21.01.13

1:1 in Nürnberg

Rudnevs' siebter Streich reicht nicht zum HSV-Sieg

Trotz einer deutlichen Leistungssteigerung in der zweiten Halbzeit kamen die Hamburger zu einem 1:1-Unentschieden in Nürnberg.

Von Alexander Laux
Foto: dapd
1. FC Nuernberg - Hamburger SV
Nach Vorlage von Dennis Aogo erzielte Artjoms Rudnevs aus kurzer Distanz die 1:0-Führung, Raphael Schäfer ist machtlos

Nürnberg. Bisher war bekannt, dass sich Tiere wie Igel oder Siebenschläfer in einen mehrmonatigen Winterschlaf begeben, wenn die Temperaturen fallen. Am Sonntagabend erbrachten die HSV-Spieler de facto den Beweis, dass auch Fußballer in eine ähnliche Starre verfallen können - denn es gab keine andere Erklärung für das, was sich in der erschreckenden ersten Hälfte des Rückrundenauftakts beim 1. FC Nürnberg abgespielt hatte.

Ein Reisebericht über das 1:1-Unentschieden der Hamburger muss deshalb zwangsläufig mit der Pause beginnen. Als beide Mannschaften bei minus drei Grad in die Kabine trotteten, war die Enttäuschung unter dem HSV-Anhang groß: Hatten die Spieler während der Winterpause vergessen, worin der Sinn eines Fußballspiels besteht, nämlich zu versuchen, Tore zu erzielen? Als "kein gutes Bundesliga-Niveau" stufte auch Thorsten Fink später die Leistungen seiner Spieler ein, die nicht annähernd ihr Potenzial abgerufen hatten.

Kein Tempo, keine Kombinationen, eine hohe Fehlpassquote im Aufbauspiel, viel zu viele lange Bälle, nur ein Torschuss nach 41 Minuten durch Dennis Diekmeier - es war insgesamt grausam anzuschauen, woran auch Rückkehrer Rafael van der Vaart nichts ändern konnte, der später analysierte: "Die erste Halbzeit war ganz schlecht. So gewinnt man kein Bundesligaspiel." Die einzigen, allerdings negativen Szenen aus HSV-Sicht betrafen erstens Michael Mancienne, der sich bei einem Zweikampf am Sprunggelenk verletzte und dem Team einige Wochen fehlen wird (siehe Bericht unten), sowie zweitens Tolgay Arslan. Der bereits mit Gelb verwarnte Deutschtürke leistete sich bei einem Tempogegenstoß der Nürnberger ein weiteres Foul an Timo Gebhart und hatte Glück, dass er nicht mit Gelb-Rot vom Platz musste. "Der Schiedsrichter sagte mir: Noch ein Foul, und ich bin draußen", sagte Arslan, "es war wohl besser, dass ich ausgewechselt wurde, ich hätte mich zurückhalten müssen, nicht mehr aggressiv spielen können." Für ihn kam schon nach 38 Minuten Per Skjelbred ins Spiel.

Als Krönung der misslungenen 45 Minuten hätte bloß noch gefehlt, dass Robert Mak seine Chance zur Führung genutzt hätte (43.). Kurzum: Es lief alles überhaupt nicht für den HSV. Doch dann geschah etwas Wundersames: Fink muss in der Kabine die richtigen Worte gefunden und für einen Hallo-Wach-Effekt gesorgt haben. "Er sagte, wir sollen einfach Fußball spielen, nicht die Geduld verlieren und nicht gleich den Todesball spielen wollen", schilderte Marcell Jansen die Ansprache. "Unser Spiel ist ja auch darauf angelegt, auf den richtigen Moment zu lauern."

Die Spieler hatten offensichtlich gut zugehört. Wie verwandelt kam Finks Team aus der Kabine und dominierte in der Folge die Partie. Plötzlich lief der Ball - und die Nürnberger hinter selbigem hinterher. "Wir haben den Gegner beherrscht, zwei, drei Tore müssen wir machen", sagte Heiko Westermann. Doch am Ende war es nur eines, was nicht für die erhofften drei Punkte reichte. Nachdem einer von vielen Vorstößen auf der linken Seite mit den agilen Marcell Jansen und Dennis Aogo zum 1:0 durch Artjoms Rudnevs geführt hatte (70.), leistete sich die Hintermannschaft nur fünf Minuten später eine Konzentrationsschwäche: Nach einem Einwurf konnte Dennis Diekmeier Timo Gebhart nicht am Flanken hindern, in der Mitte stand Tomas Pekhart völlig frei - der zu diesem Zeitpunkt völlig überraschende Ausgleich.

"Umso ärgerlicher, weil wir genau solche Situationen trainiert hatten", sagte Westermann, und Fink monierte: "Spielerisch war das in der zweiten Hälfte durchaus ein Niveau, mit dem man sich für den Europacup empfiehlt, aber bei taktischen Dingen wie der richtigen Positionierung haben wir noch erhebliches Steigerungspotenzial."

Der HSV hätte trotz der verschlafenen ersten Hälfte und des Rückschlags leicht einen perfekten Start ins Jahr hinlegen können, doch Heung Min Son schaffte es nicht, eine der sehr zahlreichen Möglichkeiten zu nutzen: Mehrfach scheiterte er an Torwart Raphael Schäfer, seinen letzten Kopfball setzte er in der Nachspielzeit an den Pfosten.

"Was wir aus dem Spiel auf jeden Fall lernen können, ist, wie viele Torchancen man sich in einer Halbzeit erspielen kann", sagte Jansen, der schon kurz nach dem Abpfiff an die nächste Partie gegen Bremen am kommenden Sonntag dachte: "Wenn wir mit dieser Einstellung der zweiten Hälfte auch gegen Werder spielen, können wir einen guten Start in die Rückrunde hinlegen."

Und auch van der Vaart, der durch die frühen Auswechslungen gezwungen war, 90 statt der geplanten 60 Minuten auf dem Platz zu bleiben, wirkte optimistisch nach dem Abpfiff. "Fußball ist das Schönste, was es gibt. Ich bin froh, dass ich wieder fit bin", sagte der Niederländer, der zuletzt vor allem durch seine zerbrochene Beziehung zu Sylvie Schlagzeilen gemacht hatte. Wen es interessiert: Die Schuhe mit dem Schriftzug seiner Gattin trägt er immer noch.

Ob dies etwas zu bedeuten habe, wurde er bei TV-Sender Sky gefragt: "Ja natürlich", schmunzelte er nur. Vielleicht ist es ja mit seiner Beziehung genauso wie mit dem HSV in dieser Saison: Man kann noch nicht genau sagen, wohin die Reise geht, und muss erst noch die kommenden Wochen abwarten. Gefühlsschwankungen sind in beiden Fällen nicht auszuschließen.

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