17.08.12Finnland und die Eurozone
"Ja" oder "Nein" zum Euro - Was plant Suomi?
Mit einem Interview im "Daily Telegraph" hat der finnische Außenminister Tuomioja die eigene Regierung auf den Plan gerufen.
Von abendblatt.de
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Will Finnland auf einen möglichen Zerfall der Eurozone vorbereitet wissen: Außenminister Erkki Tuomioja (Archivbild)
Helsinki/London. Inmitten der Schuldenkrise fordert Finnlands Außenminister Erkki Tuomioja einen offenen Umgang mit dem möglichen Zerfall der Euro-Zone. Finnische Regierungsvertreter hätten bereits Vorbereitungen für ein solches Szenario mit einem "Handlungsplan für jede Eventualität" getroffen, sagte Tuomioja der britischen Zeitung "Daily Telegraph" (Freitagausgabe). Der Sozialdemokrat rief die anderen Euro-Staaten dazu auf, ebenfalls rechtzeitig einen Notfallplan für ein Auseinanderbrechen der Währungsgemeinschaft zu entwickeln. Mit dem Vorstoß stieß der Außenminister allerdings in der eigenen Regierung auf Kritik. Europaminister Alexander Stubb versicherte: "Ich will deutlich machen, dass die Spekulationen des Außenministers nicht die Position der Regierung widerspiegeln." Zugleich betonte Stubb, Finnland stehe zu "100 Prozent" zum Euro.
Auch Tuomioja wollte Finnland nicht als treibende Kraft für einen Niedergang der Euro-Zone sehen: "Das ist nicht etwas, das jeder in Finnland befürwortet, geschweige denn die Regierung. Aber wir müssen vorbereitet sein." Ein Auseinanderbrechen würde aber nicht das Ende der Europäischen Union bedeuten. Es könne der EU sogar helfen, besser zu funktionieren. Polens Finanzminister Jacek Rostowski hingegen sagte nach einem Gespräch mit dem deutschen Wirtschaftsminister Philipp Rösler in Warschau, ein Zerfall der Euro-Zone hätte katastrophale Folgen für alle Länder Europas. Dies wäre nicht nur wirtschaftlich sondern auch geostrategisch gefährlich. Seine Land strebe einen schnellen Beitritt zur Euro-Zone an, aber erst wenn die Probleme behoben seien
Finnland gilt in der Euro-Zone als besonders stabilitätsorientiert. Das skandinavische Land hat mit Griechenland wie auch mit Spanien Sonderabsicherungen für seinen Anteil an den Finanzhilfen für beide Staaten verlangt. Finnland gehört zu den wenigen Euro-Ländern, die von den drei großen Ratingagenturen mit der besten Bonitätsnote AAA bewertet werden. Der Schuldenstand ist einer der niedrigsten in Europa: Er macht lediglich 49 Prozent der Wirtschaftsleistung aus.
Hoffnungen auf EZB-Befreiungsschlag schieben Tokioter Börse an
Unterdessen haben die Hoffnungen auf einen Befreiungsschlag in der europäischen Schuldenkrise am Freitag die Tokioter Börse angetrieben. Der 225 Werte umfassende Nikkei-Index gewann 0,6 Prozent auf 9147 Punkte. Der breiter gefasste Topix-Index legte 0,4 Prozent auf 762 Zähler zu. Investoren setzten darauf, dass die Europäische Zentralbank (EZB) vor weitreichenden Schritten zur Eindämmung der Schuldenkrise steht.
Gestützt wurden diese Hoffnungen durch Äußerungen von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Diese hatte gesagt, das Versprechen von EZB-Chef Mario Draghi, alles Erforderliche zur Verteidigung der Euro-Zone zu tun, sei im Einklang mit den europäischen Regierungen. "Merkels Bemerkungen erhöhten die Erwartung, dass es eine Lösung für die Probleme der Euro-Zone gibt", sagte Analyst Lee Sang Won von Hyundai Securities.
+++ Westerwelle will mit Ex-Ministern für Europa werben
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Exporttitel profitierten vom schwächeren Yen. Honda Motor zogen 1,8 Prozent an, Nissan Motor ein Prozent und Sony 0,2 Prozent. Auf der Verliererliste standen hingegen Sharp, die Prozent 1,7 Prozent nachgaben. Einem Bericht der Zeitung "Nikkei" zufolge verkauft der angeschlagene Elektronikkonzern womöglich sein Kopierer- und Klimageräte-Geschäft.
Mit Material von rtr
Im Überblick: Die Reformideen für den EU-Gipfel
In der Krise wollen die Europäer die Wirtschafts- und Währungsunion auf eine neue Basis stellen. Die EU-Spitzen rund um EU-Gipfelchef Herman Van Rompuy haben ein Reformpapier ausgearbeitet, das den Weg zu einer vertieften Union vorzeichnet. Zudem haben die vier größten Staaten sich bereits auf ein Wachstumspaket verständigt. Die Ideen im Überblick:
Der "Masterplan" von Gipfelchef Van Rompuy sieht eine Bankenunion vor, die drei Elemente umfassen soll: Eine mächtige europäische Bankenaufsicht, die gemeinsame Sicherung der Einlagen für private Konten sowie eine von den Banken selbst finanzierte Rettungseinrichtung für wankende Geldhäuser. Eine Bankenaufsicht soll offenbar bei der Europäischen Zentralbank (EZB) angesiedelt werden.
Die EU-Spitzen schlagen eine vereinheitlichte Haushaltspolitik der Euro-Länder vor. Gemeinsame Grenzen für das jährliche Budget und das Schuldenniveau einzelner Staaten könnten gemeinsam beschlossen werden, heißt es. Auf mittlere Sicht könnte dabei der Weg gemeinsamer Schulden in der Währungsunion eingeschlagen werden – dies lehnt Deutschland bisher ab.
Darunter versteht Van Rompuy eine stärkere ökonomische Integration innerhalb der EU. Die nationalen Politiken müssten auf Wachstum und Beschäftigung ausgerichtet sein. Die demokratische Legitimation müsse gestärkt werden – dafür schlägt das Papier eine enge Einbindung des EU-Parlaments und der nationalen Parlamente vor.
Darüber hinaus betont Bundeskanzlerin Angela Merkel die Notwendigkeit einer "politischen Union". Es müsse darin um "mehr Europa" gehen. Merkel sagte: "Das heißt, wir müssen Schritt für Schritt im weiteren Verlauf doch auch Kompetenzen an Europa abgeben, Europa auch Kontrollmöglichkeiten einräumen." Details ließ die Kanzlerin offen.
Solche gemeinsamen Anleihen der Euro-Länder sind umstritten – Deutschland lehnt sie ab. Die Bundesregierung verweist auf verfassungsrechtliche Hindernisse: Das Grundgesetz erlaube die dauerhafte Haftung für Schulden anderer Staaten nicht. Eine "Light-Version" der Eurobonds könnten "Eurobills" sein, gemeinsame Anleihen mit einer Laufzeit von nur einem Jahr und begrenzter Summe. Berlin lehnt auch diese ab.
Frankreichs sozialistischer Präsident François Hollande fordert es schon lange, nun unterstützen auch Deutschland, Spanien und Italien die Idee. Sie wollen 130 Milliarden Euro in das Wachstum der EU investieren, das entspricht einem Prozent der EU-Wirtschaftsleistung. Der Großteil des Geldes stammt aus existierenden oder beschlossenen Programmen. Das Paket setzt sich aus vier Elementen zusammen: EU-Strukturfonds, EU-Gelder für Projekte gegen Jugendarbeitslosigkeit, eine Kapitalaufstockung der Europäischen Investitionsbank (EIB) und EU-Projektanleihen.
Rund 55 Milliarden Euro aus EU-Töpfen zur Förderung der Regionen sollen "umgewidmet" werden. Das sind Mittel, die im Finanzrahmen bis 2013 eingeplant, aber noch nicht für konkrete Projekte reserviert sind. Allerdings ist ein Teil des Geldes nicht frei und kann nicht einfach für andere Regionen eingesetzt werden.
Die EU-Staaten – als Aktionäre der EU-Hausbank - wollen das Kapital der Europäischen Investitionsbank (EIB) um 10 Milliarden Euro aufstocken. Damit könnte die Bank in den nächsten vier Jahren zusätzliche Darlehen von 60 Milliarden Euro ausleihen. Der EU-Gipfel wird diese Kapitalerhöhung voraussichtlich beschließen.
Dieses Pilotprojekt ist bereits beschlossen. Mit EU-Projektanleihen will die EU-Kommission den Ausbau großer Infrastrukturprojekte im Bereich Verkehr, Energie und Telekom in der EU mitfinanzieren und für private Investoren attraktiv machen. Dafür hat die EU 230 Millionen Euro im Haushalt reserviert, die Investitionen von 4,6 Milliarden Euro anstoßen sollen.
Finanztransaktionssteuer:
Diese Abgabe ("Financial Transaction Tax") würde sämtliche Geschäfte und Produkte auf den Finanzmärkten betreffen – von Aktien, Devisen und Anleihen bis hin zu hochriskanten Papieren. Die Steuer soll zusätzliche Einnahmequellen schaffen. Das Vorhaben ist auf Ebene der 27 EU-Staaten gescheitert. Nun wollen Deutschland, Frankreich und Österreich mit der Steuer im kleinen Rahmen von mindestens neun Staaten vorangehen.
Der Internationale Währungsfonds (IWF) schlägt zur Eindämmung der europäischen Finanzkrise sechs Maßnahmen vor. Dazu zählen direkte Finanzspitzen für Krisenbanken aus den Rettungsfonds EFSF und ESM (was bislang nicht erlaubt ist) sowie direkte Ankäufe von Staatsanleihen finanzschwacher Euroländer durch die Europäische Zentralbank (EZB). Zudem müssten die EU-Länder ihre nationalen Haushalte konsolidieren, eine Bankenunion sowie Fiskalunion schaffen und Strukturreformen umsetzen. (dpa)