15.11.12

Stromausfall in München

Stromausfall in München – Licht aus, Twitter an

Züge stehen still, Ampeln gehen aus, U-Bahnhöfe liegen im Dunkeln: Der schwerste Stromausfall seit 20 Jahren hat halb München lahmgelegt.

Von Britta Schultejans
Foto: dpa/Gabriel Huber
Stromausfall in München - Feuerwehr vor Umspannwerk
Feuerwehrkräfte stehen vor einem defektem Umspannwerk in München. Nach einem Stromausfall in weiten Teilen der Stadt ist es zu einem Verkehrschaos gekommen

München. Plötzlich geht nichts mehr. Die Lichter gehen aus, Aufzüge und U-Bahnen bleiben einfach stehen. Die Ampeln funktionieren nicht mehr. Ein Verkehrschaos bricht aus. Mitten im morgendlichen Berufsverkehr hat der schwerste Stromausfall seit 20 Jahren den Münchnern gezeigt, was es heißt, wenn kein Saft mehr aus der Steckdose kommt. Weite Teile der Innenstadt werden lahmgelegt, als der Strom um Punkt 7.00 Uhr in halb München ausfällt. Rund eine Stunde dauert es, bis alle betroffenen Stadtteile mit etwa 450.000 Bewohnern wieder am Netz sind.

Diejenigen, die noch nicht aus dem Haus sind, frühstücken bei Kerzenschein oder kochen Kaffee auf dem Campingkocher, während draußen ein kleines Chaos ausbricht. In der überfüllten U-Bahn-Station Trudering stoßen Wartende entsetzte Schreie aus, als dort einige Sekunden lang das Licht ausfällt und den Bahnhof in völlige Dunkelheit hüllt. "Da steht schon seit einer Stunde, dass die Bahn in vier Minuten fährt", sagt eine Pendlerin. Im Stadtteil Obersendling, der mit rund 50 Minuten besonders lang vom Ausfall betroffen ist, hetzt eine Frau mit nassem Haar und Föhn in der Hand zum Auto. Die Haare müssen im Büro getrocknet werden.

Schlimmer trifft es diejenigen, die zwischen 8.00 und 9.00 Uhr in einem Zug der Linie U3 stadtauswärts sind. 45 Minuten lang müssen die Fahrgäste in der Bahn ausharren, bis die Fahrt weitergeht – nur wenige Augenblicke vor der geplanten Evakuierung, wie die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) später mitteilen wird.

Die Busse, die als einzige öffentliche Verkehrsmittel nicht direkt vom Ausfall betroffen sind, sind hoffnungslos überfüllt. Doch auch sie bleiben nicht völlig verschont. Weil zahlreiche Ampeln ausfallen, kommt es an Knotenpunkten zu ausgewachsenen Staus.

Ein Ärgernis für viele: die Informationspolitik der Stadtwerke. Wer wissen will, ob er allein im Dunkeln sitzt oder Leidensgenossen hat, muss selbst die Stadtwerke anrufen, auf die Straße gehen – oder Twitter lesen. Der Online-Kurznachrichtendienst erweist sich als beste Informationsquelle. Lange bevor sich die Stadtwerke dort zu Wort melden, informieren die Münchner sich gegenseitig per Twitter über den Zustand in ihren Stadtteilen. "Die Kommunikation hätte man vielleicht noch ein bisschen verbessern können", räumt SWM-Geschäftsführer Stephan Schwarz ein.

"Rund ums Maximilianeum geht nichts mehr!", schreibt auf Twitter zum Beispiel der CSU-Landtagsabgeordnete Eberhard Sinner. Ein Nutzer scherzt: "In München alles schwarz – davon träumt die CSU." Dass alles noch wesentlich schlimmer sein könnte, darauf wies ein Dritter hin: "Erst wenn eure Smartphone-Akkus leer sind, wird's ernst." Auch auf Facebook ist der Stromausfall großes Thema. Eine Nutzerin konnte ihm auch durchaus Positives abgewinnen: "Stromausfall gleich Weckerausfall!", schreibt sie. "Selten so ausgeschlafen im Büro."

Große Stromausfälle in aller Welt

Weltweit gab es in den vergangenen Jahren eine Reihe gewaltiger "Blackouts". Anbei eine Übersicht:

30. Juli 2012: In Indiens Norden bricht das Stromnetz zusammen, 370 Millionen Menschen sind stundenlang ohne Elektrizität.

1. Juli 2012: Schwere Sommerstürme legen in Teilen des Ostens der USA die Energieversorgung lahm. Rund drei Millionen Menschen sind zeitweise ohne Strom.

10. November 2009: Stürme an der Grenze zwischen Brasilien und Paraguay führen dazu, dass 60 Millionen Menschen in Brasilien zwei bis drei Stunden einen Blackout erleben.

In Paraguay ist sogar das ganze Land mit sieben Millionen Bürgern von der Stromversorgung abgeschnitten.

Januar bis Februar 2008: Durch Winterstürme stehen vier Millionen Menschen um die chinesische Stadt Xhenzhou fast zwei Wochen ohne Strom dar. Bei den Reparaturen sterben elf Techniker.

4. November 2006: Als in Deutschland ein Hochspannungskabel über einem Fluss abgeschaltet wird, um ein Kreuzfahrtschiff passieren zu lassen, geht für zehn Millionen Menschen in Europa das Licht aus.

18. August 2005: Netzschwankungen führen in Indonesien zur Abschaltung von Kraftwerken, fast 100 Millionen Menschen müssen - teils mehr als fünf Stunden – auf Strom verzichten.

12. Juli 2004: Nur wenige Wochen vor den Olympischen Spielen erleben mindestens sieben Millionen Menschen in Griechenland einen Stromausfall. Grund sollen zu viele Klimaanlagen gewesen sein.

28. September 2003: Ein Kurzschluss in der Schweiz betrifft auch fast ganz Italien. Bis zu 18 Stunden fehlt rund 55 Millionen Menschen der Strom.

14. August 2003: Beim bislang schwersten Stromausfall in den USA führt eine Kettenreaktion dazu, dass 50 Millionen Menschen in acht US-Staaten und in Kanada bis zu einem Tag keine Elektrizität haben.

11. März 1999: Ein Blitz trifft ein Umspannwerk im Brasilien. 97 Millionen Menschen sind fünf Stunden lang ohne Strom.

13. März 1989: Ein magnetischer Sturm über der kanadischen Provinz Quebec führt zur Überlastung des Stromnetzes, rund sechs Millionen Menschen erleben einen neunstündigen Blackout.

13. Juli 1977: In New York fällt durch Blitzschlag für etwa acht Millionen Menschen der Strom aus, die Reparaturen dauern länger als einen Tag, es kommt zu Plünderungen.

9. November 1965: Die USA zweifeln an ihrer Energieversorgung, als beim sogenannten Großen Blackout ein defektes Relais 25 Millionen Menschen in New York und im Nordosten für etwa 14 Stunden von der Stromversorgung abschneidet.

Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Alles über Ihre Straße

Die Welt - Aktuelle News
  1. 1. WirtschaftOhne BritenAbtrünnigen Schotten droht eine düstere Zukunft
  2. 2. KommentareNach LandtagswahlenDas Dilemma der SPD und ihre heimliche Sehnsucht
  3. 3. DeutschlandArbeitsloseNahles will Hartz-IV-Sanktionen entschärfen
  4. 4. AuslandWestafrika3000 US-Militärangestellte sollen Ebola bekämpfen
  5. 5. Wirtschaft"Welt"-Nachtblog++ Tim Wiese soll Profi-Wrestler werden ++
Top Video Alle Videos
Schweigend und ganz in schwarz gekleidet zogen sie durch Hongkong.Brightcove Videos

Die Einwohner der chinesischen Sonderverwaltungszone Hongkong sind nicht nur enttäuscht, sondern wütend. Ihr Protest äußert sich allerdings nicht in Gewalt, sondern mit einem sonderbaren Aufmarsch.mehr »

Top Bildergalerien mehr
Gründerpreis

Preise für Hamburger Unternehmer verliehen

Kreis Stormarn

Großbrand in einem Holzlager in Braak

Natur

So wild und grün ist Hamburg

Protest-Aktion

Tomatenschlacht in Amsterdam

Highlights
tb_hh_mahjong100.jpg
Mahjong

Spielen Sie mit!mehr

rb_wetter_926045a.jpg
Wetter in Hamburg

Der aktuelle Wetterbericht mit Karte und Vorhersagemehr

rb_stadtplan_926042a.jpg
Stadtplan Hamburg

Mit dem Hamburger Stadtplan Adresse und Orte findenmehr