karriereknick, im Gegenteil: Nur ein Jahr nach der Geburt stieg sie zur Leiterin des Regionalbereichs Nord auf. 2005 wechselte sie in ihre heutige Position. "Kind oder Karriere war für mich nie die Alternative. Ich wollte beides", sagt Plambeck. Dass dies so gut gelingen konnte, hat sie auch der Unterstützung ihres Mannes und ihrer Familie zu verdanken. Plambeck pausierte für acht Wochen Mutterschutz plus Jahresurlaub und begann wieder zu arbeiten. "Mit meinem Mann, einem Bauingenieur und Architekten, einigte ich mich auf ein Kooperationsmodell", erläutert sie. Im Klartext: Er arbeitete etwas weniger, während sie ihren Job mit ganzer Kraft fortsetzte - und wenn es eng wurde, sprangen die Omas ein. "Das war ein entspanntes Modell."

Für Ute Plambeck ist ein Leben ohne Beruf nicht vorstellbar. "Meine Unabhängigkeit - auch finanziell - war mir immer sehr wichtig", unterstreicht die Managerin. "Mir gefällt es, Dinge ins Positive zu verändern und gestalten zu können." Dabei setzt sie auf ihren eigenen Führungsstil: "Ich versuche immer, einen geraden Weg zu gehen. Also mit offenem Visier und auf Augenhöhe zu kommunizieren." Auch sie musste schon Personal abbauen, "was nicht gerade vergnügungssteuerpflichtig" sei. "Ich setze aber auf die Kraft der Argumente und versuche meine Mannschaft für ein Ziel zu motivieren. Zugleich versuche ich, individuelle Wege und Karrieren zu fördern." Ihre Stärken sieht Plambeck darin, "hartnäckig" zu sein und "in Konfliktsituationen moderieren" zu können. Und ihre Schwäche? "Ich bin manchmal etwas ungeduldig."

Einen "normalen" Arbeitstag gibt es für die Managerin nicht. In der Regel ist sie viel im Dreieck Kiel, Hamburg und Berlin unterwegs. "Ich bin schon froh, einmal in der Woche einen Bürotag in Hamburg zu haben." Viel Zeit verbringt sie in Sitzungen, Ausschüssen und Gesprächen. Die Familie will sie dennoch nicht zu kurz kommen lassen. "Wir versuchen, jeden Morgen gemeinsam zu frühstücken", sagt Plambeck. Und das Wochenende widmet sie, sofern möglich, ganz der Familie. Dann geht es hinaus ins Grüne oder zum Hockeyspiel des Sohnes. Und wenn sie besonders viel freie Zeit hat, kümmert sie sich auch um ihre eigene Fitness: "Dann stehen Nordic Walking oder Ski-Gymnastik auf dem Programm."

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