18.01.13

"Regionalfenster" Aigners Siegel für Lebensmittel geht in die Testphase

Von Vera Fröhlich
Grüne Woche

Foto: ZB/DPA

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Für die neue Kennzeichnung muss die Hauptzutat aus der Region stammen. Verbraucherorganisation Foodwatch spricht von Etikettenschwindel.

Berlin. Das neue Regionalkennzeichen für Lebensmittel geht in die Testphase. Seit dem 18. Januar kommen die ersten Produkte mit dem neuen Siegel in den Handel, wie das Bundesverbraucherministerium mitteilte. In 20 Testmärkten gebe es bis April rund 150 verschiedene Nahrungsmittel mit dem neuen "Regionalfenster" zu kaufen.

Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) erklärte auf der Grünen Woche in Berlin: "Regionale Produkte werden in Deutschland immer beliebter." Einer Umfrage im Auftrag ihres Ministeriums zufolge ist es für 67 Prozent aller Verbraucher wichtig, dass Lebensmittel aus einer bestimmten Region kommen. "Umso wichtiger ist eine transparente, übersichtliche und verlässliche Kennzeichnung regionaler Produkte", erklärte die Ministerin.

Aigner hatte das "Regionalfenster" vor einem Jahr auf der Grünen Woche initiiert. Es handelt sich um eine freiwillige Kennzeichnung, die die wichtigsten Informationen zur Herkunft des Produkts offenlegt. "Für den Verbraucher ist wichtig, dass die Region auf dem Produkt klar benannt wird und dass die Hauptzutat zu 100 Prozent aus diesem Gebiet stammt", sagte Aigner.

Um das "Regionalfenster" zu erproben und weiterzuentwickeln, werden von Januar bis April in den fünf Testregionen Baden-Württemberg, Berlin/Brandenburg, Nordrhein-Westfalen, Hessen und der Metropolregion Hamburg in 20 Geschäften rund 150 verschiedene Produkte angeboten.

Die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch warf Aigner vor, sie decke Etikettenschwindler. "Thüringer Land"- oder "Sachsen Milch"-Produkte stammten aus Bayern, "Mark Brandenburg"-Milch aus Köln und "Büsumer Feinkost Louisiana Flusskrebse" aus China. Hersteller, die auf solche Irreführung setzten, könnten einfach weitermachen wie bisher. An all diesen Fällen ändere Aigners "Regionalfenster" nichts.

"Für den Verbraucher wird die Verwirrung durch ein weiteres, unverbindliches Siegel nur noch größer statt kleiner", kritisierte der Foodwatch-Experte für Lebensmittelwerbung, Oliver Huizinga. Mit einem freiwilligen Siegel anstelle einer Initiative für verpflichtende Herkunftsangaben decke Aigner "die allgegenwärtigen Herkunfts-Schummler".

Foodwatch forderte, die Hersteller zu verpflichten, die Herkunftsländer der Hauptzutaten ihrer Produkte anzugeben. Mit regionaler Herkunft dürfe nur dann geworben werden, wenn dies durch die tatsächliche Herkunft der Zutaten gedeckt sei und die Ursprungsregion – für Deutschland mindestens bundeslandgenau – für alle Zutaten angegeben werde.