26.10.12

Work&Travel

Nach dem Abi im Ausland jobben und die Welt entdecken

Work&Travel-Programme ermöglichen Arbeits- und Reiseaufenthalte in zahlreichen Ländern. Ole Wigger ging für acht Monate nach Australien.

Von Svenja Harten
Foto: privat
Ole Wigger (2. v. l.) bei der Melonenernte in Australien. Mit einem Van bereiste der Hamburger down under
Ole Wigger (2. v. l.) bei der Melonenernte in Australien. Mit einem Van bereiste der Hamburger down under

Ein paar Nächte im Hostel, mit einem Freund einen Van gekauft, umgebaut und auf Tour gegangen: So sah Ole Wiggers Start in Australien aus. Acht Monate war der Hamburger - heute ist er 23 und Psychologiestudent - mit dem Auto und seinem besten Freund als Wanderarbeiter down under unterwegs. Ihr Vehikel war dabei nicht nur Schlafstatt, sondern oft genug auch ein Türöffner: "Über den Van sind wir mit vielen Menschen ins Gespräch gekommen", sagt Wigger.

Work&Travel ist eine Mischform aus Arbeiten und Reisen, die für junge Deutsche in vielen Ländern weltweit möglich ist. Voraussetzung: Deutschland unterhält ein Working-Holiday-Programm mit diesem Land. Das besteht zum Beispiel zurzeit mit Australien, Neuseeland, Kanada, Japan, Hongkong, Südkorea und Singapur.

Erst wer 18 Jahre alt ist, darf sich ins Abenteuer stürzen, und bei den meisten Ländern ist mit 30 Jahren das Höchstalter erreicht. Viele machen ihre Work&Travel-Tour nach dem Abi. Doch die untere Altersgrenze von 18 Jahren kann für die heutigen Abiturjahrgänge ein Problem darstellen. Emely Dolberg, Jugendberaterin Hamburg bei der Organisation Stepin, die internationale Work&Travel-Programme anbietet, rät: "Wenn es nur um die Überbrückung eines kurzen Zeitraums bis zur Volljährigkeit geht, würde ich einen Sprachkurs machen und mich so auf die landestypische Sprache vorbereiten. Für wen dies keine Option ist, der kann auch bei einem Auslandspraktikum, einem Freiwilligen Sozialen Jahr oder als Aupair Auslandsluft schnuppern."

Wer Work&Travel macht, organisiert seine Reise selbst oder lässt sich für Geld von einer Organisation dabei unterstützen (ab ca. 1300 Euro). Einzelkämpfer sparen Kosten, müssen aber auch wesentlich mehr Eigeninitiative zeigen, sagt Julia Brockmeier, Bildungsreferentin und -beraterin im Europa Jugend Büro Hamburg. An ihr Büro können sich junge Leute wenden, die sich kostenlos und neutral erst einmal beraten lassen wollen, welche Wege sie ins Ausland führen könnten.

Die Work&Travel-Pakete der Organisationen sind unterschiedlich umfangreich. So bietet beispielsweise Step-in für Neuseeland folgende Optionen an: Beratung und Informationen zu Aufenthalt und Reiseversicherung, Hilfe bei der Beantragung des Visums, Jahresflugticket, drei Hostelnächte zu Beginn und die Nutzung eines Jobservicecenters für zwölf Monate.

Ob die Reise mit einer Organisation infrage kommt, ist Geschmackssache. Auf jeden Fall wichtig ist aber der Abschluss einer Auslandskrankenversicherung und einer Unfallversicherung am Arbeitsplatz. Da lohnt oft die Nachfrage bei der Versicherung der Eltern. In den meisten Ländern müssen Work&Travel-Reisende übrigens mindestens 1000 Euro Absicherungssumme vorweisen können, bevor sie überhaupt ins Land gelassen werden.

Auch Visum- und Reisekosten sollte man nicht unterschätzen. Wer sich absichern möchte, fährt gut damit - zumindest für die erste Nacht im Ausland - schon von zu Hause aus ein Hostel zu reservieren. Außerdem ist es empfehlenswert, ein bisschen Bargeld in der Landeswährung mitzunehmen. "Es ist zwar meistens möglich, direkt vor Ort Geld abzuheben, aber häufig hat man gerade dann Pech, und die Automaten funktionieren nicht", sagt Ole Wigger. "Dann ist aufgeschmissen, wer keine Kreditkarte dabei hat."

Nach der Ankunft geht es auf Jobsuche. Dabei helfen beispielsweise Angebote staatlicher Jobcenter oder Aushänge in Hostels. Viel läuft über Mundpropaganda und Initiativbewerbungen. Infrage kommen meist Arbeitsplätze in der Gastronomie, je nach Jahreszeit auf Feldern zum "Fruit Picking" bei der Ernte und im Winter als Servicekraft in Ski-Gebieten. Während solche Jobs bezahlt werden, gibt es als Alternative das "wwoofen" (abgeleitet von "World-wide Opportunities on Organic Farms"). Als Wwoofer arbeitet man in der Regel nur für Kost und Logis. Ole Wigger hat während seiner Zeit in Australien als Wwoofer eine Farm mit aufgebaut. "Der komplette Lebensbedarf wurde vom eigenen Hof gedeckt." Außer ihm und seinem besten Freund haben dort auch andere Ausländer gewwooft. "So konnte man zusätzlich noch andere Kulturen kennenlernen."

Jobs gibt es jedenfalls viele. Wer arbeiten möchte, muss sich nur trauen und einen Lebenslauf in Landessprache dabeihaben. "Und er darf sich für keinen Job zu fein sein", sagt Emely Dolberg von Stepin. Im Hinblick auf die spätere Berufswahl eignen sich Kombinationen aus Work&Travel und Auslandspraktikum, für das sich Interessenten bereits von zu Hause aus bewerben sollten. Doch auch sonst sind Work&Travel-Aufenthalte wertvolle Erfahrungen für die Zukunft. Reisende lernen einen anderen Teil der (Arbeits-)Welt kennen, gewinnen an Selbstbewusstsein und Eigenständigkeit. Sie lernen, Hürden zu meistern, die vorher unbezwingbar schienen, und verbessern ihre Sprachkenntnisse. Langfristig gesehen ist ein Work&Travel-Aufenthalt "eine individuelle Lernerfahrung, die Einfluss auf die Persönlichkeitsentwicklung hat", sagt Julia Brockmeier vom Europa Jugend Büro. Ole Wigger kann das bestätigen: "Ich habe mein Englisch sehr verbessert und bin viel selbstsicherer geworden."

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