02.11.12

Transportbranche

Mehr als Gütertransport: Logistik braucht Akademiker

Experten lenken Warenströme und optimieren Lieferketten. Hamburger Hochschulen bieten passende Studiengänge an.

Foto: dpa
Container Terminal Burchardkai
Ein LKW wird in Hamburg auf dem Containerterminal Burchardkai beladen

Smartphones aus den USA, T-Shirts aus Vietnam, Orangensaft aus Brasilien - im Zuge der Globalisierung boomt der Welthandel. Waren im Rekordwert von mehr als 18 000 Milliarden Dollar wurden 2011 verschickt, für 2012 zeichnet sich der nächste Höchststand ab. Entsprechend viel zu tun gibt es bei deutschen Transport- und Logistikbetrieben sowie in den Fachabteilungen von Handel und Industrie.

Auf rund 50 000 neue Jobs schätzt die Bundesvereinigung Logistik BVL den Personalzuwachs im Jahr 2012 - vor allem für Hochqualifizierte. Gesucht werden keineswegs nur starke Männer, die Kartons schleppen und Laster fahren, sondern Fachkräfte mit kaufmännischem und technischem Know-how. Mehr als jeder zweite Betrieb würde laut einer Umfrage der BVL gern branchenaffine Ingenieure, Betriebswirte oder IT-Profis einstellen.

Doch die sind Mangelware. "Vielen Abiturienten erscheint die Logistikbranche nicht so schick und attraktiv wie zum Beispiel ein Automobil- oder Markenkonzern", sagt Till Walther, Geschäftsführer der Northern Business School NBS in Hamburg. Zum einen sind selbst große Firmen wie Helm, Fenthols, Transoflex oder Panalpina oft nur in Fachkreisen bekannt. Oder die Schüler und Absolventen haben ein falsches Bild vor Augen: "Wer die vielen Lastwagen mit Kühne+Nagel-Schriftzug auf der Autobahn sieht, glaubt oft, so ein Unternehmen beschäftige vor allem Fernfahrer", sagt Walther.

Dabei verdient die Bremer Spedition mit weltweit 63 000 Mitarbeitern ihr Geld nicht auf der Straße, sondern im Büro. Unternehmen wie Kühne + Nagel planen und organisieren für Kunden aus unterschiedlichsten Branchen komplexe Logistik, zum Beispiel sorgen sie dafür, dass ein Automobilkonzern just in time mit Bauteilen aus aller Welt beliefert wird, dass in den Filialen eines Handelskonzerns die Regale stets pünktlich aufgefüllt werden oder dass empfindliche Arzneien sicher und unverdorben ans Ziel gelangen.

"Komplexe Lieferketten zu planen ist wie ein Riesenpuzzle, bei dem sich die Teile auch noch bewegen", sagt Till Walther. Wer daran Spaß hat und in internationalem Umfeld arbeitet möchte, der kann an der privaten Hochschule zum Beispiel Betriebswirtschaft mit Schwerpunkt Logistik studieren. Zur Auswahl stehen zwei Studienmodelle: von montags bis freitags tagsüber oder am Freitagabend und am Sonnabend - ein Modell, das vor allem Berufstätige und Azubis nutzen. Auch der Wechsel vom einen zum anderen Zeitmodell ist jederzeit möglich.

So bleibt Freiraum für Praktika oder Studentenjobs. Denn das Studium an der NBS kostet monatlich rund 300 Euro. Und weil es sich offiziell um ein Teilzeitstudium handelt, gibt es kein BAföG. Vielen berufstätigen Studenten sponsert der Arbeitgeber das Studium.

Das gilt auch an der Hamburg School of Business Administration HSBA. Die 2004 gegründete private Business School, die von der Hamburger Handelskammer getragen wird, bietet ein duales Studium in Logistik-Management an. Drei Jahre lernen die Studenten abwechselnd im Unternehmen und im Hörsaal. Die Gebühren von 550 Euro pro Monat trägt in der Regel die Firma, die meisten Studenten erhalten sogar eine Ausbildungsvergütung. In den ersten Semestern stehen betriebswirtschaftliche Grundlagen auf dem Lehrplan, später branchenspezifische Inhalte wie Supply Chain Management, Transportplanung, Beschaffung und Lagerlogistik. Gutes Englisch ist Pflicht, denn das ist die Unterrichtssprache.

Vor Zahlen sollten Bewerber keine Scheu haben, denn Mathe, Statistik und quantitative Methoden wie lineare Programmierung sind wichtig: "Bei komplexen Touren- oder Standortplanungen kommen Sie mit dem Taschenrechner nicht weit", sagt Studiengangsleiter Prof. Jan Ninnemann. Bei der Suche nach einem Ausbildungspartner hilft die Studienplatzbörse auf der Website der HSBA. Dort finden sich aktuell Angebote etwa von Globetrotter, Hapag Lloyd, HHLA, Lidl oder Reemtsma.

In der Regel starten die dualen Studenten mit dem Bachelor direkt in den Job: "Die Unternehmen schätzen die besondere Praxisnähe und wissen, dass unsere Absolventen sofort operativ einsetzbar sind", sagt Ninnemann. Wer dagegen sein Fachwissen noch mit einem Master vertiefen möchte, dem bietet sich alternativ ein grundständiges Studium an einer staatlichen Hochschule an, zum Beispiel "Logistik und Mobilität" an der TU Harburg. Das Studium vermittelt kaufmännische und interdisziplinäre Kenntnisse aus den Natur- und Ingenieurwissenschaften.

Im Master ist später die Vertiefung in einem der beiden Anwendungsbereiche "Produktion und Logistik" oder "Verkehr und Mobilität" möglich. Absolventen stehen viele Arbeitsfelder offen - in der Produktionsplanung bei Verkehrsbetrieben, Hafen- oder Flughafenbetreibern, Behörden, Ingenieursbüros oder in der Wissenschaft.

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