29.09.12

Eurokrise

Griechenland kann mit weiteren Geldern aus Europa rechnen

Athen soll offenbar eine nächste Hilfstranche mit 31 Milliarden Euro bekommen. Brüssel bereite die Auszahlung vor.

Foto: DAPD
Eine Flagge der EU und von Griechenland hängen in Athen. Griechenland kann Berichten zufolge offenbar auf weitere Gelder aus Europa hoffen
Eine Flagge der EU und von Griechenland hängen in Athen. Griechenland kann Berichten zufolge offenbar auf weitere Gelder aus Europa hoffen

Düsseldorf/München. Griechenland kann Berichten zufolge offenbar auf weitere Gelder aus Europa hoffen. So werde Athen trotz neuer Milliardenlöcher und Mängel bei der Umsetzung der Reformen die nächste Hilfstranche von 31 Milliarden Euro erhalten, berichtete die "Wirtschaftswoche" vorab. In Brüssel liefen bereits die Vorbereitungen für die Auszahlung.

Zugleich meldete der "Focus" unter Berufung auf Kreise des EU-Parlaments, dass sowohl Brüssel als auch die Bundesregierung Griechenland unbedingt in der Euro-Zone halten wollten.

"Die Griechen werden eine Liste von Reformen erhalten, die zu einem bestimmten Datum vom Parlament abgesegnet werden müssen", zitierte die "Wirtschaftswoche" aus Kreisen der Eurogruppe. "Das Geld wird freigegeben, sobald die Abgeordneten zugestimmt haben." Unklarheit herrscht dagegen offenbar darüber, wann und mit welchem Ergebnis der nächste Prüfbericht der Troika aus Europäischer Zentralbank, Internationalem Währungsfonds und EU vorliegen wird. So wird der Report laut "Wirtschaftswoche" die Auflagen nicht als komplett erfüllt sehen. Der "Focus" berichtet dagegen, der Troika-Bericht werde so ausfallen, dass die Politik das Geld freigeben könne.

Abseits der Bankenkrise: Spanien hat viele Baustellen
Abseits der Bankenkrise: Spanien hat viele Baustellen
Spaniens Kampf gegen die Schuldenkrise spielt auf vielen Baustellen: Immobilienblase und Bankenkrise, Staatsverschuldung und Arbeitslosigkeit belasten die viertgrößte Volkswirtschaft der Eurozone. Die Sparpläne zeigen wenig Wirkung, nun soll Madrid von der EU Hilfen von bis zu 100 Milliarden Euro für die Sanierung des kriselnden Bankensektors bekommen. Die wichtigsten Probleme:
Arbeitsmarkt:
Die Arbeitslosenquote beträgt laut Statistikbehörde 24,4 Prozent und befindet sich auf den höchsten Stand seit 18 Jahren. Insgesamt sind in Spanien 5,6 Millionen Menschen arbeitslos. Vor allem die Jugendarbeitslosigkeit ist ein Riesenproblem.
Die europäische Statistikbehörde Eurostat berichtete unlängst, die Quote der Jugendarbeitslosigkeit sei in Spanien mit einem Wert von 50,5 Prozent am höchsten. Zum Vergleich: Mit 8,2 Prozent hatte Deutschland die niedrigste Quote.
Immobilienmarkt:
In der Vor-Krisenzeit lockte die Kombination aus hohem Wirtschaftswachstum und niedrigem Zinsniveau die Spanier an den Immobilienmarkt. Viele legten sich eine zweite, dritte oder gar vierte Wohnung zu. Doch der Boom war größtenteils auf Pump finanziert.
Nachdem auch internationale Anleger wie Pensions- und Investmentfonds in großem Stil einstiegen, wurden Immobilien rasch zu Spekulationsobjekten. Die Finanzkrise 2008 bereitete dem ein jähes Ende: Die spanischen Banken – anfangs noch gelobt wegen ihrer Zurückhaltung bei Schrottpapieren – gerieten in den Krisenstrudel und wurden Opfer der lockeren Kreditvergabe.
Bankenkrise:
Die Lage am Immobilienmarkt schlägt voll auf den Bankensektor durch: Die Großbanken Santander und BBVA (Banco Bilbao Vizcaya Argentaria) verzeichneten wegen der Vorsorge für faule Immobilienkredite Gewinnrückgänge.
Spaniens Regierung hatte höhere Rücklagen der Banken angesichts der kriselnden Wirtschaft verlangt. Anderen Geldhäusern erging es noch schlechter: Die Großbank Bankia will vom Staat mehr als 23 Milliarden Euro für ihre Sanierung.
Haushaltslage:
In der Eurozone war Spanien 2011 mit einem Fehlbetrag von 8,9 Prozent der drittgrößte Haushaltssünder. Das Haushaltsloch war zwar kleiner als 2010 (9,3 Prozent), aber deutlich höher als angestrebt. Die spanische Wirtschaft stürzte zudem zu Jahresbeginn in die Rezession.
Mit drastischen Sparmaßnahmen und weitreichenden Reformen versucht die Regierung des konservativen Regierungschefs Mariano Rajoy gegenzusteuern. Ursprünglich sollte das Defizit schon 2013 wieder unter die erlaubten 3 Prozent der Wirtschaftsleistung sinken, nun soll Spanien dafür ein Jahr länger Zeit bekommen. (dpa)
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