10.10.12

Bericht

Ökostrom-Umlage soll 2013 kräftig steigen

Die Ökostrom-Umlage soll 2013 von bisher 3,59 auf 5,3 Cent steigen. Die Differenz wird über die Umlage von den Verbrauchern bezahlt.

Foto: chromorange
Umlage für Ökostrom soll 2013 kräftig steigen
Umlage für Ökostrom soll 2013 kräftig steigen

Berlin. Die Ökostrom-Umlage wird 2013 nach Angaben aus Regierungskreisen auf 5,3 Cent steigen. Offiziell soll die Zahl am kommenden Montag bekanntgegeben werden. Die Umlage steigt von bisher 3,59 Cent, weil immer mehr Strom aus Wind, Wasser und Sonne produziert wird. Der Ökostrom wird den Produzenten zu garantierten Preisen abgenommen, die über den Markttarifen liegen. Die Differenz wird über die Umlage von den Verbrauchern bezahlt.

Wie die "Bild"-Zeitung unter Berufung auf Kreise der Bundesnetzagentur meldet, sei für die Umlage für 2014 sogar ein Plus auf rund 7 Cent geplant. Der Chef der Deutschen Energie-Agentur (Dena), Stephan Kohler, geht davon aus, dass die Ökostrom-Umlage im kommenden Jahr auf 5,3 Cent steigt. Grund ist der anhaltend hohe Neubau von Erneuerbare-Energien-Anlagen.

Bisher sei die stromintensive Industrie von der Umlage ausgenommen, sagte Kohler der "Augsburger Allgemeinen". "Bleibt es bei dem Verteilungsschlüssel, können wir davon ausgehen, dass sich die Umlage von 3,5 Cent pro Kilowattstunde auf einen Betrag zwischen 5,0 und 5,4 Cent erhöht", betonte er. "Wir bei der Dena nehmen dabei eher 5,3 Cent an." Erhöhe sich die Umlage auf 5,3 Cent, bedeute dies eine höhere Belastung für Verbraucher: "Ein Haushalt mit 3.500 Kilowattstunden Jahresverbrauch zahlt dann rund 190 Euro pro Jahr für die Förderung erneuerbarer Energien", sagte Kohler.

Angesichts der Preissteigerungen fordert Kohler eine Reform des EEG-Gesetzes: "Ohne Leitung sollte kein neuer Windpark ans Netz gehen", sagte Kohler. In Norddeutschland müssten bereits heute an windigen Tagen Windkraftbetreiber teils dafür bezahlt werden, dass sie ihren Strom nicht ins Netz einspeisen. Anderenfalls wären die Netze überlastet. "Wir müssen deshalb das EEG-Gesetz reformieren: Kein Ökostrom-Ausbau ohne die Existenz der Leitungen", sagte Kohler.

Nach der Vorstellung einer Stromsparinitiative durch Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) fordern Unionspolitiker weiterhin eine schnellere Entlastung der Bürger durch den Staat. "Sachsen fordert, die Erhöhung der EEG-Umlage durch eine Senkung der Stromsteuer in der selben Höhe auszugleichen", sagte Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) der Zeitung "Die Welt". "Damit würde auf unbürokratische Weise verhindert, dass der Strom immer teurer wird und man müsste sich keine Gedanken um Sozialtarife machen", sagte er.

Ähnlich lautet der Vorschlag der CSU. "Um die Bürger kurzfristig zu entlasten, wäre es denkbar, die Stromsteuer zu senken", sagte Georg Nüßlein, energiepolitischer Sprecher der CSU im Bundestag. Er regte an, politischen Einfluss auf die Festlegung der EEG-Umlage zu nehmen. "Ich denke hier zum Beispiel an den Mechanismus zur Berechnung der Umlage. Wenn eine feste Einspeisevergütung gezahlt wird, die Erneuerbaren Energien aber gleichzeitig eine strompreisdämpfende Wirkung an der Strombörse entfalten, wird die Umlage immer weiter steigen. Hier müssen wir ran." Bisher legen die vier Netzbetreiber die Umlage selbst fest.

Hintergrund: Windenergie in Deutschland

In Deutschland drehen sich bisher rund 22 660 Windräder – die meisten davon in Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Brandenburg.

Die installierte Gesamtleistung liegt bereits bei 30.000 Megawatt, das entspricht der Leistung von mehr als 20 Atomkraftwerken, aber Windstrom ist nicht ständig verfügbar.

Wind steuerte im ersten Halbjahr bereits rund neun Prozent des deutschen Stroms bei.

In Nord- und Ostsee sollen bis zum Jahr 2020 Windparks mit einer Leistung von 10.000 Megawatt entstehen, aber die Pläne hinken mangels Anschlüssen dem Zeitplan stark hinterher. Bisher sind hier erst rund 200 Megawatt an Leistung installiert.

Trotzdem warnt Umweltminister Peter Altmaier (CDU) vor einem zu schnellen und starken Ausbau gerade an Land, da heute schon Netze fehlen und Windparks zwangsweise abgeschaltet werden müssen. Auch nicht produzierter Strom muss über den Strompreis vergütet werden.

Nach Angaben von Altmaier liegen die Länderplanungen 60 Prozent über dem Bedarf. Beim Wind gibt es an Land und auf See bis zum Jahr 2022 Vorhaben für 87 400 Megawatt, die Regierung plant aber nur mit 52 000 bis 55 000 Megawatt – sie hofft mittelfristig auf Speicher für überschüssigen Windstrom, damit die Ausbaukosten nicht aus dem Ruder laufen.

dapd/rtr
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