27.02.12

Mobile World Congress 2012

Android-System dominiert die Smartphonewelt

In Barcelona buhlt die Branche um Kunden. Da Apple fehlt, steht das Google-Betriebssystem Android im Fokus, aber auch Nokia mischt mit.

Foto: dpa/DPA
Der einstige Marktführer Nokia strebt in Barcelona mit einem Kamera-Handy der Superlative und einer Reihe günstigerer Telefone ein Comeback an
Der einstige Marktführer Nokia strebt in Barcelona mit einem Kamera-Handy der Superlative und einer Reihe günstigerer Telefone ein Comeback an

Barcelona. Beim Branchtreffen der Mobilfunk-Branche in Barcelona versuchen sich die Handy-Produzenten mit leistungsstarken Smartphones gegenseitig zu überbieten. Im Trend liegen schnelle Chips, große Bildschirme und Kameras mit vielen Megapixeln. In Abwesenheit von Apple mit seinem iPhone dominieren Geräte mit dem Google-Betriebssystem Android. Der unter Druck stehende Handy-Weltmarktführer Nokia versucht ein Comeback mit einem Kamera-Handy der Superlative und einer Reihe günstigerer Telefone.

Google bekräftigte gleich zum Auftakt am Montag den Führungsanspruch in der boomenden Mobilfunk-Branche. Jeden Tag werden 850.000 Android-Geräte neu angemeldet, verkündete der Internet-Konzern. Das sei ein Sprung von 250 Prozent im Jahresvergleich. Weltweit seien nun mehr als 300 Millionen Geräte mit dem Betriebssystem im Einsatz.

Das Google-Betriebssystem machte zuletzt gut die Hälfte des Smartphone-Markts aus. Der Internet-Konzern vermarktet es als frei und offen – das heißt, die Hersteller haben Spielraum bei der Konfiguration der Geräte und sparen an Lizenzabgaben. Allerdings steht Android auch besonders oft im Visier der Patentklagen von Rivalen wie Apple oder Microsoft.

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Apple, mit seinem iPhone zuletzt der führende Smartphone-Hersteller mit fast einem Viertel des Marktes, ist in Barcelona wie immer nicht dabei. Das Grundprinzip des iPhone – großer berührungsempfindlicher Bildschirm statt Tastatur und App-Symbole statt unübersichtlicher Menüs – hat sich inzwischen voll durchgesetzt. Die Android-Anbieter geben auf der Messe ihr Bestes, das aktuelle iPhone 4S in den Schatten zu stellen Ihre Geräte haben größere Touchscreens und zum Teil auch Vierkernchips. Ob die Rekordmeldungen allerdings auch die Verbraucher begeistern werden, bleibt abzuwarten – es wäre nicht das erste Mal, dass große Ankündigungen von Barcelona am Markt verhallten.

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Die Android-Hersteller und Apple besetzen zusammen drei Viertel des Smartphone-Marktes. Entsprechend wenig Platz bleibt für Anbieter der restlichen Plattformen. In Barcelona zeigten sich die Partner Nokia und Microsoft jedoch trotz des wachsenden Drucks kampfbereit. Sie setzen unter anderem verstärkt auf Wachstumsmärkte wie China oder Brasilien und wollen dort mit günstigeren Geräten punkten.

"Wir sehen weltweit einen großen Bedarf an Smartphones für unter 150 Euro", sagte Microsoft-Manager Achim Berg. "Das stärkste Wachstum gibt es derzeit unter den preiswerteren Smartphones." Nokia bringt dafür unter anderem das bisher günstigste Smartphone mit dem Microsoft-Betriebssystem Windows Phone auf den Markt. Das Lumia 610 soll weltweit ab 189 Euro zu haben sein und in Deutschland für rund 259 Euro. "Der Markt ist noch nicht verteilt, es gibt eindeutig noch Platz für einen Dritten", betonte Berg. In den entwickelten Märkten wie Nordamerika und Europa hatte es Microsoft bislang besonders schwer, sich gegen die starke Konkurrenz von Smartphones mit Googles Android und Apples iPhones zu behaupten.

+++ Barcelona: Trends von der Mobilfunkmesse 2012 +++

In Deutschland hat sich nach jüngsten Zahlen von GfK Google im vergangenen Jahr mit seinen Android-Smartphones als eindeutiger Marktführer mit einem Anteil von 60 Prozent etabliert. Während Apples iOS-Plattform unter den Betriebssystemen nach dem langen Warten auf das neue iPhone leicht rückläufig war und im Januar 2012 noch auf 21 Prozent kam, sackte Windows Phone im Vorjahresvergleich um einen Prozentpunkt auf drei Prozent ab. Im gleichen Zeitraum fiel Nokias Marktanteil von 28 auf 9 Prozent. Allerdings ist das neue Lumia 800 mit Windows Phone erst seit wenigen Wochen verfügbar.

Microsoft stellt in Barcelona am Mittwoch auch die Vorabversion seines nächsten Computer-Betriebssystems Windows 8 für Verbraucher vor. Dass der Software-Riese dafür die Mobilfunk-Messe in Barcelona ausgesucht hat – und nicht etwa die klassische Computer-Messe CeBIT nur wenige Tage später in Hannover – macht die Prioritäten für die Zukunft deutlich. Das nächste Windows soll nicht nur auf PCs, sondern auch auf den Tablet Computern laufen. Dieser boomende Markt wird derzeit von Apple mit dem iPad dominiert.

Der weltgrößte Chiphersteller Intel macht unterdessen einen neuen Anlauf, die Dominanz des britischen Chipdesigners ARM im Markt für Smartphones und Tablet-Computer zu brechen. Der Mobilfunk-Anbieter Orange will im Sommer ein Android-Smartphone mit Intel-Prozessor in Großbritannien und Frankreich auf den Markt bringen. Der Intel-Konzern ist klarer Marktführer bei PC-Chips, für mobile Geräte galten seine Prozessoren aber trotz aller Anstrengungen als zu stromhungrig. Microsoft passte sogar sein neues Betriebssystem Windows 8 an ARM-Chips an, weil es auch auf Tablets laufen soll.

Die Mobilfunk-Branche hat in den vergangenen Jahren die klassische PC-Industrie klar hinter sich gelassen. Weltweit gibt es nach Branchenschätzungen rund sechs Milliarden Mobilfunk-Anschlüsse. Im vergangenen Jahr wurden knapp 1,8 Milliarden Mobiltelefone verkauft, fast jedes dritte davon war ein Smartphone. (dpa/abendblatt.de)

Zahlen und Fakten zum Mobilfunkmarkt
Der Mobilfunk-Markt ist eine boomende Branche. Ausgewählte Eckdaten zur Industrie zum Branchentreff Mobile World Congress in Barcelona:
2011 wurden nach Berechnungen der Marktforscher von Gartner insgesamt gut 1,77 Milliarden Mobiltelefone verkauft. Das waren 11,1 Prozent mehr als 2010.
Knapp jedes dritte verkaufte Handy war 2011 ein Smartphone. Insgesamt wurden 476,5 Millionen Computer-Handys abgesetzt. Das war im Jahresvergleich in Plus von 58 Prozent.
Zum Vergleich: im gesamten PC-Markt wurden im vergangenen Jahr 352,8 Millionen Notebooks und Desktop-Computer verkauft – ein dünnes Plus von nur 0,5 Prozent.
Apple behauptete sich mit seinem iPhone zuletzt als größter Smartphone-Hersteller. Im vergangenen Quartal setzte der Konzern 37 Millionen iPhones ab. Das lag allerdings auch daran, dass die Apple-Fans endlich das neue iPhone 4S kaufen konnten, auf das sie 15 Monate warten mussten. Samsung kam im Schlussquartal 2011 auf 34 Millionen verkaufte Smartphones.
Bei den Smartphone-Betriebssystemen hat sich die Google-Plattform in wenigen Jahren zum klaren Marktführer aufgeschwungen. Im vierten Quartal 2011 lag der Marktanteil bei 50,9 Prozent. Nach jüngsten Angaben von Google kommen jeden Tag 850.000 neue Android-Geräte hinzu.
Apple und Android besetzen zusammen rund drei Viertel des Smartphone-Marktes. Entsprechend eng wird es für die anderen Systeme wie Blackberry von RIM oder Windows Phone von Microsoft.
Im gesamten Handy-Markt mit Smartphones und einfachen Telefonen hält Nokia nach wie vor den ersten Platz. Der Marktanteil der Finnen ist in den vergangenen Jahren aber deutlich gefallen – von einst rund 40 auf zuletzt knapp 24 Prozent. Es ist vor allem die Schwäche bei Smartphones, die Nokia zu schaffen macht.
Insgesamt gibt es weltweit rund sechs Milliarden Mobilfunk-Anschlüsse. Da allerdings viele Kunden mehr als ein Handy haben, geht etwa der schwedische Netzwerk-Ausrüster eher von gut vier Milliarden Nutzern aus.
In Deutschland gab es Ende 2011 nach Zahlen des Branchenverbands Bitkom mehr als 112 Millionen Mobilfunk-Anschlüsse. Mehr als jeder dritte nutzt zwei oder mehr SIM-Karten für Handy, Smartphone, UMTS-Stick oder Tablet Computer. (dpa)
Mobilfunkmesse in Barcelona: Trends 2012
Mobilfunkhersteller und Netzbetreiber gewähren auf Mobilfunkmesse Mobile World Congress (27. Februar bis 1. März) in Barcelona wieder einen Blick in die Handy-Entwicklungen der Zukunft. Im Mittelpunkt steht das mobile Surfen, aber auch die Frage, wie Smartphones das Bezahlen vereinfachen können. Und nicht zuletzt werden Mobiltelefone noch einmal leistungsfähiger. Die Trends im Überblick:
Smartphones:
Die Leistungssteigerung bei Mobiltelefonen scheint weiter ungebremst. Beispiel Nokia: Der finnische Gerätehersteller verschärft den Wettbewerb bei den integrierten Kameras. Statt der bisher üblichen fünf bis acht Megapixel soll das Nokia 808 PureView von Mai an mit einem Fotosensor aufwarten, der 41 Megapixel bietet.
Andere Hersteller, darunter LG und HTC, kündigten für das Frühjahr Smartphones an, die den neuen Mobilfunkstandard LTE unterstützen und so mit rasantem Tempo auf das weltweite Datennetz zugreifen sollen.
LTE:
Long Term Evolution (LTE), auch 4G für die vierte Generation der Mobilfunknetze, soll das "Turbo-Internet" für mobile Geräte bringen.
In Deutschland bauen Telekom, Vodafone und O2 eigene Netze auf.
Für die Frequenzen hatten sie 4,4 Milliarden Euro an den Bund bezahlt und sich verpflichtet, zuerst ländliche Gebiete abzudecken.
NFC:
Für Anschluss soll auch die Nahfeld-Kommunikation über den Standard NFC sorgen. Dabei geht es aber nicht um die Verbindung zum Internet, sondern zu Kassen in Geschäften.
Kunden könnten dann etwa ihr Handy an eine Kasse oder einen Automaten halten, um zu bezahlen.
Am Rande der Messe kündigte Vodafone für seine knapp 400 Millionen Kunden etwa eine Partnerschaft mit dem Finanzdienstleister Visa an.
RCS-E:
Die Netzbetreiber arbeiten in einer weltweiten Allianz daran, die SMS abzulösen.
Das Nachfolgesystem RCS-e soll in diesem Sommer auch in Deutschland starten.
Mitteilungen haben dann unter anderem keine Längenbeschränkung mehr. Auch Videobotschaften dürften einfach möglich sein.
RCS-e soll zudem auf allen Plattformen laufen.
Nutzer sollen sich dann nicht mehr fragen müssen, welche moderne Messenger ihre Gesprächspartner überhaupt auf ihre Geräte gespielt haben.
Plattformen:
Nicht zuletzt beschäftigt die Szene aktuell die Frage, welche Betriebssysteme künftig im Mobilgeschäft erfolgreich sein werden.
Bei der Präsentation von Nokia wurde bereits deutlich: Windows Phone von Microsoft wird immer brauchbarer.
So wächst das Angebot für Miniprogramme (Apps).
Nokia beispielsweise bietet für seine Windows-Geräte neben klassischer Navigation auch eine App an, die Nutzer durch den Dschungel öffentlicher Verkehrsmittel lotst.
Auf den vorgestellten neuen Smartphones läuft jedoch nach wie vor mit großem Abstand am häufigsten das freie Google-System Android. (dapd)
Mobile World Congress: Gipfeltreffen der Mobilfunk-Branche
Der Mobile World Congress ist der wichtigste Treffpunkt der Mobilfunkbranche.
Zu der viertägigen Veranstaltung im Februar kommen Jahr für Jahr viele Konzernlenker nach Barcelona.
Diesmal sind unter anderem Vittorio Colao von Vodafone und Paul Otellini von Intel dabei.
Auch Googles Verwaltungsratsvorsitzender und Ex-Chef Eric Schmidt kommt wieder in die spanische Metropole.
Mehr als 1000 auch kleinere Unternehmen zeigen auf dem Messegelände von Barcelona ihre Produkte und Lösungen.
Der Mobile World Congress (früher bekannt als 3GSM) ist eine Fachveranstaltung: Die erwarteten rund 60 000 Teilnehmer sind entweder Brancheninsider oder Journalisten. Private Verbraucher können die Messe nicht besuchen.
Ein Schwergewicht fehlt in Barcelona: Der US-Konzern Apple, der mit seinem iPhone die Mobilfunkbranche umgekrempelt hat, bleibt Messen dieser Art traditionell fern.
Die Veranstalter versuchen, Apples Fehlen mit einem Bereich für Entwickler von iPhone-Apps auszugleichen. (dpa)
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