10.01.13

Pflegerisiko im Alter

Staat sponsert jetzt Absicherung für den Pflegefall

Erste "Pflege-Bahr"-Versicherungen sind am Start. Kranke profitieren von guten Einstiegstarifen. Jedoch gibt es fünf Jahre Wartezeit.

Foto: dpa
Eine junge Frau hält die Hände eines alten Mannes. Der Staat sponsert neuerdings die Absicherung für den Pflegefall
Eine junge Frau hält die Hände eines alten Mannes. Der Staat sponsert neuerdings die Absicherung für den Pflegefall

München. Der Staat sponsert neuerdings die freiwillige Absicherung gegen das Pflegerisiko im Alter. Wer Sorge hat, später einmal pflegebedürftig zu werden und die kostspielige Betreuung nicht zahlen zu können, kann sich jetzt eine geförderte Zusatzversicherung zulegen. Seit Jahresbeginn sind die ersten "Pflege-Bahr"-Policen für Kassenpatienten am Start.

Ihr Plus: Selbst Senioren und chronisch Kranke können damit zu erschwinglichen Prämien für den Pflegefall vorsorgen. Allerdings leistet die Assekuranz meist erst nach einer Wartezeit von fünf Jahren. Und die heute günstigen Einstiegstarife könnten mit der Zeit empfindlich teurer werden, wie Bianca Boss vom Bund der Versicherten sagt.

"Wir raten dazu, sich in jedem Fall mit den neuen geförderten Angeboten zu befassen", rät Peter Grieble, Versicherungsexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Den Zuschuss von jährlich 60 Euro für den "Pflege-Bahr" bekommt grundsätzlich jeder Bürger, der über 18 Jahre alt, gesetzlich kranken- und damit pflegeversichert ist.

Wer zugreift, muss dann für sein privates Pflege-Extra mindestens zehn Euro im Monat aus der eigenen Tasche zahlen, je nach Alter und Versicherungssumme. Ein Sorglos-Paket oder gar eine Luxusversorgung für Pflegebedürftige liefert die Police allerdings nicht. Sie bringt lediglich eine finanzielle Entlastung.

Wenig Geld bei Demenz

Einige Beispiele von der Stiftung Warentest: Schließt ein 30-Jähriger eine "Pflege-Bahr"-Police ab, bekommt er für regelmäßig zehn Euro im Monat (plus fünf Euro vom Staat) beim Anbieter Barmenia ein Pflegetagegeld von 828,72 Euro monatlich, sollte er in der höchsten Pflegestufe III eingruppiert werden. Die HUK-Coburg leistet für die gleiche Prämie 815,22 Euro. In den Pflegestufen I bis II, in denen die meisten Kranken eingestuft sind, bekommen Kunden zwischen 248 und knapp 490 Euro, je nach Anbieter.

Legt sich ein 50-Jähriger die Police zu, zahlt er monatlich 19,78 Euro (plus fünf Euro vom Staat) bei der Barmenia und 17,22 Euro bei der HUK, um jeweils 600 Euro Unterstützung in Pflegestufe III zu bekommen. Wegen seines höheren Alters bekommt er auch in den Pflegestufen I und II mit 180 und 360 Euro deutlich weniger heraus als jüngere Versicherte.

"Die Police ist für einen überschaubaren Betrag zu kriegen und kann sich für viele lohnen", sagt Aline Klett von der Stiftung Warentest. Weniger erfreulich: Bei Demenz, also in Pflegestufe 0, sei die Unterstützung einfach zu gering. Dann sind bei den untersuchten Tarifen lediglich zwischen 81 und 83 Euro monatlich drin. Allein ein Tag in der Tagespflege für Demente kostet schon über 70 Euro.

Weiterer Pferdefuß: Der Versicherer zahlt in der Regel erst nach höchstens fünf Jahren Wartezeit, gerechnet ab Vertragsabschluss. Bei ungeförderten Tarifen gebe es deutlich kürzere bis gar keine Wartezeiten, sagt Grieble. Dafür profitieren vom "Pflege-Bahr" vor allem Ältere oder Schwerkranke, deren Pflegebedürftigkeit bereits absehbar ist.

Für sie waren Pflege-Policen bislang unerreichbar. Entweder, weil Risikozuschläge die Beiträge extrem teuer machten. Oder weil sie durch die Gesundheitsprüfung fielen. "Jetzt eröffnen sich ihnen neue Chancen", betont Grieble. Wer abschließen wolle, sollte sich aber noch ein wenig Zeit lassen und in den kommenden Wochen auf weitere Angebote am Markt warten.

Viele Schwerkranke, hohe Kosten

BdV-Sprecherin Boss rät dazu, sich in jedem Fall auch ungeförderte Tarife vorrechnen zu lassen. Diese seien für die meisten Interessenten besser. Wegen der hohen Kosten für schwerkranke Versicherte seien kräftige Prämiensteigerungen absehbar. "Die Einstiegstarife sind heute zwar günstig, aber wir fragen uns, wie die Beitrage in Zukunft aussehen", gibt Boss zu bedenken.

Ohnehin gilt: Wie bei einer Risikolebensversicherung steht auch die Pflege-Police nur für den Schadensfall bereit. Bleibt der Kunde gesund, sind die Beiträge vieler Jahre verloren. Wird er tatsächlich pflegebedürftig, kann er sich aber auf ein Extra-Auffangnetz verlassen. Denn: Pflege ist sehr teuer, egal, ob der Kranke zu Hause oder im Heim betreut wird. Die gesetzlichen Leistungen decken nur eine Grundversorgung ab.

Von Kosten für einen Heimplatz von gut 3.000 Euro etwa übernimmt die Pflegekasse derzeit höchstens 1.550 Euro. Den Rest müssen die Kranken aus eigener Tasche drauflegen. Können sie das nicht, weil Rente oder Erspartes aufgebraucht ist, springt die Sozialhilfe ein - und holt sich das Geld, wenn möglich, dann von den Kindern wieder. Generell ist eine Zusatzpolice sinnvoll für Menschen, die im Alter weitgehend allein leben, keine Kinder und nahe Verwandte in der Nähe haben.

(dapd)
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