30.11.12

Porsche

Porsche produziert auch weiterhin in Deutschland

Porsche verkauft gut in Übersee – doch die Fertigung erfolgt in Deutschland. Das wissen auch ausländische Käufer zu schätzen

Von Daniel Schnettler
Foto: dpa
Porsche-Logo
Die größten Absatzmärkte im Ausland sind für Porsche die USA und China

Atlanta. Porsche-Chef Matthias Müller erteilt einer Fertigung im Ausland derzeit eine Absage. "Wir sind ein deutsches Unternehmen – und für uns hat es schon einen Wert sagen zu können, das Auto wurde entwickelt und produziert in Deutschland", sagte Müller. "Nicht nur für uns hat es einen Wert, sondern auch für unsere Kunden." Das gelte in besonderem Maße für die Käufer im Ausland.

Der größte Markt der Schwaben sind die USA, doch China holt auf. "Das ist auch kein Wunder, weil wir dort die Zahl unserer Porsche-Zentren stetig erhöhen", erläuterte Müller. "Im Moment sind es 40, in zwei Jahren werden es etwa 80 sein." Wann genau Porsche in China mehr Wagen verkaufen wird als in den USA, ist laut Müller nur eine Frage der Zeit. "In zwei, drei, spätestens vier Jahren wird es soweit sein."

Allerdings investiert Porsche auch kräftig in den USA. Erst zu Wochenbeginn war Spatenstich für das neue US-Hauptquartier samt Teststrecke direkt am geschäftigen internationalen Flughafen von Atlanta. Parallel entsteht nahe Los Angeles ein Kundenzentrum ebenfalls mit angeschlossener Teststrecke.

Alleine die Anlage in Atlanta soll pro Jahr 20.000 Kunden anlocken. Beide Projekte zusammen lässt sich der Autobauer rund 100 Millionen Dollar kosten (77 Mio Euro). Die Investition lohnt sich, versichert Müller. Bei einer Produktion sähe das anders aus: "Das ist ein ganz einfaches Rechenmodell. Ab 100.000 Einheiten kann man mal darüber nachdenken." In den USA strebt Porsche in diesem Jahr gut 35.000 verkaufte Autos an, in China 32.000. "Von daher gibt es diese Überlegungen nicht."

Das klang vor einem guten Jahr noch etwas anders, als Müller laut über eine Produktion in den zwei Ländern nachdachte, wenngleich nicht unbedingt in einem eigenen Werk, wohl aber als Untermieter etwa in einer Fabrik der Konzernmutter Volkswagen. Derzeit hält er eine Auslandsfertigung nur dann für überlegenswert, wenn der Import von Autos in wichtige Länder deutlich erschwert würde, beispielsweise durch hohe Zölle. "In China muss man abwarten, wie sich die neue Regierung aufstellt mit entsprechenden Gesetzgebungen, dann werden wir sehen", sagte Müller.

Porsche hat eigene Standorte in Stuttgart-Zuffenhausen und Leipzig und produziert das Modell Boxster/Cayman unter VW-Dach in Osnabrück. Früher wurde der Boxster allerdings auch in Finnland gefertigt. Den Leipziger Standort baute Porsche gerade kräftig aus, um dort den neuen, kleineren Geländewagen Macan fertigen zu können. Müller geht von einem durchschlagenden Verkaufserfolg aus: "50.000 Stück pro Jahr sollten es schon werden, das ist eine untere Grenze. Nach oben sind wir offen und freuen uns über jeden neuen Kunden."

Für Porsche ist das eine gewaltige Menge. Zum Vergleich: In den ersten zehn Monaten dieses Jahres lieferte der Hersteller weltweit 116.000 Autos aus und damit schon fast so viele wie im gesamten Vorjahr. Bis 2018 sollen die Verkäufe auf 200.000 Stück jährlich steigen. An diesem Ziel hält Müller trotz aller wirtschaftlichen Unsicherheiten auf der Welt fest. "Wenn es dann .loß 195 000 sind, sind wir auch nicht traurig."

Der schwierige Weg von Porsche und VW
Es war ein langer, schmutziger und harter Kampf: Porsche wollte VW einst übernehmen, verhob sich daran und blickt nun als Folge der verlorenen Schlacht auf eine Flutwelle an Klagen. Wichtige Daten:
25. September 2005: Porsche gibt Pläne für einen Einstieg bei VW bekannt. Die Schwaben sichern sich zunächst 20 Prozent der VW-Stammaktien.
26. Juni 2007: Der Sportwagenhersteller bündelt die Porsche AG und die damals knapp 31 Prozent der VW-Stammaktien in der Europäischen Aktiengesellschaft Porsche Automobil Holding SE.
26. Oktober 2008: Porsche-Chef Wendelin Wiedeking verkündet, den Anteil an VW nicht nur auf 50 Prozent, sondern sogar auf 75 Prozent der Stammaktien ausbauen zu wollen. Gleichzeitig gibt er bekannt, dass Porsche seinen Anteil auf 42,6 Prozent aufgestockt hat und zusätzlich 31,5 Prozent in Form von Optionen zur Kurssicherung hält. Die Nachricht löst einen Kursanstieg der VW-Aktie bis auf über 1000 Euro aus. Leerverkäufer haben sich mit geliehenen Aktien verspekuliert.
05. Januar 2009: Porsche sichert sich die Mehrheit an Volkswagen. Die Beteiligung ist auf 50,76 Prozent der Stammaktien gestiegen.
06. Mai 2009: Porsche begräbt seine waghalsigen Pläne zur Übernahme von VW. Die beiden Autobauer sollen nun einen integrierten Autokonzern bilden.
23. Juli 2009: Volkswagen triumphiert endgültig über Porsche. Porsche-Chef Wiedeking und Finanzvorstand Holger Härter müssen gehen. Porsche soll unter das VW-Dach schlüpfen. Das Hauptproblem: Die Stuttgarter haben bei dem waghalsigen Versuch, den viel größeren VW-Konzern zu übernehmen, 11,4 Milliarden Euro Schulden angehäuft.
13. August 2009: VW und Porsche ebnen den Weg für ein neues Autoimperium. Die Aufsichtsräte beider Unternehmen stimmen einer Vereinbarung zu, die das Zusammengehen regelt. Die Wunschlösung ist eine Verschmelzung der Porsche SE mit der VW AG 2011.
20. August 2009: Es wird bekannt, dass Wiedeking nach dem Übernahmedrama ins Visier der Staatsanwaltschaft geraten ist. Auch gegen Ex-Finanzchef Holger Härter wird ermittelt.
7. Dezember 2009: Volkswagen übernimmt knapp die Hälfte des Porsche-Sportwagengeschäfts. Die Wolfsburger beteiligen sich mit 49,9 Prozent an der Porsche AG und zahlen dafür 3,9 Milliarden Euro.
Ende Januar 2010: Die Übernahmeschlacht um Volkswagen holt Porsche in den USA ein. Eine Gruppe von US-Investmentfonds verklagt die Porsche SE und deren ehemalige Vorstände wegen undurchsichtiger Aktiengeschäfte auf Schadenersatz in Milliardenhöhe. Später kommen weitere Klagen hinzu. Der Ausgang ist offen.
8. September 2011: Die beiden Autobauer verkünden, dass eine Fusion 2011 nicht mehr gelingt. Plan B könnte dagegen verwirklicht werden. Demnach kann VW frühestens ab 15. November 2012 das Porsche-Sportwagengeschäft komplett übernehmen. Beide Unternehmen kündigen aber an, weitere Möglichkeiten zu prüfen.
29. September 2012: Das Oberlandesgericht Stuttgart entscheidet, dass VW-Patriarch Piëch seine Pflichten als Aufsichtsrat der Porsche SE verletzt hat. Im Mai 2009 habe er sinngemäß gesagt, er habe sich keine Klarheit über die Risiken der Optionsgeschäfte von Porsche verschaffen können und wisse nicht, wie hoch die Risiken seien. Das Gericht erklärte die Entlastung des gesamten Aufsichtsrates für das Geschäftsjahr 2008/09 für nichtig.
6. März 2012: Die Staatsanwaltschaft Stuttgart erhebt wegen Kreditbetrugs Anklage gegen drei Manager aus dem Finanzbereich der Porsche SE. Eine richtet sich gegen Ex-Finanzchef Härter.
27. Juni 2012: Vor dem Braunschweiger Landgericht werden die ersten zwei von fünf Investorenklagen verhandelt. Dabei geht es um die Folgen der Übernahmeschlacht zwischen den beiden Unternehmen – nach Darstellung der Kläger verheimlichte die damalige Porsche-Spitze ihre später gescheiterte Absicht, VW zu schlucken. Dadurch sollen den Anlegern beträchtliche Gewinne entgangen sein. (dpa)
Porsche-Muttergesellschaft Porsche SE
Porsche-Muttergesellschaft Porsche SE
Die Porsche-Muttergesellschaft Porsche SE (PSE) hortet zwei Schätze unter ihrem Dach.
Erstens halten die Schwaben gut 50 Prozent der Volkswagen-Stammaktien, also der stimmberechtigten Anteilsscheine des Wolfsburger Konzerns.
Zweitens gehört der PSE gut die Hälfte am Porsche-Sportwagengeschäft.
Diese Konstellation ist das Ergebnis eines Burgfriedens, den die Stuttgarter und die Wolfsburger nach einer Übernahmeschlacht vor rund drei Jahren schlossen.
Die PSE hatte sich beim Versuch, mit riskanten Finanzgeschäften die Macht bei VW an sich zu reißen, derart verschuldet, dass am Ende ausgerechnet VW die letzte Rettung war.
In einem ersten Schritt der Hilfe kauften die Wolfsburger 2009 knapp die Hälfte am reinen Sportwagengeschäft aus der Porsche AG.
Es flossen knapp 4 Milliarden Euro in den Süden, die den gut 11 Milliarden Euro großen Schuldenberg der PSE ein Stück weit abtrugen.
So schnell wie möglich soll nun die zweite Hälfte der Porsche AG auch an VW gehen. Unter dem Dach der PSE blieben dann die VW-Anteile.
Doch das ist ihren Besitzern – allen voran die Familien Porsche und Piëch, gefolgt vom Emirat Katar – offenbar zu wenig. Im Juni 2012 beschloss die Hauptversammlung eine Satzungsänderung.
Kern der neuen Basis für die PSE: Sie kann künftig beispielsweise auch mit Rohstoffen handeln, Wind- oder Solarenergie erzeugen und damit handeln oder im großen Stil ins Immobiliengeschäft einsteigen.
Die Mittel dafür kämen auch aus dem Dividendenanspruch der VW-Aktien. Automobilexperten vermuten, dass die PSE strategische Positionen in der Welt der Autobauer besetzen soll und VW als Kunden einbindet. (dpa)
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