15.11.12

Stromausfall in München

Die Münchner informierten sich vor allem via Twitter

Die Stadtwerke vermuten inzwischen einen technischen Defekt hinter dem Stromausfall. Viele Münchner nahmen den Vorfall mit Humor.

Von Petr Jerabek
Foto: dpa
Stromausfall in München
Fahrgäste laufen in einem U-Bahnhof in München die stillgelegten Rolltreppen vom hinauf. In der bayerischen Landeshauptstadt ist in mehreren Stadtteilen der Strom ausgefallen

München. Die bayerische Grünen-Landeschefin Theresa Schopper war bestens gewappnet: Sie saß trotz des Stromausfalls nicht ganz im Dunkeln. Die Landtagsabgeordnete hatte wegen des 18. Geburtstags ihres Sohnes ohnehin zahlreiche Kerzen aufgestellt: "So ein 18. Geburtstag beleuchtet auch bei Stromausfall", twitterte Schopper am frühen Morgen. Ihr Ko-Landeschef Dieter Janecek dagegen "zwitscherte": "Gute Idee von mir, den Stromausfall in München einfach zu verpennen."

Über den Online-Kurznachrichtendienst Twitter verbreiteten am Donnerstagmorgen nicht nur diverse Prominente ihre Erfahrungen mit dem Stromausfall in der bayerischen Landeshauptstadt, von dem rund 450.000 Kunden der Münchner Stadtwerke betroffen waren. Twitter war für so manchen Münchner am frühen Morgen auch die erste Informationsquelle über die Lage in einzelnen Stadtteilen, in U- und S-Bahnen – lange bevor die Stadtwerke sich ebenfalls mit einer Kurznachricht erstmals zu Wort meldeten: "Stromausfall in Teilen Münchens: Die Wiederherstellung der Versorgung steht jetzt im Vordergrund."

Auch die Münchner Verkehrsgesellschaft informierte via Twitter über die Betriebsstörung bei allen U-Bahn- und Trambahnlinien "wegen Problemen in der Energieversorgung". Die FDP-Europaabgeordnete Nadja Hirsch fragte sich angesichts dieses munteren Gezwitschers wiederum per Kurznachricht: "Gehört Twitter eigentlich schon zum Notfallplan der Behörden? War zumindest die einzige Quelle für frühzeitige Infos."

Bestens informiert über die Lage im bayerischen Landtag waren die Twitter-Follower des ehemaligen Staatskanzleichefs Eberhard Sinner (CSU). Unmittelbar nach dem Stromausfall gegen 7.00 Uhr verkündete er bereits: "Rund ums Maximilianeum geht nichts mehr!" Später folgten Details zum Ausfall von Radio, Telefon und Computer sowie zu seinem Morgentee. Kurz vor 8.00 Uhr folgte Sinners Entwarnung: "Jetzt auch Maximilianeum wieder hell. BR Klassik wieder zu hören. Faxgerät rumpelt hoch."

Gleich eine Reihe Kommentare verbreitete auch Schauspieler Michael Jäger ("Marienhof") via Twitter: "Wie viele haben heute Morgen panisch überlegt, ob sie vergessen haben, den Strom zu zahlen?", fragte er sich und berichtete: "Ich habe Nachbarn in Outfits gesehen, die noch vom letzten großen Stromausfall 1945 sein müssen." Und schließlich empfahl er den Münchnern für die Zeit des Stromausfalls noch: "Spaß haben und in 9 Monaten Nachwuchs melden."

Auch zahlreiche weitere Münchner nutzten das soziale Netzwerk, um Späße über den Stromausfall zu verbreiten. "In München alles schwarz - davon träumt die CSU", zwitscherte ein Nutzer. Und ein anderer vermutete: "Der Stromausfall in München war doch sicher von der Atomindustrie gesponsert." Eine Frau stellte die These auf: "Bestimmt hatten in München alle gleichzeitig ihre Haartrockner an." Andere Nutzer beschwichtigten wiederum: "Ich glaube, die in New York würden müde lächeln."

Stadtwerke vermuten technischen Defekt

Die Stadtwerke München (SWM) vermuten inzwischen einen technischen Defekt hinter dem Stromausfall, der weite Teile der bayerischen Landeshauptstadt lahmgelegt hat. "Wir haben es vermutlich mit technischem Versagen zu tun", sagte der Leiter des SWM-Netzservices. Der Defekt ereignete sich im Bereich einer Anschlussstelle zum Netz von Eon Bayern. Was genau dort geschehen ist, sei aber noch unklar. "Es wird wahrscheinlich eine Stromspitze gewesen sein", sagte SWM-Geschäftsführer Stephan Schwarz. Er sprach vom schlimmsten Stromausfall in München seit 20 Jahren.

Dabei sei dann vermutlich zuviel Strom ins Netz geflossen. Grund dafür könnte unter anderem ein Kurzschluss sein. Das sei aber bislang nur Spekulation. Der mutmaßliche Defekt führte nach SWM-Angaben zu einer Kettenreaktion, in deren Folge auch ein Kabelverschluss im Umspannwerk Bogenhausen explodierte. Im Hauptumspannwerk Föhring sei ein Lichtbogen zu sehen gewesen.

Große Stromausfälle in aller Welt

Weltweit gab es in den vergangenen Jahren eine Reihe gewaltiger "Blackouts". Anbei eine Übersicht:

30. Juli 2012: In Indiens Norden bricht das Stromnetz zusammen, 370 Millionen Menschen sind stundenlang ohne Elektrizität.

1. Juli 2012: Schwere Sommerstürme legen in Teilen des Ostens der USA die Energieversorgung lahm. Rund drei Millionen Menschen sind zeitweise ohne Strom.

10. November 2009: Stürme an der Grenze zwischen Brasilien und Paraguay führen dazu, dass 60 Millionen Menschen in Brasilien zwei bis drei Stunden einen Blackout erleben.

In Paraguay ist sogar das ganze Land mit sieben Millionen Bürgern von der Stromversorgung abgeschnitten.

Januar bis Februar 2008: Durch Winterstürme stehen vier Millionen Menschen um die chinesische Stadt Xhenzhou fast zwei Wochen ohne Strom dar. Bei den Reparaturen sterben elf Techniker.

4. November 2006: Als in Deutschland ein Hochspannungskabel über einem Fluss abgeschaltet wird, um ein Kreuzfahrtschiff passieren zu lassen, geht für zehn Millionen Menschen in Europa das Licht aus.

18. August 2005: Netzschwankungen führen in Indonesien zur Abschaltung von Kraftwerken, fast 100 Millionen Menschen müssen - teils mehr als fünf Stunden – auf Strom verzichten.

12. Juli 2004: Nur wenige Wochen vor den Olympischen Spielen erleben mindestens sieben Millionen Menschen in Griechenland einen Stromausfall. Grund sollen zu viele Klimaanlagen gewesen sein.

28. September 2003: Ein Kurzschluss in der Schweiz betrifft auch fast ganz Italien. Bis zu 18 Stunden fehlt rund 55 Millionen Menschen der Strom.

14. August 2003: Beim bislang schwersten Stromausfall in den USA führt eine Kettenreaktion dazu, dass 50 Millionen Menschen in acht US-Staaten und in Kanada bis zu einem Tag keine Elektrizität haben.

11. März 1999: Ein Blitz trifft ein Umspannwerk im Brasilien. 97 Millionen Menschen sind fünf Stunden lang ohne Strom.

13. März 1989: Ein magnetischer Sturm über der kanadischen Provinz Quebec führt zur Überlastung des Stromnetzes, rund sechs Millionen Menschen erleben einen neunstündigen Blackout.

13. Juli 1977: In New York fällt durch Blitzschlag für etwa acht Millionen Menschen der Strom aus, die Reparaturen dauern länger als einen Tag, es kommt zu Plünderungen.

9. November 1965: Die USA zweifeln an ihrer Energieversorgung, als beim sogenannten Großen Blackout ein defektes Relais 25 Millionen Menschen in New York und im Nordosten für etwa 14 Stunden von der Stromversorgung abschneidet.

Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Alles über Ihre Straße

Top Bildergalerien mehr

Kate, William und George besuchen Australien

Kate, William und George besuchen Australien

Rotherbaum

Gas-Alarm am Mittelweg

Billstedt

MEK-Einsatz in Mümmelmannsberg

Highlights
tb_hh_mahjong100.jpg
Mahjong

Spielen Sie mit!mehr

rb_wetter_926045a.jpg
Wetter in Hamburg

Der aktuelle Wetterbericht mit Karte und Vorhersagemehr

rb_stadtplan_926042a.jpg
Stadtplan Hamburg

Mit dem Hamburger Stadtplan Adresse und Orte findenmehr