07.08.12

Libor-Zinsskandal

Finanzaufsicht Bafin: Ermittlungen werden dauern

Bei den weltweiten Untersuchungen wegen der Zinsmanipulationen müssen Millionen von Mails und Unterlagen von Behörden überprüft werden.

Foto: dpa
Elke König, Präsidentin der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin): Wir versuchen derzeit, gemeinsam mit der britischen und der US-Aufsicht herauszufinden, inwiefern deutsche Institute an dem Skandal beteiligt waren
Bafin-Chefin Elke König zu den Untersuchungen im weltweiten Libor-Skandal: Die Aufklärung kann noch lange dauern

Düsseldorf. Die Finanzaufsicht Bafin erwartet keine schnellen Resultate aus den laufenden Untersuchungen im Libor-Skandal . "Die Aufklärung kann noch lange dauern", sagte Behördenchefin Elke König dem "Handelsblatt" (Dienstag).

"Es müssen Millionen von Datensätzen, E-Mails und Dokumenten geprüft werden. War kriminelle Energie im Spiel? Wo haben die Kontrollen versagt? Das sind Fragen, die uns und die anderen beteiligten Behörden interessieren."

+++ Finanzaufsicht BaFin überprüft die Deutsche Bank +++

+++ BaFin prüft wegen Zinsskandal mehrere deutsche Banken +++

Zukünftig müsse man über Alternativen für den Libor nachdenken, die auf "realen Transaktionen basieren", sagte König. Weltweit ermitteln die Behörden derzeit, wie ein Ring aus Händlern jahrelang Referenzzinsen wie Euribor und Libor manipuliert haben soll, auf denen Finanzprodukte im Wert von mehr als 500 Billionen US-Dollar basieren. Die Bafin hat eine Sonderprüfung eingeleitet. (dpa/abendblatt.de)

Libor-Zinssatz– Was ist das?
Libor-Zinssatz– Was ist das?
Der Libor (London Interbank Offered Rate) wird seit den 1980er Jahren jeden Vormittag von der British Bankers' Association (BBA) in der britischen Hauptstadt festgelegt.
Er entspricht dem durchschnittlichen Zinssatz, den die Banken für ungesicherte Verleihgeschäfte untereinander verlangen.
Für die Berechnung melden die nach Marktaktivitäten wichtigsten Banken weltweit die Zinsen, die sie aktuell für Kredite ihrer Konkurrenten zahlen müssten.
Die höchsten und tiefsten Werte werden gestrichen, aus den übrigen Daten wird ein Mittelwert gebildet.
Dies ist dann der Satz, an dem sich weltweit die kurzfristigen Zinsen für eine ganze Reihe von Finanzmarktgeschäften bis hin zu Immobilienkrediten orientieren.
Der Libor wird für verschiedene Währungen berechnet. Eine Alternative ist der Euribor für den Euroraum. (dpa)
Libor-Skandal: Folgen für Verbraucher und Anleger?

Libor-Skandal: Folgen für Verbraucher und Anleger?

Der Skandal um manipulierte Zinssätze hält die Bankenbranche in Atem: Topmanager mussten gehen, Aufsichtsbehörden ermitteln. Was bedeuten die mutmaßlichen Tricksereien für Sparer und Häuslebauer?

Ein Ring aus Händlern soll jahrelang Referenzzinsen wie Euribor und Libor manipuliert haben. Was auf den ersten Blick wie ein Spezialthema für Finanzprofis wirkt, könnte auch Folgen für Spareinlagen oder Dispokredite haben. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Was sind Libor und Euribor?

Der Libor gibt an, zu welchen Konditionen sich Banken gegenseitig Geld leihen. Ermittelt wird die "London Interbank Offered Rate" (Libor) aus einem Durchschnitt der gemeldeten Sätze von 18 Banken. Der Libor wird für verschiedene Währungen berechnet. Eine Alternative ist der Euribor für den Euroraum. Auf den Referenzzinsen basieren Finanzprodukte im Wert von mehr als 500 Billionen US-Dollar.

Welche Nachteile könnten Sparern entstanden sein?

Nach ersten Erkenntnissen haben Händler zwischen 2005 und 2011 zu niedrige Zinssätze gemeldet. Tagesgeld, Festgeld, Termingelder aber auch Sparguthaben orientieren sich Verbraucherschützern zufolge an Libor oder Euribor. Rein theoretisch könnte Sparern also ein Schaden entstanden sein.

"Die Frage ist allerdings, ob die Bank im Einzelfall höhere Zinsen geboten hätte, wenn der Referenzzins höher gewesen wäre. Letztlich hängt die Höhe des Zinses von der Geschäftspolitik des Instituts ab", sagt Finanzexpertin Pamela Bässler von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.

Was ist mit Anlageprodukten wie Investmentfonds?

Einige klassische Investmentfonds beziehen sich auf die Referenzzinssätze Libor und Euribor. Welche Folgen eine mögliche Manipulation für Anleger hat und ob sie überhaupt geschädigt wurden, lässt sich derzeit allerdings kaum abschätzen.

Bei der größten deutschen Fondsgesellschaft, der Deutsche-Bank-Tochter DWS, heißt es: "Aufgrund des derzeit noch unklaren Sachverhalts und der nach wie vor laufenden Untersuchungen sehen wir uns zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht in der Lage, eine Einschätzung zu möglichen Auswirkungen auf die Produkte der DWS abzugeben".

Wie groß könnte der Schaden sein?

Im Moment prüft die deutsche Finanzaufsicht Bafin Millionen von Datensätzen, E-Mails und Dokumenten. Schnelle Resultate sind der Behörde zufolge nicht zu erwarten. "Es ist schwierig, den Schaden zu beziffern, weil man nicht weiß, wie hoch Libor oder Euribor ohne mögliche Manipulationen gewesen wären", sagt der Sprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, Jürgen Kurz. "Es gibt keinen Referenzzinssatz, um den Schaden zu berechnen."

Könnten Verbraucher von Tricksereien profitiert haben?

Kredite mit variablen Zinsen sind an Libor oder Euribor gekoppelt. So hängen die Zinsen für einen Dispokredit in der Regel vom Drei-Monats-Euribor ab. "Mögliche Manipulationen nach unten wären für die Verbraucher im Kreditbereich theoretisch nicht von Nachteil gewesen", sagt Annabel Oelmann von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

Allerdings kritisieren Verbraucherschützer seit längerem, dass die Banken selbst reguläre Zinssenkungen nicht immer vollständig an die Kunden weitergeben. Auch bei den Zinsen für Raten- und Immobilienkredite können Euribor oder Libor eine Rolle spielen. Größere Bedeutung haben hier allerdings die Bonität des Kunden, die allgemeine Nachfrage und die Höhe der allgemeinen Zinssätze. (dpa)

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