31.10.12

Tod auf Frühchenstation

Obduktion: Baby starb an Operationsfolgen

Die Obduktion bringt nun Klarheit: Serratia-Keime waren nicht die Ursache für den tragischen Babytod am Deutschen Herzzentrum.

Foto: DAPD
An Darmkeiminfektion verstorbenes Baby bereits beerdigt
Der Friedhof der Sehitlik Moschee in Berlin. Das an einer Darmkeiminfektion in der Charite verstorbene Baby ist bereits beigesetzt worden und musste

Berlin. Nach einem ersten Obduktionsergebnis ist das Anfang Oktober in einem Berliner Krankenhaus gestorbene Baby nicht wegen Darmkeimen ums Leben gekommen. Der Gerichtsmedizin zufolge sei davon auszugehen, dass das Kind nach einer "hochkomplizierten und riskanten Operation" eines natürlichen Todes gestorben sei, teilte die Staatsanwaltschaft am Mittwoch mit. Weitere Untersuchungen zur abschließenden Klärung stünden noch aus.

Die Exhumierung des Babys und die anschließende Obduktion sind Teil des Ermittlungsverfahrens wegen fahrlässiger Tötung im Zusammenhang mit dem Serratien-Befall auf der "Frühchenstation" der Charité. Auch die Ermittlungen wegen fahrlässiger Körperverletzung anderer Kinder durch eine Keim-Infektion dauern laut Staatsanwaltschaft an.

Auch Charité-Chef Karl Max Einhäupl hatte schon betont, das Baby habe zwar eine Serratien-Infektion gehabt, sei aber nicht daran gestorben. Vielmehr habe der angeborene Herzfehler den Tod herbeigeführt. Die Ärzte hatten die geringen Überlebenschancen des schwer kranken Säuglings durch die Operation erhöhen wollen. Obwohl die Operation selbst erfolgreich war, verschlechterte sich der Zustand des Kindes. Schließlich wurden die lebenserhaltenden Apparate im Einvernehmen mit den Eltern abgestellt. Auf dem Totenschein wurde ein "natürlicher Tod" ausgewiesen.

Berlins Wissenschaftssenatorin Sandra Scheeres (SPD) hat die Charité-Führung nun zu einer Sondersitzung des Aufsichtsrates gebeten, um die Vorkommnisse aufzuarbeiten. Der Termin wurde nach Aussagen eines Sprechers für Mitte November anberaumt. Am Mittwoch waren die Vorfälle auch Thema im Wissenschaftsausschuss. Dort stand der ärztliche Direktor der Charité, Ulrich Frei, Rede und Antwort. Die Diskussion, die inhaltlich keine neuen Details zutage gefördert habe, sei sachlich und unaufgeregt gewesen, hieß es.

Unterdessen sucht ein Team mit Experten aus Gesundheitsamt, Robert Koch-Institut sowie Landesamt für Gesundheit und Soziales weiter nach der Ursache der Infektionen auf Frühgeborenen-Stationen der Charité und am Deutschen Herzzentrum. An der Charité liegen derzeit noch sechs Kinder, bei denen eine Infektion nachgewiesen wurde, und weitere sieben mit Keimbesiedlung, aber ohne Krankheitssymptome. Im Herzzentrum liegt noch ein Kind, das an den Keimen erkrankt ist, und ein weiteres ohne Symptome.

dapd/dpa
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