08.11.12

Telekommunikation

Telekom nimmt Milliardenverlust gelassen

Die Fusionspläne der US-Tochter bescheren der Deutschen Telekom Milliardenverluste. Für Konzernchef Obermann aber kein Grund zur Sorge.

Von Peter Lessmann
Foto: dpa
René Obermann
Telekom-Chef René Obermann sieht die Fusion der US-Tochter T-Mobile mit MetroPCS trotz der Milliardenverluste als Schritt in die richtige Richtung

Bonn. Es ist ein satter Milliardenverlust, den die Telekom im dritten Quartal eingefahren hat – und die Belastungen werden den rosa Riesen auch im gesamten Geschäftsjahr unter dem Strich schlecht aussehen lassen.

Auf den ersten Blick ist der Fehlbetrag von fast 7 Milliarden Euro im dritten Quartal ein tiefer Absturz in die Verlustzone. Dabei hatte der Konzern im ersten Halbjahr 2012 noch einen Gewinn von mehr als 800 Millionen Euro eingefahren.

Einziger Grund: Ein Werthaltigkeitstest im Zusammenhang der Fusion der US-Tochter T-Mobile mit dem kleineren Anbieter MetroPCS. Das schreiben internationale Vorschriften der Rechnungslegung vor. Schon bei der Ankündigung der Fusion Anfang Oktober hatte die Telekom mitgeteilt, dass die Transaktion Abschreibungen in einem Volumen von 7 bis 8 Milliarden Euro nach sich ziehen werde mit entsprechenden Auswirkungen auf das Konzernergebnis nach Steuern.

Als einmaliger und nicht zahlungswirksamer Effekt schmälern die Wertberichtigungen zwar die Vermögenswerte in der Bilanz und drücken auf den Konzerngewinn. "Aber ohne dass nur ein Euro aus der Konzernkasse fließt", betont Telekom-Chef René Obermann. Die buchhalterischen Auswirkungen seien nicht schön. Aber: "Wir schaffen durch die Vereinbarung mit MetroPCS ein größeres und schlagkräftigeres Unternehmen in den USA." Und das verspreche mittel- bis langfristig deutliche reale Wertsteigerungen.

So müssen auch die T-Aktionäre nicht zittern. Frühere Aussagen, eine feste Dividende für 2012 von mindestens 0,70 Euro je Aktie auszuschütten, bekräftigte das Unternehmen erneut. Medienberichte, dass die Dividende danach gekürzt werden könnte, verweist ein Sprecher ins Reich der Spekulationen. Es gebe dazu keine Beschlüsse. Möglich, dass Obermann bei der Bilanzvorlage im kommenden Jahr zum Dividendenthema konkretere Angaben machen wird.

Mit schweren Bilanzkratzern hatte sich die Telekom in der Vergangenheit schon öfters rumschlagen müssen; einmal waren es milliardenschwere Wertberichtigungen auf Immobilien, dann Abschreibungen auf UMTS-Lizenzen und den seinerzeit völlig überteuerten Zukauf des US-Mobilfunkbetreibers Voicestream, der heute T-Mobile heißt. Das Unternehmen war zunächst mit rasanten Zuwächsen eine wahre Perle im Portfolio der Telekom, doch dann verloren die Bonnern in den USA den Anschluss. Vor allem das fehlende Kulthandy iPhone machte T-Mobile das Leben schwer.

Als Obermann glaubte, mit dem Verkauf des Unternehmens an AT&T zum Preis von 39 Milliarden US-Dollar endlich seinen Problemfall los zu sein, machten ihm die Aufsichtsbehörden einen Strich durch die Rechnung. Der Mobilfunker wäre zu groß geworden. Mit MetroPCS stehen die Dinge anders. Und so spricht Obermann von einer konstruktiven Lösung für das US-Geschäft. Und vielleicht können die Bonner mit ihrem neuen Partner auch endlich das iPhone in die Läden bringen. Aber noch ist der Deal nicht in trockenen Tüchern – und es droht eine neue Gefahr.

Der drittgrößte US-Mobilfunkbetreiber Sprint Nextel schickt sich möglicherweise an, den Bonnern bei MetroPCS dazwischen zu funken. Sprint Nextel hat mit der japanischen Softbank einen finanzstarken Mehrheitsaktionär erhalten, der für 20 Milliarden US-Dollar Mitte Oktober rund 70 Prozent des Unternehmens übernahm. Und seitdem kursieren Gerüchte – ein Angebot von Sprint für MetroPCS scheint jedenfalls nicht ausgeschlossen. Und das wäre für Obermann ein GAU.

Telekom: Mit 6,9 Milliarden Euro könnte man ....

Wertberichtigungen bei ihrer angeschlagenen amerikanischen Mobilfunktochter T-Mobile USA haben der Deutschen Telekom im dritten Quartal einen Verlust von 6,9 Milliarden Euro beschert.

Was diese Zahl wirklich bedeutet, ist für einen Normalbürger kaum nachzuvollziehen. Doch einige Rechenbeispiele können helfen, die Dimension zu verdeutlichen:cken.

Um 6,9 Milliarden Euro zu verdienen, müsste ein durchschnittlicher Arbeitnehmer mit einem Bruttoverdienst von rund 3.300 Euro fast 175.000 Jahre lang arbeiten.

Von 6,9 Milliarden Euro könnte man sich mehr als 400.000 neue VW Golf 7 (Listenpreis 16.975 Euro) kaufen, oder mehr als 78.000 Porsche 911 Carrera (Listenpreis 88.037).

Von 6,9 Milliarden Euro könnte man sich aber auch mehr als 10 Millionen nagelneue iPhone 5 (679 Euro) zulegen.

Mit 6,9 Milliarden Euro könnte man mehr als 1.200 Jahre lang die 220 Quadratmeter große "Royal Suite" des Berliner Luxushotels Adlon (15.000 Euro pro Nacht) mieten.

Mit 6,9 Milliarden Euro übertrifft der Verlust den Börsenwert der Deutschen Lufthansa (knapp 5,7 Milliarden Euro).

Und: 6,9 Milliarden Euro würden ausreichen, jedem der knapp 69 Millionen erwachsenen Bundesbürger 100 Euro in die Hand zu drücken. (dpa)

Deutsche Telekom: Bilanz 2011
Deutsche Telekom: Bilanz 2011
Die wichtigsten Kennzahlen der Deutschen Telekom für das Jahr 2011 (in Klammern: Veränderung zum Vorjahr):
Umsatz: 58,7 Milliarden Euro (minus 6 Prozent)
Konzernüberschuss: 557 Millionen Euro (minus 67,1 Prozent)
Mitarbeiterzahl: 235.132 (minus 4,7 Prozent)
Zahl der Festnetzanschlüsse: 34,1 Millionen (minus 5,3 Prozent)
Zahl der Mobilfunkkunden: 129,3 Millionen (plus 0,6 Prozent)
(dapd, Quelle: Deutsche Telekom Geschäftsbericht 2011)
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