12.11.12

Japan

Wirtschaft macht schwere Zeiten durch

Sinkender Konsum, weniger Export, Investitionskürzungen: Die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt steht vor einer Rezession.

Von Lars Nicolaysen
Foto: REUTERS
Japanische Konsumentin
Die Japaner geben weniger aus

Tokio. Der weltweite Abschwung und der starke Yen würgen die Erholung der japanischen Wirtschaft ab. "Wir können die Möglichkeit nicht ausschließen, dass die japanische Wirtschaft in eine Rezessionsphase eingetreten ist", erklärte Wirtschaftsminister Seiji Maehara und sprach damit aus, was Ökonomen schon seit geraumer Zeit prophezeien.

Das Bruttoinlandsprodukt der drittgrößten Volkswirtschaft der Welt schrumpfte im dritten Quartal im Vergleich zum Vorquartal um 0,9 Prozent. Das entspricht einer hochgerechneten Jahresrate von minus 3,5 Prozent. Es ist der schärfste Einbruch der wirtschaftlichen Leistung Japans seit dem Quartal nach der Tsunami-Katastrophe vom März 2011.

Viele Volkswirte gehen davon aus, dass Japans Bruttoinlandsprodukt auch im vierten Quartal schrumpfen wird. Nach einer kürzlich veröffentlichten Umfrage des Japan Center for Economic Research unter 40 Ökonomen dürfte sich der Rückgang auf 0,1 Prozent belaufen – bei zwei Quartalen mit schrumpfender Wirtschaftsleistung sprechen Volkswirte von einer Rezession. Im zweiten Quartal war die Wirtschaft noch um revidierte 0,1 Prozent zum Vorquartal gewachsen. Die jüngsten Daten kommen für die Regierung reichlich ungelegen. Noch vor Jahresende, so deutete Ministerpräsident Yoshihiko Noda an, könnte es zu Neuwahlen kommen. Seiner regierenden Demokratischen Partei DPJ droht dabei der Verlust ihrer Macht.

Noda bezeichnete die BIP-Daten denn auch als ernst. Nachdem er kürzlich ein erstes Konjunkturpaket über 400 Milliarden Yen (3,9 Mrd Euro) geschnürt hatte, soll in Kürze ein weiteres folgen. Angesichts eines gigantischen Schuldenberges von mehr als 200 Prozent des Bruttoinlandsprodukts – dem höchsten unter den führenden Industriestaaten – wird der Handlungsspielraum des Staates jedoch zunehmend enger. Umso stärker steht einmal mehr die Zentralbank des Landes unter politischem Druck, die ohnehin schon extrem losen geldpolitischen Zügel noch weiter zu lockern. Der geldpolitische Rat der Bank von Japan beginnt am 19. November eine zweitägige Sitzung.

Wann die Wirtschaft des Landes ihre Erholung fortsetzen kann, hängt nicht zuletzt wesentlich von einem Anspringen des Exportmotors ab. Der hatte zuletzt kräftig gestottert: Im vergangenen Vierteljahr waren die Ausfuhren erstmals seit drei Quartalen drastisch gesunken, und zwar um fünf Prozent im Vergleich zum Vorquartal. Die Unternehmen reagierten vor allem auf die gesunkene Nachfrage aus China und Europa und reduzierten ihre Investitionen in Ausrüstungen und Anlagen um 3,2 Prozent. Die Volkswirte bei Morgan Stanley MUFG Securities weisen jedoch darauf hin, dass die Auswirkungen des heftigen Streits mit China um unbewohnte Inseln darin noch gar nicht voll erfasst sind.

Angesichts der düsteren Lage schnallten die Japaner den Gürtel enger: ihre Konsumausgaben kürzten sie um 0,5 Prozent. Japans Verbraucher, die mit ihren Ausgaben zu rund 60 Prozent zu Japans wirtschaftlicher Leistung beitragen, hatten neben den staatlichen Ausgaben für den Wiederaufbau der Tsunami-Gebiete zuletzt wesentlich zur Stabilisierung der Konjunktur beigetragen. Doch inzwischen ist staatliche Förderung beim Kauf umweltfreundlicher Autos ausgelaufen, was sich prompt auf den Konsum auswirkte. Japans Wirtschaft, so schlussfolgerte die Zentralbank, stehe vor großen Unsicherheiten.

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