24.01.13

Technologiekonzern

Trotz Rekordergebnis sind Anleger von Apple enttäuscht

Schicksaljahr für Apple: Was plant Apple-Chef Cook? Günstigere iPhones und Ausbau im TV-Bereich? Cook gab erste Hinweise.

Foto: dapd
Tim Cook
Apple-Chef Tim Cook muss das Vertrauen der Anleger zurückgewinnen. Diese hatten den iPhone-Hersteller trotz guter Zahlen abgestraft

Cupertino/New York. Apple-Chef Tim Cook muss sich nach eineinhalb Jahren an der Konzernspitze durch seine erste Vertrauenskrise kämpfen. Bei dem steilen Fall der Apple-Aktie auch nach abermaligen Rekord-Ergebnissen geht es nicht nur darum, dass der Konzern vielleicht ein paar Millionen weniger iPhones verkaufte als die meisten Analysten erwartet hatten. Die Börsianer scheinen den Glauben an die Wundermaschine Apple zu verlieren, der die Aktie erst in schwindelerregende Höhen getrieben hat.

Apple fuhr im Weihnachtsgeschäft zwar erneut einen fabelhaften Quartalsgewinn von knapp 13,1 Milliarden Dollar ein. Doch es waren unterm Strich gerade einmal 14 Millionen Dollar mehr als ein Jahr zuvor – eine Stagnation statt der gewohnten Wachstumssprünge. Allerdings hatten viele Analysten schon den ersten Gewinnrückgang seit Jahren erwartet.

Und so brach die Aktie im nachbörslichen New Yorker Handel am Mittwoch um mehr als 10 Prozent ein. Auf einen Schlag verpufften annähernd 50 Milliarden Dollar oder umgerechnet 38 Milliarden Euro an Börsenwert – das ist soviel, wie die Deutsche Telekom derzeit insgesamt auf die Waage bringt.

Apple verfehlte die Markterwartungen beim Umsatz und der Zahl verkaufter iPhones sowie bei den Prognosen für das laufende Quartal. Dabei hatte Finanzchef Peter Oppenheimer angekündigt, dass Apple fortan die eigenen Geschäftserwartungen in einer Spanne angeben werde statt der bisherigen "konservativen" Prognosen, die tief gestapelt waren und stets massiv übertroffen wurden. Andererseits, was zählt mehr: Enttäuschte Analysten-Erwartungen oder tatsächliche Milliarden? Apples Geldberg wuchs allein im vergangenen Quartal von rund 120 auf 137,1 Milliarden Dollar.

Doch das vielleicht alarmierendste Zeichen für Cook ist, dass die Aktie munter weiter fiel, während er sich in der Telefonkonferenz am Mittwoch den Fragen der Analysten stellte. Das heißt, seine Antworten konnten die Anleger nicht umstimmen. Mit konkreten Hinweisen auf künftige Vorhaben hielt Cook sich zurück. Allerdings war schon sein legendärer Vorgänger Steve Jobs bekannt dafür, eher ausweichende Antworten zu den Plänen von Apple zu geben, aus denen man Hinweise wie Goldsand aussieben muss. Dabei geht es nicht nur um die Formulierungen, sondern auch darum, was nicht gesagt wird.

So verzichtete Cook diesmal darauf, die Settop-Box Apple TV als "Hobby" zu bezeichnen, sondern wiederholte, dass Fernsehen ein "Bereich von intensivem Interesse" sei. "Ich glaube, dass wir auf diesem Gebiet viel zu bieten haben", sagte Cook. Mehr wolle er nicht sagen. Die Äußerungen könnten den jahrelangen Spekulationen um einen Apple-Fernseher neue Nahrung geben. Aber vielleicht will Apple auch nur die Apple-TV-Box weiterentwickeln, die im vergangenen Quartal zwei Millionen Mal gekauft wurde – ein Plus von 60 Prozent.

Die Frage nach einem iPhone mit einem noch größeren Bildschirm beantwortete Cook hingegen relativ eindeutig. Apple sei zufrieden, dass sich auch das leicht vergrößerte iPhone 5 mit einer Hand bedienen lasse, "was unsere Kunden schätzen". Auch die Aussicht auf ein günstigeres iPhone-Modell dämpfte Cook etwas. Er verwies auf die älteren Modelle, die Apple günstiger verkaufe. Zugleich bekräftigte er, dass es für Apple wichtigeres als Marktanteile gebe: "Wir wollen nur die besten Produkte machen." Derzeit gibt es das größte Wachstum im Smartphone-Markt in Ländern wie China, Indien oder Brasilien, in denen eher günstigere Geräte gefragt sind. Zuletzt gab es erneut Medienberichte, Apple teste deshalb eine günstigere Variante seines teuren Telefons.

Apple stellt iPhone 5 vor
Apple hat das iPhone 5 sowie frische iPod-Player vorgestellt. Die wichtigsten Neuigkeiten auf einen Blick:
Das iPhone 5 hat erstmals einen größeren Touchscreen. Er hat jetzt eine Bildschirmdiagonale von 4 Zoll statt zuvor 3,5 Zoll. Dadurch passt eine Reihe App-Symbole mehr auf das Display.
Statt des üblichen breiten Steckers zur Verbindung mit anderen Geräten bekommen die neuen iPhones einen kleineren Anschluss. Apple wird aber einen Adapter anbieten.
Die Kamera behält die bisherige Auflösung von 8 Megapixeln, wurde aber von Grund auf erneuert. Das iPhone hat jetzt eine Funktion zur Aufnahme von Panorama-Bildern.
Das neue iPhone unterstützt die superschnelle Datenfunk-Technik LTE. In Deutschland dürften allerdings fast ausschließlich Kunden von T-Mobile davon profitieren, weil die Tochter der Deutschen Telekom auf die vom Gerät genutzte Frequenz 1800 MHz setzt.
Mit dem neuen Betriebssystem iOS 6 kommt auch die App Passbook auf die iPhones, ein digitales Portemonnaie für Tickets und Treuekarten.
Der Player iPod nano sieht jetzt aus wie ein kleines iPhone und beherrscht auch Bluetooth-Verbindungen etwa zum Anschluss im Auto.
Der iPod touch bekam wie das iPhone einen 4-Zoll-Bildschirm verpasst und hat jetzt auch den sprechenden Assistenten Siri an Bord. Es gibt ihn jetzt auch in verschiedenen Farben.
Apple bringt nach drei Jahren Entwicklung neue Ohrhörer auf den Markt. Sie sollen besser klingen und sehen futuristisch aus.
Die Multimedia-Software iTunes wurde erneuert und ist jetzt mit dem Online-Speicherdienst iTunes verbunden, damit man leichter zwischen verschiedenen Geräten wechseln kann.
Smartphone-Betriebssysteme: Die weltweiten Marktanteile
Smartphone-Betriebssysteme: Die weltweiten Marktanteile
Der weltweite Markt für Smartphones wird von Geräten mit dem Betriebssystem Android von Google und dem iOS von Apple beherrscht. Zusammen kommen beide Systeme laut Berechnungen der Marktforschungsfirma IDC auf 85 Prozent. Windows Phone spielt bislang kaum eine Rolle, wächst aber langsam.
Das von Nokia bis vor kurzem favorisierte Symbian erleidet deutliche Einbußen. Laut IDC sieht die Verteilung der Anteile am Smartphone-Markt mit Stück- und Prozentzahlen in diesem Jahr wie folgt aus:
Android (Google) 104,8 Millionen Stück; 68,1 Prozent (46,9 Prozent 2011)
iOS (Apple) 26,0 Millionen Stück; 16,9 Prozent (18,8 Prozent 2011)
BlackBerry (Research in Motion) 7,4 Millionen Stück; 4,8 Prozent (11,5 Prozent 2011)
Symbian (Nokia) 6,8 Millionen Stück; 4,4 Prozent (16,9 Prozent 2011)
Windows (Microsoft) 5,4 Millionen Stück; 3,5 Prozent (2,3 Prozent 2011)
Linux 3,5 Millionen Stück; 2,3 Prozent (3,0 Prozent 2011)
Andere 0,1 Millionen Stück; 0,1 Prozent (0,5 Prozent 2011)
(dapd)
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