19.07.12Überziehungsgebühren
Banken berechnen Kunden häufig zu hohe Dispozinsen
Ein Minus auf dem Konto kommt Kunden teuer zu stehen, oft zu teuer. Banken nehmen hohe Zinsen. Verbraucherschutz fordert Obergrenzen.
Von abendblatt.de
Foto: dpa/DPA
Die Zinsen für das Überziehen des Girokontos müssen nach Ansicht von Verbraucherschützern rasch deutlich sinken
Berlin. Die Dispozinsen fürs Überziehen des Girokontos sind laut einer Studie im Auftrag des Bundesverbraucherministeriums oft immer noch zu hoch. Festzustellen sei, dass "die Erträge aus dem Dispokreditgeschäft die Kosten, die dem Kreditinstitut für dieses einzelne Produkt entstehen, deutlich übersteigen", heißt es in dem Gutachten, wie das Ministerium am Donnerstag mitteilte. Damit wurden Informationen der "Süddeutschen Zeitung" bestätigt.
Die Einnahmen würden von den Banken "zur Quersubventionierung anderer Leistungen oder zur Gewinnsteigerung verwendet", analysierten das Zentrum für europäische Wirtschaftsforschung und das Institut für Finanzdienstleistungen.
+++ Westdeutsche überziehen ihr Girokonto häufiger +++
+++ Ratenkredite sind so günstig wie nie +++
Verbraucherschützer kritisieren hohe Dispozinsen, obwohl Banken sich zu historisch günstigen Zinskonditionen Geld beschaffen können. Daher seien gesetzliche Obergrenzen nötig. Nach jüngsten Angaben der Stiftung Warentest werden derzeit im Schnitt zwischen zehn und elf Prozent Zinsen für das Überziehen des Girokontos berechnet.
Aigner forderte die Finanzbranche zu fairen Konditionen auf. "Wollen die Banken den Kredit bei den Kunden nicht verspielen, müssen sie runter von überhöhten Dispozinsen." Sie verlangte volle Transparenz und umfassende Kundenbetreuung für mehr Wettbewerb, machte sich die Forderung nach staatlichen Obergrenzen aber nicht zu eigen. Das Gutachten weist hierbei auf die Gefahr hin, dass Anbieter Obergrenzen "zu ihren Gunsten ausschöpfen" könnten.
+++ Streit über happige Dispozinsen – Obergrenzen
gefordert +++
Von der Möglichkeit des
unkomplizierten Kleinkredits machen Bankkunden rege Gebrauch
. Fast jeder vierte Verbraucher (24 Prozent) hat in diesem Jahr laut einer Umfrage Instituts Forsa schon sein Girokonto überzogen, wie das Ministerium mitteilte. (dpa/abendblatt.de)
Umfrage: Jeder vierte Verbraucher überzieht das Girokonto
Knapp jeder vierte Volljährige (24 Prozent) in Deutschland ist laut einer Umfrage in diesem Jahr schon einmal mit dem Girokonto ins Minus gerutscht.
Dabei überzogen weniger Bankkunden in Ostdeutschland (21 Prozent) das Konto als im Westen (24 Prozent), wie aus einer am Donnerstag veröffentlichten Befragung für das Bundesverbraucherministerium hervorgeht.
Überdurchschnittlich oft kam dies bei 30- bis 44-Jährigen mit 32 Prozent vor sowie häufiger bei Männern (26 Prozent) als bei Frauen (21 Prozent).
Vom Dispokredit stärker Gebrauch machen laut Umfrage zudem Menschen mit einem höheren Nettoeinkommen von 3000 Euro im Monat oder mehr (31 Prozent). (dpa)
Dispozinsen: Überziehungskredit selten verhandelbar
Der Dispokredit ist in der Regel der teuerste Kredit von einer Bank.
Nach Angaben des Bundesverbraucherministeriums müssen Kunden im Durchschnitt 11 bis 12 Prozent Zinsen zahlen, wenn sie ihr Girokonto überziehen.
Und das ist meist zu akzeptieren: "Verhandeln kann man über den Zinssatz als normaler Kunde eigentlich nicht", erklärt Max Herbst von der FMH Finanzberatung in Frankfurt.
Lediglich äußerst guten Kunden räumten Banken mitunter einen Nachlass ein. Normale Verbraucher sollten daher vergleichen.
Denn laut FMH verlangen viele Banken weniger als zehn Prozent Zinsen für einen Überziehungskredit. Solch günstige Angebote reduzieren die Kosten.
Beispiel: Bei einer teuren Bank müssen Kunden 12,5 Prozent für ihren Überziehungskredit zahlen. "Ist ein Kunde mit 500 Euro im Dispo, muss er dafür im Monat 5,21 Euro Zinsen zahlen", rechnet Herbst vor. Eine günstige Bank verlangt hingegen nur 5,25 Prozent Zinsen. "Der Kunde muss in diesem Fall nur 2,19 Euro Zinsen im Monat zahlen."
Generell sollten Kunden den Dispokredit aber immer nur vorübergehen nutzen. "Wer ständig im Minus lebt, hat etwas falsch gemacht", sagt Herbst.
Wem die hohen Dispozinsen seiner Bank dennoch ein Dorn im Auge sind, könne zu einem anderen Institut wechseln.
"Dabei sollte man allerdings immer das Gesamtangebot im Auge behalten", erklärt Herbst. Denn niedrige Kontoführungsgebühren, kostenlose Kreditkarten oder viele Geldautomaten seien ebenfalls wichtige Kriterien. (dpa)