02.01.13

Kursgewinne

US-Haushaltskompromiss beflügelt Europas Börsen

Der Leitindex Dax steigt auf 5-Jahres-Hoch von 7771,71 Punkten. Der Euro nimmt Kurs auf die Marke von 1,33 Dollar.

Von Hakan Ersen
Foto: pa/Helga Lade Fo/info@helga-lade.de
WA2904  Frankfurter Börse, außen
Die Frankfurter Börse von außen. Dax und EuroStoxx50 legten zum Auftakt des Börsenjahres 2013 jeweils gut zwei Prozent zu

Frankfurt. Die Erleichterung über die Einigung im US-Haushaltsstreit hat die europäischen Börsen am Mittwoch beflügelt. "Die Politiker haben einen Weg gefunden, die 'Fiskalklippe' um 'fünf nach zwölf' zu umschiffen", sagte Marktanalyst Roger Peeters vom Bankhaus Close Brothers Seydler. Anleger griffen sowohl bei Aktien als auch bei Rohstoffen und Währungen beherzt zu. Sie ließen sich dabei auch nicht von den Warnungen einiger Börsianer abhalten, dass die US-Schuldenkrise mit diesem Kompromiss noch lange nicht überwunden sei.

Dax und EuroStoxx50 legten zum Auftakt des Börsenjahres 2013 jeweils gut zwei Prozent zu. Der deutsche Leitindex markierte mit 7771,71 Punkten ein neues Fünf-Jahres-Hoch, sein pan-europäisches Pendant notierte mit 2690,91 Zählern immerhin so hoch wie zuletzt vor eineinhalb Jahren. Zuvor hatten bereits die Börsen in Hongkong und Südkorea jeweils knapp zwei Prozent zugelegt.

Ein Großteil dieser Kursgewinne gehe allerdings auf das Konto der Wall-Street-Rally vom Montag, betonte Close-Brothers-Experte Peeters. Die US-Indizes hatten nach Börsenschluss in Europa noch einmal zugelegt. Der deutsche Aktienmarkt war am Montag sogar komplett geschlossen geblieben.

Nach zähen Verhandlungen hatte sich der US-Kongress in der Nacht zum Mittwoch auf einen Kompromiss geeinigt, der viele der zum Jahreswechsel in Kraft getretenen automatischen Ausgabenkürzungen und Steuer-Erhöhungen wieder aufhebt. Ohne diese Einigung wäre die weltgrößte Volkswirtschaft nach Einschätzung von Experten über die sogenannte "Fiskalklippe" in die Rezession gestürzt.

"Man sollte den Kompromiss jedoch nicht überbewerten", warnten die Analysten der National-Bank in einem Kommentar. "Die nächsten Probleme sind bereits vorgezeichnet." In den kommenden Monaten müssen sich die US-Politiker auf Einsparungen einigen, um die überbordende Staatsverschuldung langfristig in den Griff zu bekommen. Außerdem stoßen die USA bald an ihre selbst gesetzte Schulden-Obergrenze. Ohne deren Anhebung droht der weltgrößten Volkswirtschaft die Zahlungsunfähigkeit.

Eine schnelle Lösung dieses Problems sei nicht zu erwarten, sagte Commerzbank-Analyst Ulrich Leuchtmann. "Das politische System der USA kann in Fragen dieser Art nichts anderes als Last-Minute-Lösungen erzeugen."

Der Euro verteuerte sich am Mittwoch auf 1,3277 Dollar, nach 1,3194 Dollar zum EZB-Fixing am vergangenen Freitag. Andere Währungen wie der australische Dollar profitierten ebenfalls vom gestiegenen Risiko-Appetit der Investoren. An den Rohstoff-Märkten kletterte der Preis für ein Barrel (159 Liter) der richtungsweisenden Ölsorte Brent um bis zu 0,9 Prozent auf ein Vier-Wochen-Hoch von 112,11 Dollar. Kupfer kostete mit 8130 Dollar je Tonne zeitweise so viel wie zuletzt Mitte Dezember.

Im Gegenzug trennten sich Investoren von Anlagen, die als sicher gelten, aber geringe Renditen bieten. Der Bund-Future rutschte um 105 Ticks auf 144,59 Punkte ab.

Bei den Unternehmen gehörten die Finanzwerte zu den Favoriten. Sie reagieren in der Regel überdurchschnittlich auf Kursbewegungen des Gesamtmarktes. Im Branchenvergleich belegten die britischen Insitute Barclays und Lloyds mit Kursgewinnen von 4,3 beziehungsweise 3,2 Prozent die Spitzenplätze. Erste Bank kletterten um bis zu vier Prozent auf ein 16-Monats-Hoch von 24,99 Euro. Commerzbank gewannen 3,1 Prozent und Deutsche Bank 1,9 Prozent.

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