17.08.12

Öl- und Gasheizungen

Regierung erwägt Abwrackprämie als Anreiz

Die Umstellung auf erneuerbare Energien soll mit einer Prämie interessanter werden. Mieterbund warnt vor Kostenlawine für Mieter.

Foto: dpa/DPA
Metalldiebe stahlen Badewannen und Heizkörper
Etwa 80 Prozent aller deutschen Haushalte oder rund 30 Millionen Haushalte heizen mit Gas oder Öl. Eine Prämie könnte den Wechsel auf erneuerbare Energien erleichtern

Berlin. Die Bundesregierung denkt über eine Abwrackprämie für Öl- und Gasheizungen beim Wechsel zu einer Anlage mit erneuerbaren Energien nach. Über entsprechende Pläne stimmten sich die Ministerien derzeit ab, sagte Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) am Freitag dem Radiosender Bayern 2. Details nannte er nicht.

Es sei auch gar nicht klar, ob und wie solche Regelungen kommen würden, schränkte Altmaier ein. Die Pläne seien nicht konkret. Kritiker warnten, dass durch eine solche Prämie das Wohnen wegen dann höherer Energiepreise noch teurer werden könnte.

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Laut dem Eigentümerverband Haus & Grund heizen derzeit rund 30 Millionen Haushalte hierzulande mit Gas oder Öl und damit etwa 80 Prozent aller deutschen Haushalte.

Eine einmalige Prämie für Hausbesitzer bei der Installation einer Heizung mit erneuerbaren Energien wie Holzpellets oder Erdwärme ist ein Vorschlag aus einer Studie, die das Ministerium in Auftrag gegeben hatte. Demnach könnte die Prämie, die unabhängig wäre vom Alter der ersetzten Heizung, über eine Abgabe von Heizöl- und Gashändlern finanziert werden. "Das Prämienmodell bietet für den Markt attraktive und planbare Anreize", heißt es in der Studie.

Dagegen nannte der Deutsche Mieterbund die Überlegungen eine unausgegorene Idee. Die Umstellung auf erneuerbare Energien sei vernünftig, sagte Mieterbund-Sprecher Ulrich Ropertz. Das Problem sei aber, dass die Prämie durch höhere Preise für Öl und Gas finanziert werden müsste. "Der Mieter dient als Melkkuh", erklärte Ropertz.

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Auch der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) wandte sich gegen die Prämie und eine zusätzliche Umlage für Heizenergie. "Nicht zuletzt angesichts der aktuellen Debatte über die sozialen Aspekte der Energiepreise sind solche neuen Kostentreiber abzulehnen", sagte die Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung, Hildegard Müller. Letztlich müssten alle Haushalte dafür bezahlen.

Der Mineralölwirtschaftsverband verlangte von Altmaier einen sofortigen Stopp der Überlegungen. "Sollten die öffentlich diskutierten Pläne für eine Strafsteuer auf die Wärmeträger Öl und Gas Wirklichkeit werden, droht Millionen von Mietern und Verbrauchern bereits im Herbst eine politisch motivierte Kostenlawine", sagte Hauptgeschäftsführer Klaus Picard.

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Der Präsident von Haus & Grund, Rolf Kornemann, lehnte die Prämie ebenfalls ab. "Solche Fördermodelle sind nichts anderes als eine Strafsteuer für Öl und Gas", sagte er der "Bild"-Zeitung.

Der Zentralverband Sanitär Heizung Klima, der mehr als 52.000 Firmen vertritt, begrüßte die Überlegungen der Regierung. Gleichzeitig forderte der Verband eine rasche Entscheidung vor der in wenigen Woche beginnenden Heizperiode. "Ansonsten wird die Verunsicherung der Hauseigentümer über eine unklare Förderpolitik noch weiter zunehmen", sagte Verbandspräsident Manfred Stather. Die Interessenvertretung der deutschen Heizungsbauer hatte schon 2009 eine solche Prämie gefordert.

Mit einer Abwrackprämie für Öl- und Gasheizungen würde die Bundesregierung an ein populäres Vorbild aus dem Jahr 2009 anknüpfen. Damals hatten Besitzer von Altautos unter bestimmten Bedingungen 2.500 Euro für die Verschrottung ihres alten Fahrzeugs bekommen, wenn sie einen Neuwagen kauften. Die Gesellschaft für deutsche Sprache wählte Abwrackprämie zum Wort des Jahres 2009. (dapd)

Globale Eckdaten für erneuerbare Energien
Das UN-Umweltprogramm UNEP und das "Netzwerk für erneuerbare Energien des 21. Jahrhunderts" (REN21) haben globale Berichte zu erneuerbaren Energien vorgelegt. Einige Eckdaten:
2011 wurden weltweit 257 Milliarden US-Dollar in erneuerbare Energien investiert. Ein Plus von 17 Prozent im Vergleich zu 2010 und damit ein neuer Rekordwert.
Allein die Investitionen in Solarenergie stiegen um 52 Prozent auf 147 Milliarden Dollar.
Größte Investoren: China (52 Mrd Dollar/ohne Wasserkraft), USA (51 Mrd Dollar)
Über 200 Millionen Haushalte und zahlreiche öffentliche und privatwirtschaftliche Gebäude nutzen Sonnenkollektoren zur Warmwasserbereitung.
27 Länder setzen Einspeisevergütungen ein. In mindestens 65 Ländern gibt es politische Rahmenbedingungen zur Förderung von Strom aus erneuerbaren Energieträgern.
China war 2011 weltweit erneut führend bei der Installation von Windturbinen und solarthermischen Anlagen und Spitzenproduzent für Strom aus Wasserkraft.
In Indien stiegen die Investitionen in erneuerbare Energien 2011 um 62 Prozent auf 12 Milliarden US-Dollar.
In den USA wurden 12,7 Prozent des privaten Stromverbrauchs aus erneuerbaren Energien gedeckt. Ein Plus von 10,2 Prozent zu 2010.
In der EU waren 2011 mehr als 71 Prozent der neu installierten Stromproduktionskapazitäten erneuerbare Energieanlagen. 46,7 Prozent davon entfielen auf Solarstromkapazitäten.
In Deutschland – dem drittgrößten Markt für Investitionen in erneuerbare Energien – wurden 12,2 Prozent des gesamten Endenergieverbrauchs und 20 Prozent des Stromverbrauchs aus erneuerbaren Energiequellen gedeckt. (dpa)
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