08.01.13

HSV-Duo im Interview

"Ich will nicht von Per wissen, wie viel er verdient"

Die HSV-Legionäre Michael Mancienne und Per Skjelbred sprechen im Trainingslager in Abu Dhabi über Luxus, Gehälter und Neid.

Von Kai Schiller
Foto: WITTERS/Witters Sport-Presse-Fotos

Hartes Training und purer Luxus in Abu Dhabi: Die HSV-Profis Michael Mancienne (l.) und Per Skjelbred im Trainingslager

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Abu Dhabi. Wohl selten zuvor hat der HSV in einem Trainingslager derart luxuriös residiert wie im Fünf-Sterne-Hotel Fairmont Bab Al Bahr in Abu Dhabi. Das Abendblatt nahm die Woche in den Vereinigten Arabischen Emiraten, in denen mehr als fünf Prozent aller Haushalte über ein Millioneneinkommen verfügen, zum Anlass, um mit den Profis Michael Mancienne, 25, und Per Skjelbred, 25, über Luxus, Geld und Gehälter zu sprechen. Während des Gesprächs in ihrem Hotelzimmer im dritten Stock leistete sich Skjelbred bei 26 Grad im Schatten nur einen Luxus: Ausnahmsweise verzichtete der Norweger auf ein T-Shirt: "Wenn etwas Luxus ist, dann ist es das Wetter hier."

Hamburger Abendblatt: Herr Mancienne, Herr Skjelbred, was ist Luxus für Sie?

Michael Mancienne: Luxus ist für mich das Beste vom Besten. Unser Hotel hier ist ein gutes Beispiel. Schon wenn man in die Lobby reinkommt, sieht alles hübsch aus, es riecht sogar gut. Selbst die Wände sind aus Samt. Aus Samt! Das ist Luxus pur.

Per Skjelbred: Das alles ist offensichtlicher Luxus. Aber als Fußballprofi ist auch Zeit Luxus. Wir sind sehr viel unterwegs, da freue ich mich, wenn ich mal ein bisschen länger mit meinen Kindern spielen kann.

Wie weit kann materieller Luxus gehen? Hier in den Emiraten gibt es mittlerweile Sieben-Sterne-Hotels.

Skjelbred: Für all das, was man hier so sieht, gibt es eigentlich kein einzelnes Wort mehr. Das ist kein Luxus, das ist Super-Luxus.

Mancienne: In Abu Dhabi scheint der Luxus tatsächlich Normalität zu sein. Man sieht hier nur feine Hotels, große Autos und Edel-Boutiquen in den Shoppingcentern. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, was in einem Sieben-Sterne-Hotel noch besser sein kann als in unserem Hotel.

Ist der Beruf Fußballprofi auch ohne Luxus denkbar?

Skjelbred: Selbstverständlich. Bei Rosenborg Trondheim, wo ich schon als 16-Jähriger gespielt habe, ging es uns immer gut. Wir hatten nie luxuriöse Trainingsbedingungen. Das war aber auch nie ein Problem.

Mancienne: Viele glauben, dass alle Fußballer in Saus und Braus leben. Aber die Vereine versuchen lediglich, ein möglichst professionelles Umfeld zu schaffen. In meiner Zeit beim FC Chelsea wurde ich beispielsweise an die Queens Park Rangers und zu den Wolverhampton Wanderers ausgeliehen. Da gab es überhaupt kein Geld. Wir haben unsere Vorbereitung in Drei-Sterne-Hotels durchgezogen, und auch das war völlig in Ordnung.

Besteht die Gefahr, dass zu viel Luxus unselbstständig macht?

Mancienne: Das kann passieren, aber das ist ja kein Fußballproblem. Jeder könnte von zu viel Luxus unselbstständig werden. In einem Fußballteam muss man gerade bei den Youngstern ein wenig aufpassen, da diese oft gar nichts anderes mehr kennen.

Skjelbred: Als junger Spieler sollte man vielleicht ein wenig bescheiden sein. Ich würde mir jedenfalls keinen Ferrari kaufen, wenn ich Nummer 28 im Kader wäre. Heutzutage ist es ja normal, dass man schon relativ viel Geld als junges Talent verdient.

Ist es unter Fußballern ein Tabuthema, wie viel man verdient?

Mancienne: Anders als manch einer das glauben mag, reden wir jedenfalls nicht in der Kabine darüber. Das ist Privatsache. Ich will auch nicht von Per wissen, wie viel er verdient.

Skjelbred: Wenn man einen anderen Beruf hat, spricht man ja auch nicht darüber. Es gibt doch dieses Sprichwort: Über Geld redet man nicht.

Lassen Sie uns trotzdem kurz über Geld sprechen. Wie ist Ihre Beziehung zu Geld? Ist Geld wichtig für Sie?

Skjelbred: Geld wird wohl immer wichtig sein. Aber mir ist wichtig, dass man akzeptiert, dass Fußballer möglicherweise überproportional bezahlt werden. Fußball ist ein Millionengeschäft, bei dem jeder sein Kuchenstück abhaben will. Es ist nur fair, dass die Profis, ohne die es dieses Geschäft nicht geben würde, entsprechend bezahlt werden.

Mancienne: Natürlich ist Geld wichtig, aber es ist nicht das Wichtigste. Ich wache morgens jedenfalls nicht mit dem Gedanken auf, dass ich unbedingt mehr Geld verdienen müsste. Ich freue mich darüber, wenn ich genug Geld habe, um sehr ordentlich zu leben. Aber ich bräuchte auch nicht wirklich viel Geld zum Leben.

Nun haben Sie genug Geld, um sich auch etwas leisten zu können. Was leisten Sie sich ganz bewusst?

Mancienne: Als ganz junger Spieler habe ich mir von meinem ersten Gehalt Klamotten gekauft. Ich habe 90 Pfund in der Woche verdient und gleich mein ganzes Monatsgehalt auf den Kopf gehauen. Beim zweiten Monatsgehalt wurde ich ein bisschen vorsichtiger im Umgang mit Geld. Als ich schließlich genug verdiente, habe ich meinen Eltern ein kleines Häuschen in London-Teddington gekauft. Für mich war das echter Luxus, mich bei meiner Familie für ihre Unterstützung bedanken zu können.

Was bedeutete Luxus für Sie als Kind?

Skjelbred: Jeans. Ich durfte mir als Kind nie eine neue Jeans kaufen oder wünschen. Als 15-Jähriger, als ich genug Taschengeld hatte, habe ich mir dann sofort eine tolle Jeans gekauft.

Mancienne: Ich bin nicht gerade im schicksten Viertel Londons aufgewachsen, man könnte sogar sagen: Es war ziemlich tough (hart oder schwierig, die Red.). Es gab keinen materiellen Luxus bei uns, aber Luxus hatte damals eine andere Bedeutung. Für mich als Kind war es Luxus, mit meiner Familie essen zu gehen. Heutzutage gehe ich fast jeden Tag essen, aber damals war das etwas Außergewöhnliches. Es war Luxus.

Herr Mancienne, Sie haben bereits als Achtjähriger beim FC Chelsea angefangen. Wurden Sie dadurch nicht zwangsläufig mit der Schokoladenseite des Lebens verwöhnt?

Mancienne: Überhaupt nicht. Als ich sehr jung beim FC Chelsea angefangen habe, war der Klub ein ganz anderer als heute. Es gab noch keinen Abramowitsch, und es gab noch kein Geld im Überfluss. Als wir noch in Harlington in West-London trainiert haben, musste ich als Kind alleine mit dem Bus zum Training fahren. Das war überhaupt keine Frage.

Heutzutage kommen Chelsea-Profis mit überteuerten Sport- und Geländewagen zum Training.

Mancienne: Das stimmt zwar, aber wo ist das Problem? Franck Lampard hat zum Beispiel einen Ferrari. Er hat fast 100 Länderspiele für England bestritten, ist seit mehr als zehn Jahren Leistungsträger bei Chelsea. Da kann er sich doch einen Ferrari leisten, wenn es ihn glücklich macht. Ich würde niemals jemandem etwas neiden.

Skjelbred: Wobei es wahrscheinlich normal ist, dass Fans ihm zum Beispiel nach einem schlechten Spiel den Ferrari neiden. Überall, wo es sehr viel Geld gibt, gibt es auch sehr viel Neid. Echter Luxus wäre, wenn es diesen Neid nicht mehr gäbe.

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