17.01.13

Tschechien

Prozess um Baby-Entführung: Angeklagte legt Geständnis ab

Das Lügenkonstrukt bricht in sich zusammen: Eine Frau denkt sich eine Entführung aus, um ihrem Freund eine Fehlgeburt zu verschweigen.

Von Christian Schultz
Foto: dapd
Prozess gegen Ehepaar wegen Entfuehrung von tschechischem Baby
Die wegen Entziehung Minderjähriger angeklagten Uwe R. (3.v.re.) und Melanie-Christin B. (re.) stehen im Sitzungssaal des Landgerichts in Koblenz zu Beginn des Prozesses neben ihren Verteidigern

Koblenz. Umfassendes Geständnis im Michala-Prozess: Die 48-jährige Angeklagte hat zugegeben, ihrem Lebensgefährten die Geburt eigener Kinder vorgespielt und so die Entführung eines Babys in Tschechien ausgelöst zu haben. Sie sei zwar von ihrem mitangeklagten 51-jährigen Freund schwanger gewesen, habe ihm aber eine spätere Fehlgeburt verschwiegen, ließ sie am Donnerstag vor dem Landgericht Koblenz über ihre Verteidigerin mitteilen. Nach einer vorgetäuschten Geburt gemeinsamer Drillinge im tschechischen Ústí nad Labem habe sie behauptet, die eigenen Kinder seien entführt worden.

In dem Verfahren geht es um die Entführung der damals wenige Wochen alten Michala am 4. Juli 2012 in Ústí nad Labem. Der 51 Jahre alte Mitangeklagte soll das Baby vor den Augen der tschechischen Mutter aus dem Kinderwagen gerissen und es gemeinsam mit der 48-Jährigen nach Deutschland gebracht haben. Am 9. Juli des vergangenen Jahres war Michala dann wohlbehalten in der Wohnung der Mutter der Angeklagten in Neuwied gefunden worden.

Das Paar wurde festgenommen und sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen Kindesentführung vor. Beiden droht eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren. In dem Prozess sind noch zwei weitere Verhandlungstage bis Ende Januar angesetzt.

Am Donnerstag nun las die Verteidigerin der 48-Jährigen eine ausführliche Stellungnahme vor: Ihre Mandantin habe ein Kind von dem 51-Jährigen erwartet, ihm aber "wider besseres Wissen" gesagt, dass sie Drillinge erwarte. Dafür gebe es keine Erklärung. Die Fehlgeburt habe sie für sich behalten und wochenlang Lappen und Handtücher unter ihre Kleidung gesteckt, damit sie schwanger aussehe. Der Familie zeigte sie demnach Ultraschallbilder aus dem Internet.

Als Erklärung für die vorgetäuschte Geburt in Tschechien habe die Frau erzählt, sie sei in Deutschland nicht krankenversichert. Nach der angeblichen Geburt – bei der der Vater nicht dabei war – habe sie ihm dann unterschiedliche Versionen über den angeblichen Tod und die Entführung der Kinder aufgetischt.

Der 51-Jährige schilderte in einer Stellungnahme, wie ihn seine Freundin über Monate systematisch anlog. Ab Anfang April 2012 – also nach der Fehlgeburt – habe sie sich ihm gegenüber nicht mehr nackt gezeigt. Rückblickend komme er sich naiv vor, sagte der Mann. Damals habe er aber keinen Grund gehabt, an den Aussagen seiner Freundin zu zweifeln.

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