27.11.12

Wirtschaftsausblick

OECD: Deutsche Wirtschaft wächst nur schwach

Die Euro-Krise bleibt nach Einschätzung der internationalen Wirtschaftsorganisation die größte Gefahr für die globale Konjunktur.

Foto: dapd
Containerterminal Altenwerder in Hamburg
OECD-Wirtschaftsausblick: Maue Wirtschaftsaussichten und steigende Arbeitslosenzahlen – Euro-Länder kommen nur langsam aus der Krise

Paris. Die Finanz- und Schuldenkrise im Euroraum wird auch im kommenden Jahr die größte Bedrohung für die deutsche Wirtschaft bleiben. Deshalb hat die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat ihre Wachstumsprognose für die deutsche Wirtschaft drastisch nach unten korrigiert.

Vor dem Hintergrund der Euro-Kirse sei 2013 nur mit einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 0,6 Prozent zu rechnen, teilte die OECD am Dienstag in Paris mit.

"Falls die Spannungen an den Märkten für Staatsanleihen im Euroraum stark bleiben, werden sich die deutschen Exporte möglicherweise nicht in dem projizierten Ausmaß erholen." Dann könnte sich auch die Bilanzlage der inländischen Banken verschlechtern, "was restriktivere Finanzierungsbedingungen zur Folge hätte."

Sollte sich die Staatsschuldenkrise nicht verschlimmern, erwarten die OECD-Ökonomen im kommenden Jahr einen Anstieg des deutschen Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 0,6 Prozent. Im Ausblick aus dem Monat Mai hatte die Prognose noch bei 2,0 Prozent gelegen. Die Bundesregierung rechnet aktuell mit einem Plus von 1,0 Prozent.

"Die Wirtschaftstätigkeit verlangsamt sich unter dem Einfluss der sich abschwächenden Exportmärkte", kommentiert die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Besonders flau sei zuletzt die Nachfrage nach Investitionsgütern gewesen, auf die das deutsche Verarbeitende Gewerbe spezialisiert sei.

Als negative Begleiterscheinung rechnet die OECD damit, dass sich das Beschäftigungswachstum verlangsamt. Die Arbeitslosenquote in Deutschland dürfte nach OECD-Prognose im kommenden Jahr um 0,2 Prozentpunkte steigen und 5,5 Prozent erreichen.

Erst 2014 rechnet die Organisation wieder mit einem kräftigeren Wirtschaftswachstum um 1,9 Prozent – zumindest, wenn es der Eurozone gelingt, die Schuldenkrise in den Griff zu bekommen. Für das laufende Jahr wurde die Konjunkturprognose leicht nach unten korrigiert. Sie liegt nun bei einem Plus von 0,9 und nicht mehr von 1,2 Prozent.

Deutschland steht mit diesen Aussichten dennoch deutlich besser da als der Euro-Raum im Schnitt. Für die Länder mit der Gemeinschaftswährung rechnen die OECD-Ökonomen im kommenden Jahr mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung um 0,1 Prozent, 2014 dann mit einem Wachstum um 1,3 Prozent. Für das laufende Jahr wird ein Minus von 0,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr erwartet.

Die US-Wirtschaft expandiert zwar, jedoch weniger stark als im früheren Jahresverlauf erwartet. Die USA können 2013 mit einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts um 2,2 rechnen, im Jahr 2014 mit 2,8 Prozent. In der OECD sind derzeit 34 Länder zusammengeschlossen, die sich zu Demokratie und Marktwirtschaft bekennen. Neben den meisten EU-Staaten sowie den USA und Japan sind beispielsweise die Türkei oder Mexiko Mitglied.

Im Kampf gegen die Krise fordert die OECD von den Staats- und Regierungschefs ein anhaltend starkes Engagement. "Das größte Risiko besteht in unzureichenden Fortschritten der politisch Verantwortlichen bei der Bewältigung der Krise", mahnten die Experten. Sie forderten aber auch einen deutlichen Beitrag der Geldpolitik: "Zur Stützung der Nachfrage sollte die Europäische Zentralbank die Leitzinsen weiter senken." Zudem sollten die Währungshüter ihren konjunkturstützenden Kurs noch für lange Zeit fortsetzen. Sollte sich die Lage verschlechtern, müssten die Zentralbanker auf weitere unkonventionelle Schritte zurückgreifen.

Die OECD plädiert ferner für eine Stärkung des Finanzsystems. "Durch eine verbesserte Bilanzlage der Banken und eine vollständige Bankenunion könnte die negative Rückkopplung zwischen öffentlichen Finanzen und Bankensystem verringert werden." Zudem sollten "gefährdete Volkswirtschaften" notfalls das Staatsanleihenkaufprogramm (OMT) der EZB in Anspruch nehmen.

Deutsche Wirtschaft: Daten und Fakten

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in den 17 Ländern der Währungsunion ging laut europäischem Statistikamt Eurostat im dritten Quartal um 0,1 Prozent gegenüber dem Vorquartal zurück.

Auch im zweiten Quartal gab es bereits einen Rückgang. Zwei Quartale Minuswachstum in Folge ist die gängige Definition einer Rezession.

 In Deutschland legte die Wirtschaftsleistung im dritten Quartal auf Jahressicht zwar leicht um 0,2 Prozent zu. Allerdings bedeutete das eine deutliche Verlangsamung gegenüber dem ersten Halbjahr.

Im September musste die Automobilindustrie mit einem Minus bei den Erlösen von 7,4 Prozent die höchsten Einbußen unter den umsatzstarken Wirtschaftszweigen in Deutschland gegenüber August hinnehmen.

Der Maschinenbau konnte laut Statistischem Bundesamt dagegen ein Plus von 0,6 Prozent verbuchen.

Nach Einschätzung des Bundeswirtschaftsministeriums zeichnet sich für das Winterhalbjahr vorübergehend eine schwächere Entwicklung ab, nachdem die ersten drei Quartale noch von einer Aufwärtsentwicklung geprägt waren.

Im Jahresgutachten der fünf Weisen wird prognostiziert, dass die Wirtschaftsleistung im vierten Quartal stagnieren und im neuen Jahr wieder leicht wachsen wird.

Insgesamt soll sich das deutsche BIP in diesem und im kommenden Jahr jeweils real um 0,8 Prozent erhöhen. (dapd)

dpa/rtr/ha
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