14.11.12

Versicherer

Talanx-Gruppe peilt 2012 Gewinnplus an

Auch dank der Tochter Hannover Rück hat der Konzern neue Gewinnziele im Fokus. Sparprogramm und Hurrikan "Sandy" könnten aber belasten.

Foto: dpa
Talanx
Talanx-Zentrale in Hannover-Lahe. Das Unternehmen ist Deutschlands drittgrößte Versicherungsgruppe. Foto: Holger Hollemann

Hannover. Deutschlands drittgrößter Versicherungskonzern Talanx steuert 2012 dank relativ geringer Großschäden und erfolgreicher Finanzgeschäfte auf ein klares Gewinnplus zu.

Für das Gesamtjahr erwartet der Börsenneuling aus Hannover einen Überschuss von mehr als 600 Millionen Euro – nach 520 Millionen Euro im vorigen Jahr. Wie Vorstandschef Herbert Haas am Mittwoch ankündigte, dürfte das laufende letzte Quartal aber nicht so stabil verlaufen. Grund für die "vorsichtige Planung" ist neben Hurrikan "Sandy" unter anderem der weitere Umbau des deutschen Privat- und Firmenkundengeschäfts.

Nach drei Vierteln des Jahres sieht sich die Konzernspitze jedoch auf Kurs. Von Januar bis September verdiente Talanx unterm Strich 549 Millionen Euro, ein Plus von über zwei Dritteln. Vor allem die Rückversicherungssparte der Tochter Hannover Rück schnitt gut ab.

Er sei mit dem Zwischenergebnis "außerordentlich zufrieden", sagte Haas. 2011 hatten die Tsunami-Katastrophe in Japan und die Erdbeben in Neuseeland die Gruppe, zu der auch HDI und HDI-Gerling gehören, belastet. Analysten hatten nun aber bessere Zahlen erwartet. Der Kurs der Aktie sank zunächst um 5 Prozent, erholte sich dann aber wieder.

"Das Geschäft lief aufgrund des geringeren Großschaden-Anfalls positiv", erklärte Haas. Die kombinierte Schaden-Kosten-Quote als wichtige Messgröße nahm von 102 auf 97,1 Prozent ab. Auch die Kapitalanlagen spülten Geld in die Kasse – obwohl die Zinsen niedrig blieben. Hinzu kam der Sondereffekt einer Steuergutschrift. Seine Brutto-Prämieneinnahmen konnte Talanx seit Jahresbeginn um 11 Prozent auf 19,9 Milliarden Euro erhöhen. "Die polnischen und mexikanischen Einheiten haben dazu beigetragen", berichtete der Vorstandschef.

Weniger optimistisch gab sich Haas mit Blick auf die kommenden Wochen: "Wir rechnen im vierten Quartal mit einem deutlich geringeren Ergebnisbeitrag. Das ist das Wasser, das ich in den Wein gießen muss." Die Kapitalanlagen dürften schwächere Erträge abwerfen, zudem schlage die Umstrukturierung zu Buche. Talanx hatte angekündigt, bis 2015 in der Sparte Privat- und Firmenkunden in Deutschland 730 Jobs zu streichen. Das Segment bleibt das Sorgenkind des Konzerns, das Betriebsergebnis sank um 42 Prozent. "Es ist der Teil, der sich nicht in der Sonne befindet, sondern unter bedecktem Himmel", sagte Haas.

Daneben sind die möglichen Auswirkungen von Hurrikan "Sandy" noch unklar. Sie seien derzeit außerordentlich schwer einzuschätzen, meinte Haas. Falls der Wirbelsturm an der US-Ostküste nicht aus dem geplanten Budget für Großschäden falle oder der Branche mehr als 20 Milliarden Euro an Kosten aufbürde, werde sich an dem angepeilten Jahresergebnis der Talanx-Gruppe jedoch nichts ändern. Im kommenden Jahr will der Konzern dann mindestens 650 Millionen Euro verdienen.

Der mehrfach verschobene Börsengang Anfang Oktober, zu dem sich Talanx im September durchrang, habe die Kapitalbasis des Unternehmens verstärkt. Nach dem Ausgabepreis von 18,30 Euro hatten die Aktien am Dienstag bei bis zu 20,40 Euro gelegen. "Das ist ein guter Verlauf", sagte Haas. Sollte die Gewinnprognose für 2012 erfüllt werden, will Talanx pro Papier 1,05 bis 1,10 Euro an Dividende ausschütten.

Versicherungskonzern Talanx

Die Talanx-Gruppe ist Deutschlands drittgrößter Versicherungskonzern.

Das Unternehmen mit Hauptsitz in Hannover gilt als einer der schärfsten Konkurrenten des Branchenriesen Allianz und der Ergo-Gruppe.

Neben den Marken HDI und HDI-Gerling gehört mit der ertragsstarken Hannover Rück unter anderem die weltweite Nummer drei der Rückversicherer zu den Talanx-Töchtern.

Sie ist bereits selbst an der Börse notiert.

Im Geschäftsjahr 2011 konnte Talanx seinen Gewinn unterm Strich auf insgesamt 520 Millionen Euro mehr als verdoppeln.

Die Beitragseinnahmen legten um 3,6 Prozent auf 23,7 Milliarden Euro zu.

Mit dem Erlös aus seinem mehrfach verschobenen Börsengang will der Versicherungskonzern vor allem die Expansion im Ausland vorantreiben. (dpa)

dpa
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