07.01.13Fluggesellschaft
Prock-Schauer für Mehdorn: Wechsel an der Air-Berlin-Spitze
Hartmut Mehdorn hört als Chef der angeschlagenen Airline auf, bleibt aber im Verwaltungsrat. Richten soll es nun ein bisheriger Planer.
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Ende einer Übergangslösung: Bei Deutschlands zweitgrößter Fluglinie Air Berlin übernimmt Wolfgang Prock-Schauer (l.) mit sofortiger Wirkung den Vorsitz von Hartmut Mehdorn (r.)
Berlin/Frankfurt. Air Berlin bekommt einen neuen Chef. Manager Wolfgang Prock-Schauer sei seit heute Chief Executive Officer der angeschlagenen Fluggesellschaft, teilte Air Berlin am Montag in einer Pflichtmitteilung für die Börse mit. Hartmut Mehdorn lege sein Amt nieder. Der 70-Jährige wird jedoch auch künftig dem Verwaltungsrat (Board of Directors) angehören. Prock-Schauer war bisher für Strategie und Planung verantwortlich.
Vor seiner Tätigkeit bei Air Berlin war Hartmut Mehdorn bis 2009 zehn Jahre lang Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bahn. Das Amt bei Air Berlin übernahm Mehdorn im September 2009 von Vorgänger Joachim Hunold. Bei Deutschlands zweitgrößter Fluggesellschaft ist Mehdorn noch mit einem Vertrag bis Ende 2013 ausgestattet.
Bei Air Berlin galt Mehdorn von Beginn an auch offiziell nur als Übergangslösung. "Er hat das Unternehmen in der Krise der europäischen Luftfahrt auf einen neuen Weg gebracht, marktgerechter positioniert und entscheidende Weichen für die Zukunft gestellt", betonte Verwaltungsratschef Hans-Joachim Körber. Mit Prock-Schauer übernehme nun ein anerkannter Branchenexperte die Spitzenposition. Der neue Vorstandschef betonte: "Air Berlin steht vor großen Herausforderungen."
Der Lufthansa-Konkurrent kämpft mit roten Zahlen und muss daher massiv sparen, unter anderem durch höhere Ticketpreise und die Verkleinerung der Flugzeugflotte. Auch die immer wieder verzögerte Eröffnung des neuen Hauptstadtflughafen macht dem Unternehmen zu schaffen. Mehdorn hatte deshalb Schadenersatzklagen angekündigt.
Air Berlin: Zahlen & Daten
Zahl der Mitarbeiter: 9.300
Zahl der Flugzeuge: rund 150 Flugzeuge, durchschnittlich fünf Jahre alt
Größter Anteilseigener der nach britischem Aktienrecht verfassten Air Berlin plc ist Etihad, eine Fluggesellschaft aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, mit rund 29 Prozent am Aktienkapital
Air Berlin fliegt eigenen Angaben zufolge zu 170 Destinationen in 40 Ländern.
Im Jahr 2011 wurden mehr als 35 Millionen Fluggäste befördert.
2011 machte Air Berlin einen Umsatz von rund 4,2 Milliarden Euro; im ersten Halbjahr 2012 von 1,948 (Vorjahreszeitraum 1,897) Milliarden Euro
Das operative Ergebnis vor Steuern und Zinsen (EBIT) verbesserte sich im ersten Halbjahr 2012 auf minus 178,7 Millionen Euro (minus 220,5 Millionen) (dapd)
Air Berlin: Fluggesellschaft in Turbulenzen
Nach jahrelangem rasanten Wachstum steckt Air Berlin in der Klemme
Vier verlustreiche Jahre in Folge haben den Schuldenberg bei Deutschlands zweitgrößter Fluggesellschaft zum Geschäftsjahresende 2011 auf 813 Millionen Euro wachsen lassen und die Eigenkapitalquote ist auf 11,2 Prozent geschrumpft.
Der Börsenwert schmolz auf aktuell etwa 208 Millionen Euro.
Ein Sparprogramm soll helfen, das Unternehmen mit 9100 Beschäftigten wieder profitabel zu machen.
2012 erkleinert Air Berlin seine Flotte um 18 Flugzeuge auf 152.
Unrentable Strecken fallen weg, Betriebsabläufe sollen besser werden, Kosten in Verwaltung, Einkauf und Vertrieb sinken, Nebeneinkünfte aus Zuschlägen steigen.
Einen Personalabbau schließt Unternehmenschef Hartmut Mehdorn nicht aus. (dpa)
(dpa/rtr/dapd)