17.08.11

Dossier

Die Euro-Krise

Erst war es nur Griechenland, nun sind auch Spanien, Irland und Portugal von den Folgen der Finanzkrise betroffen. Die EU hat einen finanziellen Rettungsschirm aufgespannt - Deutschland ist der größte Geldgeber.

Foto: dpa/DPA

Ein irische Euromünze. Die Iren sollten nach Ansicht von Experten unter den Euro-Rettungsschirm kommen.

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Der Euro legte einen guten Start hin: nach seiner Einführung zur Jahrtausendwende bescherte er den damals beteiligten EU-Staaten eine harte Währung, die stark mit dem US-Dollar konkurieren konnte.

Doch die Finanz- und Wirtschaftskrise brachte nicht nur die U.S.A. in eine finanzielle Notlage, auch viele EU-Staaten strauchelten unter dem Gewicht von Konjunktureinbrüchen und gleichzeitiger Schuldenlast. Länder wie Spanien, Portugal, Griechenland und Irland traf es besonders hart. Um eine weitere Schädigung des Euro zu verhindern, mussten die Entscheidungsträger in Brüssel eingreifen: ein milliardenschwerer Rettungsschirm wurde aufgespannt, der die hoch verschuldeten Staaten fürs erste vom tiefen Fall bewahren sollte.



Die Geschichte des Euro
8. Oktober 1970 – Der sogenannte Werner-Plan sieht eine gemeinsame europäische Währung vor. Bis Ende der 70er Jahre sollte dieses Ziel erreicht werden. Der Stufenplan scheitert jedoch, weil viele Staaten den Souveränitätsverlust nicht hinnehmen wollen und die Ölkrise 1973 die Welt erschüttert.
März 1972 – Einführung des europäischen Wechselverbundes ("Währungsschlange"). Schwankungsbreite der EWG-Währungen untereinander wird auf 2,25 Prozent festgelegt.
Juli 1978 – Der Europäische Rat beschließt die Einführung des ECU (European Currency Unit) als Rechenwährung.
1979 – Der ECU (European Currency Unit – Europäische Währungseinheit) wird als Rechnungs- und Währungseinheit des Europäischen Währungssystems (EWS) eingeführt.
27. Juni 1989 – Der Delors-Plan für eine Währungsunion wird vom Europäischen Rat verabschiedet. Das gemeinsame Geld soll in drei Stufen kommen.
1. Juli 1990 – Stufe eins tritt in Kraft. Geld- und Kapitalverkehr zwischen den Mitgliedsstaaten werden liberalisiert.
7. Februar 1992 – Der Maastrichter Vertrag wird unterzeichnet. Darin sind die wirtschafts- und haushaltspolitischen Stabilitätskriterien für einen Beitritt zur Gemeinschaftswährung festgelegt ("Defizitkriterien").
1993 – Beginn des europäischen Binnenmarktes, Ratifizierung des Maastricht-Vertrages, Gründung der Europäischen Union (EU).
1. Januar 1994 – Stufe zwei tritt in Kraft: Das Europäische Währungsinstitut wird als Vorläufer der Europäischen Zentralbank gegründet. Sitz ist Frankfurt am Main.
Dezember 1995 – Auf Gipfeltreffen in Madrid verständigt sich der Europäische Rat darauf, dass die neue Währung "Euro" heißt.
1998 – Beschluss der Staats- und Regierungschefs über die Teilnehmerländer und den Start der Währungsunion zum Jahresbeginn 1999. Gründung der Europäischen Zentralbank (EZB).
April 1998 – Bundestag und Bundesrat stimmen mit großer Mehrheit für den Euro.
1. Januar 1999 – Einführung des Euro als Buchgeld in vorerst elf Mitgliedstaaten des Euroraumes. Die Wechselkurse der Währungen der Teilnehmerländer werden festgelegt. Ein Euro entspricht seitdem 1,95583 D-Mark.
1. Januar 2001 – Beitritt Griechenlands zum Euro-Währungsgebiet. EU-Länder Dänemark, Schweden und Großbritannien gehören damit nicht zur Eurozone.
1. September 2001 – Die Deutsche Bundesbank beginnt mit der Auslieferung von Euro-Bargeld an die Banken. Diese geben das Geld anschließend zum Teil an Geschäfte und Betriebe weiter, die bereits zu Beginn der Euro-Zeit viel Bargeld benötigen.
17. Dezember 2001 – Die ersten Euro-Münzen werden verteilt. Die sogenannten Euro-Starter-Kits bestehen aus einer Münzsammlung im Wert von 10,23 Euro und können bei den Banken für 20 Mark erworben werden.
1. Januar 2002 – Der Euro wird alleiniges gesetzliches Zahlungsmittel. Damit erreichte die Mark in Deutschland insgesamt ein Alter von gut 130 Jahren. Die Deutsche Mark existierte rund 54 Jahre.
1. März 2002 – Es kann nur noch mit dem Euro bezahlt werden. D-Mark-Bestände können ohne zeitliche Begrenzung bei der Bundesbank umgetauscht werden.
1. Januar 2007: Slowenien führt den Euro ein.
1. Januar 2008: Zypern führt den Euro ein.
1. Januar 2009: Die Slowakei führt den Euro ein.
Oktober 2009 – Die neue griechische Regierung revidiert die Staatsverschuldung drastisch nach oben, das Vertrauen in die Staatsfinanzen beginnt zu sinken.
16. Dezember – S&P's stuft als zweite Ratingagentur Griechenlands Kreditwürdigkeit herab. Spekulationen auf eine Staatspleite werden beflügelt. Der Euro bricht ein.
25. März 2010 – Die Eurogruppe sagt Athen ein Hilfspaket aus bilateralen Krediten unter Beteiligung des Internationalen Währungsfonds (IWF) zu. Eine Taskforce unter Leitung von EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy wird eingesetzt. Der Auftrag: die Reform des Stabilitätspaktes und ein Vorschlag für einen dauerhaften Krisenmechanismus.
23. April – Griechenland beantragt das Hilfsprogramm.
7. Mai – Trotz des Rettungsschirms für Athen rauscht der Euro weiter in den Keller. Spanien und Portugal drohen in den Sog zu geraten. Weltweite Kursverluste schüren die Nervosität. Die EZB warnt vor einer "systemischen Krise".
10. Mai – Die EU-Finanzminister einigen sich auf einen 750 Milliarden Euro schweren Auffangmechanismus unter Beteiligung des IWF. Die "Europäische Finanzstabilisierungsfaszilität" (EFSF) wird auf drei Jahre befristet.
18. Oktober – Bundeskanzlerin Merkel lässt ihre Forderung nach automatischen Sanktionen für den Stabilitätspakt fallen und erhält Rückendeckung von Frankreichs Präsident Sarkozy für Vertragsänderungen und eine Gläubigerbeteiligung an einem permanenten Krisenmechanismus ab 2013.
28. Oktober – Der EU-Gipfel stellt sich hinter Merkels Forderung, den Privatsektor bei der Bewältigung künftiger Krisen einzubeziehen. Die Märkte reagieren nervös, die Risikoaufschläge für Portugal klettern auf Rekordhöhen. In der Folge beschweren sich Portugal und Griechenland, Berlin habe die Schuldenkrise verschärft.
21. November: Dublin beantragt Hilfe.
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