21.11.12

Umfrage

Experten rechnen mit steigender Arbeitslosigkeit

Die Lage auf dem Jobmarkt trübt sich konjunkturbedingt weiter ein. Im November werden mehr Menschen ohne Arbeit sein als im Vorjahr.

Foto: dapd
Agentur für Arbeit
Am 29. November gibt die Arbeitsagentur die offiziellen Arbeitslosenzahlen bekannt

Nürnberg. Die Lage am deutschen Arbeitsmarkt hat sich nach Experteneinschätzung im November weiter eingetrübt. Unter dem Eindruck der schwächelnden Konjunktur legten derzeit immer mehr Unternehmer Expansionspläne auf Eis oder zögen sogar einen Jobabbau in Betracht, berichteten Volkswirte deutscher Großbanken am Mittwoch.

Nach Berechnungen der Fachleute stieg daher die Arbeitslosigkeit im November um rund 10.000 auf 2,763 Millionen – dies wären rund 50.000 mehr Jobsucher als vor einem Jahr. Üblich ist im November ein leichter Rückgang der Arbeitslosigkeit. Saisonbereinigt hat die Zahl der Erwerbslosen um rund 15.000 zugenommen. Die offiziellen Arbeitslosenzahlen will die Bundesagentur für Arbeit (BA) am Donnerstag (29. November) bekanntgeben.

"Wir haben seit Monaten einen Trend mäßig steigender Arbeitslosigkeit – bedingt durch die Konjunkturdelle", beschreibt der Allianz-Volkswirt Rolf Schneider die Lage. Zumindest bis zum Frühjahr werde sich dieser Trend fortsetzen. Denn für das vierte Quartal rechnet er mit einem Nullwachstum der Wirtschaft; das werde auch den Arbeitsmarkt belasten.

Auch nach der Prognose von Eckart Tuchtfeld von der Commerzbank werden in den kommenden Monaten "die Unsicherheit über die Staatsschuldenkrise und die schlappe Konjunktur" Schleifspuren auf dem Arbeitsmarkt hinterlassen. "Wir müssen uns weiter auf ungünstige Zahlen einstellen", betonte Tuchtfeld. Vor allem in den ersten drei, vier Monaten 2013 werde die Arbeitslosigkeit wohl über drei Millionen liegen; die Schwelle war in den vergangenen beiden Jahren nur selten überschritten worden.

Für das kommende Jahr zeichnen sich jedoch nach einmütiger Einschätzung der Bankenvertreter deutliche Lichtblicke auf dem Arbeitsmarkt ab. Nach einer eher schwierigen ersten Jahreshälfte rechnet etwa Deutsche Bank-Volkswirt Heiko Peters für die zweite Jahreshälfte mit einer Entspannung. Bis dahin kämen aber auf den Arbeitsmarkt aber noch ein paar schwierige Monate zu.

Ähnlich sieht das auch die Commerzbank: "Das Jahr 2013 wird für den Arbeitsmarkt wohl ungünstig anfangen. Wir gehen aber davon aus, dass die Konjunktur im Frühjahr wieder Tritt fasst und die Verunsicherung über die Staatsschuldenkrise nicht mehr länger anhält", betont Commerzbank-Vertreter Tuchtfeld. Vom Wegfall dieser beiden "Belastungsfaktoren" werde mit einer Verzögerung von ein bis zwei Monaten auch der Arbeitsmarkt profitieren.

Unternehmen melden mehr Kurzarbeit an

Die deutschen Unternehmen spüren die lahmende Konjunktur in Europa zunehmend.

Die Zahl der Beschäftigten, für die konjunkturelles Kurzarbeitergeld angemeldet wurde, war im Oktober mit 44.164 auf dem höchsten Stand seit Dezember 2010, wie eine Sprecherin der Bundesagentur für Arbeit sagte.

Die Behörde halte das aber für noch nicht besorgniserregend: "Für Nichtkrisenzeiten geht man davon aus, dass bis zu 100.000 Personen alles normal ist", sagte die Sprecherin.

Beunruhigt ist hingegen Jörg Hofmann, der Bezirksleiter der IG Metall Baden-Württemberg: "Sorgen muss man sich nach den Erfahrungen von 2008 schon machen".

Er forderte die Bundesregierung auf, einen klaren Rahmen für die Kurzarbeiterregelung zu schaffen.

Zuletzt hatten bekannte Großunternehmen wie Bosch oder Infineon Kurzarbeit angemeldet. Der Chiphersteller, aber auch andere Konzerne wie Daimler oder Siemens haben zudem Sparprogramme aufgelegt. (dapd)

dpa
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