07.12.12

Übernahme durch die Allianz? Provinzial-Verkaufspläne: Kritik auch vom Eigentümerverband

Provinzial-Vorstandsvorsitzender bei Attacke mit Schraubenzieher verletzt

Foto: dapd

Provinzial-Vorstandsvorsitzender bei Attacke mit Schraubenzieher verletzt Foto: dapd

Kein Verständnis bei Mitgliedern der Haus & Grund Schleswig-Holstein. Besorgnis um Fortbestand der mehr als 45.000 Versicherungsverträge.

Hamburg. Jetzt hat auch der Vorsitzende des Eigentümerverbandes Haus & Grund Schleswig-Holstein, Jochem Schlotmann, den geplanten Verkauf der der Provinzial Versicherung kritisiert. Schlotmann fordert den Sparkassen- und Giroverband dazu auf, von einem Verkauf Abstand zu nehmen. Der Sparkassenverband ist Miteigentümer der Provinzial.

Bei vielen der 64.000 Mitglieder der Haus & Grund Schleswig-Holstein bestehe kein Verständnis für den Verkauf. Die Mitglieder im Lande hätten mehr als 45.000 Einzelverträge, häufig auch mit Folgeverträgen, bei dem Versicherer geschlossen. Viele seien über den Fortbestand der Verträge besorgt. Haus & Grund könne nicht garantieren, dass bei einem solchen Wechsel die Mitglieder einem neuen Versicherer das Vertrauen schenken würden, so Schlotmann.

Ein Verkauf der Provinzial und ein Wechsel des Versicherers gefährde nach seiner Eischätzung die teilweise mehr als 80 Jahre bestehenden Kundenbeziehungen.

Schlotmann: "Wir benötigen auch künftig einen starken Partner, der auf unsere regionalen Bedürfnisse eingeht. Dies habe die Provinzial in der Vergangenheit stets unter Beweis gestellt." Bei einem Verkauf an die Allianz sei dies nicht gewährleistet.

"Die Verscherbelung von Tafelsilber hat sich, wie zahlreiche Beispiele der Vergangenheit deutlich gemacht haben, nicht als erfolgreich erwiesen", so der Verbandsvorsitzende.

Nach dem Bekanntwerden der Übernahmepläne äußerten bereits der Betriebsrat und die Gewerkschaft Ver.di Kritik. In Kiel gingen Mitarbeiter auf die Straße. Insgesamt 6000 Menschen sind bei der Provinzial beschäftigt.

Die Provinzial ist keine Versicherung wie jede andere: Als öffentliches Unternehmen ist sie die Gemeinwohl verpflichtet, engagiert sich finanziell stark unter anderem für Sport und Kultur. Vor diesem Hintergrund appellierten Ver.di und Betriebsrat an die Landespolitik, sich zur Provinzial zu bekennen. Falls zum Beispiel der Sparkassenverband im Norden nicht zustimmen sollte, käme ein Verkauf nicht zustande, weil alle Eigentümer zustimmen müssen.