08.11.12

Autoindustrie

Autohersteller bekommen Hilfe aus Brüssel

Die EU will die Forschungsgelder verdoppeln -Budget soll bis 2020 be zwei Milliarden Euro liegen. Gezielte Maßnahme sollen folgen.

Foto: AFP
Antonio Tajani
EU-Industriekommissar Antonio Tajani stellte in Brüssel den EU-Aktionsplan vor, der die kriselnde Autoindustrie stützen soll

Brüssel. Eine Verdopplung der Forschungsförderung auf zwei Milliarden Euro, Exporterleichterungen und eine einheitliche Steckdose für Elektrowagen: EU-Industriekommissar Antonio Tajani eilt der kriselnden Autobranche mit einem Aktionsplan zur Hilfe, der vor allem die hart getroffenen Massenhersteller wieder wettbewerbsfähig machen soll. Noch Ende November werde er Konzerne, Gewerkschaften und Wirtschaftsminister an einen Tisch bringen, um gezielte Maßnahmen zu erarbeiten, erklärte der Italiener am Donnerstag in Brüssel.

"Jetzt kommt es darauf an, die Vorschläge rasch und entschlossen umzusetzen", machte Matthias Wissman Druck, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA). Doch ist vieles in Tajanis Konzept noch unkonkret. Auch die Aufstockung des Forschungsbudgets auf zwei Milliarden Euro bis zum Jahr 2020 wird es ohne Zustimmung der Mitgliedsländer nicht geben.

Der deutsche Industriekommissar Günther Oettinger stellte sich hinter Tajani. "Das findet meine volle Unterstützung", sagte er dem ZDF. Wenn man sich anschaue, wie den Herstellern in China oder den USA geholfen werde, "da müssen wir etwas tun". Er fordert aus Brüssel mitfinanzierte Forschungspatenschaften für Hersteller, Zulieferer und Entwickler.

Ein Schub für Zukunftstechnologien gehört zu den Kernanliegen Tajanis, dem Elektroauto will er mit einem Standard für Ladestationen zur Marktreife verhelfen. "Spätestens in der ersten Jahreshälfte 2013 werden wir eine Norm für die Infrastruktur für Ladestationen festlegen, um die Entwicklung des Marktes für Elektrofahrzeuge zu fördern".

Die Lage – vor allem außerhalb Deutschlands – ist dramatisch. Der Verband der europäischen Autohersteller ACEA geht davon aus, dass die Welle der Werksschließungen weitergeht. Obwohl allein in den vergangenen Monaten das Ende für vier Fabriken angekündigt wurde, hält der Industrieverband es für "sehr wahrscheinlich, dass es in den nächsten Monaten weitere solcher Ankündigungen geben wird".

Ford hatte zuletzt die Schließung von drei Fabriken in Großbritannien und Belgien angekündigt, PSA Peugeot Citroën will ein Werk bei Paris dichtmachen. Der Verband verwies am Donnerstag in Brüssel auf eine europaweite Überkapazität von 25 bis 30 Prozent. Einige Hersteller hätten sogar 40 bis 50 Prozent zu viel Kapazität. Der ACEA erinnerte an den Einbruch der Nachfrage von 15,5 Millionen auf 12,0 Millionen Autos pro Jahr in Europa. Der Absatz werde sich in der "nahen bis mittleren Zukunft nicht erholen", so der ACEA. Zu seinen Forderungen gehört, Freihandelsabkommen mit Drittstaaten auf Eis zu legen, um die europäische Fahrzeugindustrie in Krisenzeiten nicht unnötig zu schwächen.

"Wir müssen die Abwanderung der Autoindustrie aus Europa verhindern", erklärte Tajani. "Jede Fabrikschließung schmerzt mich wie eine Wunde." Die Grünen im Europaparlament kritisierten seinen Aktionsplan aber als unzureichend. "Bedauernswert ist, dass weder das CO2-Labelling für Autos noch eine Strategie zur Senkung der CO2-Emissionen für Lastkraftwagen erwähnt werden", sagte Vize-Fraktionschef Reinhard Bütikofer.

Für die deutschen Beschäftigten ist die Lage noch eher glimpflich: Laut einer am Donnerstag vorgestellten Studie der Unternehmensberatung PwC stehen die deutschen Autowerke im europäischen Vergleich mit einer durchschnittlichen Auslastung von 85 Prozent noch gut da. Um die Überkapazitäten zu reduzieren, seien "strukturelle Anpassungen und Werksschließungen wohl dennoch unausweichlich", erklärte PwC-Autoexperte Felix Kuhnert.

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