10.11.12

Ehemaliger St.-Paulianer

"Meine Entlassung war für mich nicht nachvollziehbar"

Andreas Bergmann scheiterte Ende Oktober nach einer 1:6-Pleite in Aue als Trainer beim VfL Bochum, dem nächsten Gegner von St. Pauli.

Foto: Bongarts/Getty Images
Andreas Bergmann
Andreas Bergmann, 53, trainierte von 2001 bis 2006 den FC St. Pauli

Hamburg. Ob er am Montag ins Millerntor-Stadion gehen werde, das wisse Andreas Bergmann noch nicht. Sehr frisch seien die Eindrücke der vergangenen Wochen noch, als der Trainer beim VfL Bochum entlassen worden war. Seit dem Abschied beim VfL am 28. Oktober lebt er nun wieder bei seiner Familie in Hamburg. Wenn der 53-Jährige über das Zweitliga-Duell seiner beiden ehemaligen Vereine, dem FC St. Pauli und Bochum, spricht, schwingt viel Wehmut mit. Zu gern hätte er bei den Gästen auf der Bank gesessen.

Nach einer 1:6-Pleite in Aue, dem siebten Spiel in Folge ohne Sieg, hatten die Verantwortlichen ohne Vorwarnung die Reißleine gezogen. "Der Vorstand hat mir nie gesagt, dass ich in Gefahr bin", sagt Bergmann, der dem Klub in der vergangenen Saison den Klassenerhalt sicherte und nun durch seinen Co-Trainer Karsten Neitzel ersetzt wurde. Gebetsmühlenartig hatte Manager Jens Todt dem Trainer zuvor öffentlich das Vertrauen ausgesprochen. "Die Entlassung war zu dem Zeitpunkt nicht nachvollziehbar", meint der Coach, denn "wir wollten einen Umbruch und es war klar, dass es nicht einfach werden würde".

Einfach hatte es Bergmann bei seinen bisherigen Stationen selten. Von 2001 bis 2006 war er zunächst als Jugend-Koordinator und Trainer der Reservemannschaft, anschließend als Chefcoach in der Regionalliga beim FC St. Pauli tätig. Der Klub stand finanziell vor dem Aus. "Trotz der schwierigen Zeit habe ich unfassbar gerne für St. Pauli gearbeitet." Als sich Hannovers Torwart Robert Enke am 10. November 2009 das Leben nahm, war Bergmann bei 96 gerade drei Monate im Amt. Anschließend gelang ihm in sechs Spielen kein Sieg mehr, Bergmann musste gehen. Sein kuriosestes Spiel erlebte er in jener Zeit gegen St.-Pauli-Coach Michael Frontzeck. "Er war damals in Mönchengladbach und wir verloren 3:5 durch drei Eigentore meiner Jungs."

Wem er am Montag die Daumen drücke, weiß er nicht. "Ich habe noch viel Kontakt zum Team in Bochum, aber St. Pauli bleibt für mich eine besondere Beziehung." St. Paulis Kapitän Fabian Boll trainierte er bereits zu Regionalliga-Zeiten, Christopher Avevor und Daniel Ginczek waren seine Schützlinge in Bochum und Hannover. "Es kann gut sein, dass ich spontan ins Stadion komme", sagt Bergmann.

(kem)
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