03.12.12

Fragen & Antworten

Wie Griechenlands Schuldenrückkauf funktioniert

Damit Athen weitere Milliarden erhält, muss der Rückkaufprogramm gelingen. Wie funktioniert das Verfahren und welche Rolle spielen Spekulanten?

Von Hannes Breustedt
Foto: AFP
Ioannis Stournaras (l.), Jean-Claude Juncker
Der griechische Finanzminister Ioannis Stournaras (l.) wird Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker und den Euro-Finanzministern über das Rückkaufprogramm informieren

Athen/Brüssel. Der Startschuss für das griechische Schuldenrückkaufprogramm ist am Montag erfolgt. Es handelt sich um die wichtigste Säule im jüngsten Rettungskonstrukt, das die Euro-Finanzminister und der Internationale Währungsfonds (IWF) in der vergangenen Woche auf die Beine gestellt haben.

Der griechische Finanzminister Ioannis Stournaras wird beim Treffen der Euro-Finanzminister am Montagnachmittag in Brüssel über das Rückkaufrogramm berichten. Für einen Erfolg müssten sich genügend Anleger von griechischen Schuldscheinen trennen.

Damit weitere Hilfsgelder nach Athen fließen, muss der Anleiherückkauf gelingen. Doch der Erfolg ist alles andere als gewiss. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Schuldenrückkaufprogramm im Überblick:

Wie läuft der Rückkauf?

Athen erhält Geld aus den europäischen Rettungstöpfen, um eigene Anleihen von Investoren zurückzukaufen. Da die Papiere aufgrund der Zweifel an der langfristigen Zahlungsfähigkeit deutlich unter ihrem ursprünglichen Ausgabepreis (Nominalwert) gehandelt werden, könnte Athen seine Schuldenquote durch einen Rückkauf spürbar senken. Statt die Kredite am Laufzeitende vollständig zu begleichen, sollen sie nun deutlich günstiger zurückgekauft werden.

Wie sehen die Details aus?

Die Bedingungen, zu denen Investoren ihre Anleihen verkaufen können, hat die griechische Schuldenagentur PDMA am Montag bekanntgegeben. Je nach Laufzeit der Staatstitel bietet Griechenland zwischen 30,2 bis 40,1 Prozent des ursprünglichen Werts. "Der Ankaufspreis liegt damit etwas höher als erwartet", sagt Jürgen Michels, Europa-Chefvolkswirt der Citigroup. Die Kurse griechischer Anleihen zogen deshalb zum Wochenauftakt massiv an. Kaum war das Angebot veröffentlicht, legten die Papiere um etwa zehn Prozent zu.

Wie funktioniert das Verfahren?

Die Offerte endet am Freitagnachmittag (7.12.) und läuft als sogenannte "modifizierte holländische Auktion". Im Klartext: Wer im Rahmen der Ankaufspanne am wenigsten für seine Anleihen verlangt, erhält am ehesten den Zuschlag. Bezahlt werden sollen die Gläubiger mit kurzlaufenden Schuldtiteln des Euro-Krisenfonds EFSF. Insgesamt will Athen im Rahmen des Ankaufprogramms zehn Milliarden Euro aufwenden. Damit könnte Griechenland nach Schätzungen von Experten alte Schulden im Wert von bis zu 30 Milliarden Euro loswerden.

Warum sollten Investoren mitmachen?

Trotz der klaren Bekenntnisse der Euro-Partner, Griechenland im Währungsverbund zu halten, bleibt die Genesung des Patienten ungewiss. Die Hoffnung der Retter: Anleger ziehen die sichere Alternative vor, nehmen Verluste in Kauf und trennen sich vorzeitig von ihren Papieren. Insgesamt halten private Gläubiger, die bereits beim Schuldenschnitt im März im Schnitt mehr als 70 Prozent auf ihre Hellas-Papiere abschreiben mussten, noch griechische Anleihen im Wert von 62 Milliarden Euro.

Wer kommt als Verkäufer infrage?

Etwa die Hälfte der Staatsanleihen liegt in den Händen griechischer Banken und Pensionsfonds. Für die Geldhäuser ist die Teilnahme ein Biss in den sauren Apfel, denn er geht zulasten künftiger Buchgewinne. Doch ihnen bleibt kaum eine Wahl: Der Großteil der seit Juni zurückgehaltenen Hilfstranche aus dem zweiten Rettungspaket für Athen ist dafür eingeplant, den maroden Finanzsektor aufzupäppeln. Doch das Geld fließt nur, wenn der Anleiherückkauf funktioniert. Für die Banken ist die Teilnahme also gewissermaßen eine Art Gegengeschäft.

Welche Rolle spielen Finanzspekulanten?

"Die Teilnahme der griechischen Banken würde nicht ausreichen, um das Ziel des Programms zu erreichen", sagt Citi-Ökonom Michels. Um die Schuldenlast wie geplant senken zu können, müsste ein wesentlicher Teil der ausländischen Investoren mitziehen. Denn ob die griechischen Pensionskassen mitmachen, die laut Finanzminister Ioannis Stournaras acht Milliarden Euro an Hellas-Bonds auf den Büchern haben, spielt Michels zufolge keine Rolle. "Da die Fonds zum öffentlichen Sektor zählen, würde sich an der Staatsverschuldung nichts ändern."

Sind am Ende die Hedgefonds das Zünglein an der Waage?

Viele Experten glauben: ja. Denn neben griechischen Banken bleiben fast nur noch die Spekulanten. Doch die Hedgefonds haben die Papiere größtenteils zu absoluten Schnäppchenkursen eingekauft und dürften das Rückkaufangebot äußerst kritisch betrachten. Nach Einschätzung von Citi-Experte Michels ist der Anreiz hoch, auf weitere Kursgewinne zu setzen. Diese Sorge geht auch in Athen um.

Kann der große Rettungsplan überhaupt aufgehen?

Selbst wenn der Anleihekauf wie gewünscht gelingt, hinter der Griechenland-Rettung bleiben zahlreiche Fragezeichen. Viele Experten zweifeln den Plan, mit dem die internationalen Geldgeber Griechenland langfristig sanieren wollen, grundsätzlich an. Die Schuldentragfähigkeit sei lediglich "auf dem Papier" wiederhergestellt, sagt Commerzbank-Chefökonom Jörg Krämer. Die Rechnung unterstelle, dass Griechenland ab 2016 ein reales Wirtschaftswachstum von 3,5 Prozent erzielt. "Dieses Ziel ist sehr ehrgeizig." Fast alle Beobachter erwarten, dass früher oder später ein weiterer Schuldenschnitt kommt.

Griechenlands Schuldenrückkauf

Es gibt an den Finanzmärkten nach wie vor Zweifel, ob Griechenland langfristig nicht doch pleitegeht.

Deshalb liegen die Kurse griechischer Staatspapiere derzeit deutlich unter dem Nominalwert, zu dem sie bei Fälligkeit zurückgezahlt werden sollen.

Athen bietet nun seinen privaten Investoren an, für bis zu zehn Milliarden Euro Papiere zu ähnlich niedrigen Kursen zurückzukaufen - damit wären die Anleger sie los.

Der genaue Ablauf ist noch etwas komplizierter.

Aber für Griechenland selbst hieße dies, dass es einen ganzen Batzen Schulden abbauen könnte und dafür im Gegenzug viel weniger bezahlen muss.

Das Geld dafür stammt letzten Endes von den internationalen Helfern. (dpa)

Griechenland-Rettung: Maßnahmen der Eurogruppe

Die Euro-Gruppe hat sich auf Maßnahmen verständigt, um die Schuldenlast Griechenlands bis 2022 deutlich zu senken und eine neue Finanzierungslücke zu schließen.

Gebilligt werden müssen die verschiedenen Maßnahmen noch von nationalen Parlamenten wie dem Bundestag. Wesentliche Punkte der Vereinbarungen im Überblick.

Schuldenrückkauf:

Die griechische Regierung kann mit geliehenem Geld eigene Schuldtitel zurückkaufen, um so die Schuldenquote zu drücken.

Konkrete Details und Summen für eine solche mögliche Rückkaufaktion ("debt buy-back") wurden zunächst nicht genannt. Dieses Programm ist Voraussetzung für die nachfolgenden Maßnahmen:

Zinserleichterungen:

Vorgeschlagen wird, die Zinsen aus dem ersten Griechenland-Programm um 100 Basispunkte zu senken. Hier hatten die Euro-Länder bilaterale Hilfskredite an Athen vergeben.

Für Deutschland übernahm dies die Staatsbank KfW, der Bund garantierte dafür. Der KfW sollen durch den Zinserlass keine Verluste entstehen.

Laufzeiten:

Die Laufzeiten für die bilateralen Kredite sowie die Darlehen des Euro-Rettungsfonds EFSF sollen um 15 Jahre verlängert werden.

Die Zinsen für EFSF-Darlehen im Zuge des zweiten Rettungspaktes sollen zehn Jahre lang gestundet werden. Allein die Zinsstundung hat einen Effekt von 44 Milliarden Euro.

Gewinne:

Alle Euro-Staaten sollen bestimmte Zinsgewinne ihrer Notenbanken auf ein spezielles Sperrkonto in Griechenland einzahlen.

Weitere Erleichterungen:

Wenn Griechenland einen Primärüberschuss erreicht – also ein Etat-Plus ohne Tilgungs- und Zinslasten – und alle Bedingungen erfüllt hat, soll gegebenenfalls über weitere Maßnahmen zur Reduzierung der Gesamtschulden beraten werden.

Schuldenabbau:

Die Eurogruppe hofft, dass Griechenland mit den Maßnahmen bis 2016 seine Schuldenlast auf 175 Prozent der Wirtschaftsleistung drücken kann – nach voraussichtlich fast 190 Prozent im Jahr 2014.

Bis zum Jahr 2020 soll die Schuldenquote auf 124 Prozent reduziert werden, 2022 auf weniger als 110 Prozent. (dpa)

Wie die Euro-Krisenländer wirtschaftlich dastehen

Die Krisenstaaten der Euro-Zone haben noch einen langen Weg vor sich, bis die Wirtschaft stabilisiert und die Staatsdefizit spürbar gesunken sind. Das ist das Fazit der Herbstprognose der EU-Kommission vom Mittwoch.

Es folgt ein Überblick über die Vorhersagen für Spanien, Italien, Portugal, Griechenland, Irland und Zypern:

Spanien: Erst 2014 wird das Land nach Prognose der EU-Kommission die Rezession beenden. Grund dafür ist vor allem die schwächelnde Binnenwirtschaft, die unter hoher Arbeitslosigkeit, Steuererhöhungen und der Immobilienkrise leidet.

Übernächstes Jahr soll es ein Wachstum von 0,8 Prozent geben. In diesem und im kommenden Jahr dürfte die Wirtschaftsleistung dagegen um jeweils 1,4 Prozent schrumpfen, was die Arbeitslosenquote auf den Rekordwert von 26,6 Prozent treibt.

Spanien wird auch wegen der schwachen Wirtschaft noch mindestens zwei Jahre lang mit einem hohen Haushaltsdefizit kämpfen.

Das Defizit der viertgrößten Volkswirtschaft der Euro-Zone wird 2014 bei 6,4 Prozent erwartet. Das wäre mehr als 2013 mit 6,0 Prozent, aber weniger als in diesem Jahr mit 8,0 Prozent.

Italien: Besser als Spanien, aber nicht unbedingt gut steht Italien da. Die drittgrößte Volkswirtschaft der Währungsunion dürfte im kommenden Jahr nur noch um 0,5 Prozent schrumpfen, nach einem Minus von 2,3 Prozent in diesem Jahr.

2014 soll das Land zu Wachstum zurückkehren. Es dürfte aber mit 0,8 Prozent bescheiden ausfallen. Die EU-Kommission ist damit pessimistischer als die Regierung in Rom, die ein Plus von 1,1 Prozent erwartet.

Italien wird der Prognose zufolge das Defizitziel kontinuierlich einhalten: Das Minus erreicht demnach in den kommenden beiden Jahren jeweils 2,1 Prozent des BIP nach 2,9 Prozent in diesem Jahr. Erlaubt sind nach den EU-Verträgen maximal drei Prozent.

Portugal: Trotz besserer Wettbewerbsfähigkeit durch sinkende Löhne wird es auch in Portugal noch bis 2014 dauern, bis die Wirtschaft ihre Schrumpfkur beendet.

Dann soll das Bruttoinlandsprodukt um 0,8 Prozent wachsen, nachdem es 2013 um 1,0 und in diesem Jahr sogar um 3,0 Prozent nach unten gehen soll.

Bis 2014 werde sich das Staatsdefizit auf 2,5 Prozent halbieren und damit wieder kompatibel mit den EU-Verträgen sein. Der Schuldenberg dürfte bis dahin aber auf 123,5 Prozent der Wirtschaftsleistungen wachsen.

Griechenland: Auch Griechenland wird erst 2014 wieder ein Wachstum zugetraut, das mit 0,6 Prozent zudem sehr gering ausfallen soll. Im kommenden Jahr dürfte die Wirtschaftsleistungen dagegen das fünfte Jahr in Folge einbrechen, und zwar um 4,2 Prozent.

Die Arbeitslosenquote dürfte 2013 auf den Rekordwert von 24,0 Prozent steigen und danach etwas sinken. Das Staatsdefizit wird in den kommenden beiden Jahren kontinuierlich kleiner, bleibt aber mit erwarteten 4,6 Prozent sehr groß.

Der Schuldenberg wächst dagegen unaufhörlich: 2014 soll er fast das Doppelte der jährlichen Wirtschaftsleistung ausmachen.

Irland: Von allen Krisenstaaten macht Irland die größten Fortschritte, vor allem, weil Waren und Dienstleistungen weltweit wieder gefragt sind. Der 2011 begonnene Wachstumskurs soll bis 2014 anhalten.

Das Bruttoinlandsprodukt dürfte dann um 2,2 Prozent zulegen, die Arbeitslosenquote bis dahin auf 14,2 Prozent fallen. Nicht ganz so gut steht es um die Staatsfinanzen.

Zwar soll das Defizit kontinuierlich zurückgehen, aber selbst 2014 mit 5,0 Prozent noch klar über der Grenze von drei Prozent verharren. Der Schuldenberg immerhin dürfte dann aber erstmals wieder schrumpfen – auf 119,2 Prozent der Wirtschaftsleistung.

Zypern: Als einziges Euro-Land soll die Mittelmeerinsel in den beiden kommenden Jahren in der Rezession verharren. In diesem Jahr soll das Bruttoinlandsprodukt um 2,3 Prozent fallen, im kommenden um 1,7 und 2014 um 0,7 Prozent.

Das Staatsdefizit dürfte sich kontinuierlich erhöhen und 2014 mit sechs Prozent doppelt so hoch ausfallen wie erlaubt.

Der Schuldenberg wird nach diesen Prognosen die Marke von 100 Prozent der Wirtschaftsleistung übertreffen. Auch die Arbeitslosenquote wird wegen der Wirtschaftsmisere bis 2014 auf 13,9 Prozent steigen. (rtr)

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