Wentorf

Vom Kunsthandwerk zur Schmuckfirma

Babett Grüschow,56, steuert von Wentorf aus die Schmuckfirma Ajola, Produziert werden die Armbänder und Schlüsselanhänger in Asien, ihr Absatzmarkt ist Europa

Foto: Andreas Laible

Babett Grüschow,56, steuert von Wentorf aus die Schmuckfirma Ajola, Produziert werden die Armbänder und Schlüsselanhänger in Asien, ihr Absatzmarkt ist Europa

Schwestern aus Wentorf sind mit ihrem Unternehmen Ajola auf Wachstumskurs. Miracle-Perlen leuchten im Dunklen.

Hamburg.  Wenn Babett Grüschow auf einer Messe ausstellt, nimmt sie immer einen kleinen schwarzen Samtbeutel mit. Damit will die 56-Jährige den Aha-Effekt erzeugen. Und der tritt, wie sie sagt, meistens auch ein, wenn Besucher in den Beutel gucken, der dem Inneren einer chaotischen und daher dunklen Damenhandtasche ähneln soll. Der Schlüsselanhänger ist in dem Beutel nämlich dennoch klar zu erkennen, die bunten Perlen leuchten im Dunklen, und damit hat Babett Grüschow meist neue Kunden gewonnen. Der Anhänger aus japanischen sogenannten Miracle-Perlen ist eines der am meisten verkauften Produkte des Unternehmens Ajola, dass Babett Grüschow mit ihrer Schwester Birka Landwehr, 51, gegründet hat. Seit zehn Jahren stellen die beiden Schmuck her und vertreiben ihn über diverse Händler.

Rund 5000 Schmuckstücke aus Miracle-Perlen sind bereits hergestellt

Die meisten Geschäfte besprechen die Geschwister über Skype, Grüschow von ihrem Atelier in Wentorf bei Hamburg aus, Landwehr aus Peking, wo sie inzwischen wohnt. In dem dortigen Atelier beschäftigen die Schwestern eine Mitarbeiterin, die bei der Produktion hilft. Vier- bis fünftausend Stück der leuchtenden Schmuckstücke haben sie bereits hergestellt, seit sie die Perlen vor rund acht Jahren auf einer Messe in Frankreich entdeckten, schätzt Babett Grüschow.

Die eigentlich weißen Kunststoffperlen werden mit einer Farbe, die reflektierende Partikel enthält, mehrfach angemalt, dadurch erhalten sie ihre Leuchtkraft und die Tiefe der Farbe. Die Perlen kommen aus Japan, Per Handarbeit werden sie dann in ihren Ateliers zu Armbändern, Schlüsselanhänger und Halsketten aufgezogen. Verkauft werden die Schmuckstücke in Deutschland, Österreich, der Schweiz, in Dänemark und in Italien. Außerdem haben die Gründerinnen vor zwei Jahren einen Onlineshop eröffnet, den sie weiter ausbauen wollen.

Zu Beginn ihrer Selbstständigkeit sah das Geschäftsmodell jedoch noch anders aus. Als Grüschow und Landwehr 2005 Ajola gründeten, stellten sie vor allem auf Kunsthandwerkermärkten im Hamburger Umland aus, zum Beispiel im Reinbeker Schloss. "Damals haben wir auch noch Schmuck von anderen Herstellern dazugekauft", sagt Grüschow. Dann interessierten sich die ersten gewerblichen Kunden für ihre Produkte. "Seit fünf Jahren verkaufen wir unseren Schmuck hauptsächlich im größeren Stil. Zu Ausstellungen gehen wir noch zwei- bis dreimal pro Jahr, um den Kontakt zu den Kunden nicht zu verlieren."

Zuletzt war Ajola im Juli auf der Nordstil in Hamburg vertreten. Zum ersten Mal waren die Armbänder, die sie den potenziellen Kunden bei solchen Anlässen gern zum Test in ihren Geschäften mitgibt, vergriffen.

Wenn sie nicht in ihrem Atelier arbeitet, ist Babett Grüschow draußen unterwegs, zur Direktakquise. Ein Geschäftsbereich, den sie künftig noch erweitern will, wie sie sagt.

Zuletzt hat Grüschow eine Tour an die Ostsee gemacht, über Warnemünde, Rügen und Usedom, und dabei "zwei gute neue Kunden gewinnen" können, unter anderem in einem Hotelshop. Aktuell haben die Schwestern vor, mehr ihrer Produkte in Museumsläden anzubieten. Derzeit sind die Schmuckstücke von Ajola in Hamburg unter anderem im Bucerius Kunst Forum und bei Hilde Leiss erhältlich.

Grüschow und Landwehr arbeiten viel mit bunten Perlen und Steinen, zahlreiche ihrer Schmuckstücke enthalten Silberelemente und andere kleine Anhänger. Alle Ajola-Produkte haben eigene Namen, in vielen ist das Markenzeichen des Unternehmens, die Libelle, eingesetzt.

Bei ihrem neuen Projekt setzen die Unternehmerinnen wiederum auf Klarheit. "Wir wollten jetzt gern mal etwas ganz anderes machen", sagt Grüschow und zeigt ein Set aus Armbändern. Ein 67 Zentimeter langer Kunststoffstrang wird in sich gedreht, die Enden verschweißt. Diese Kollektion soll eher schlicht wirken, geeignet für nordisch zurückhaltende Damen, die selten Dinge in Handtaschen verlieren.

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