19.11.12

Formel 1

Vettel verpasst Titel in Texas - Showdown in São Paulo

Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel wird Zweiter in Texas vor seinem Rivalen Fernando Alonso. Entscheidung fällt im letzten Rennen.

Von Simon Pausch
Foto: REUTERS
Gut behütet im Wilden Westen: Lewis Hamilton (M.) trug mit seinem Sieg in Austin dazu bei, dass die WM-Entscheidung zwischen Sebastian Vettel (l.) und Fernando Alonso bis zum Finale offenbleibt
Gut behütet im Wilden Westen: Lewis Hamilton (M.) trug mit seinem Sieg in Austin dazu bei, dass die WM-Entscheidung zwischen Sebastian Vettel (l.) und Fernando Alonso bis zum Finale offenbleibt

Austin. Als die Formel-1-Fans auf dem Circuit of the Americas in großen Scharen zum Siegerpodest strömten, sahen sie zwei Gewinner und einen Verlierer. Der eine Sieger stand auf der obersten Stufe und lauschte der britischen Hymne, der zweite stand auf der untersten und grinste zufrieden in die texanische Sonne. Bester Laune spritzten Lewis Hamilton und Fernando Alonso sich anschließend den Champagner um die Cowboy-Hüte, die ihnen ein Sponsor kurz zuvor gereicht hatte. In ihrer Mitte stand ein junger Mann, dem die blonden Haare widerspenstig ins ernste Gesicht hingen: Zweiter war Sebastian Vettel geworden und hatte seine Führung in der WM sogar ausgebaut. Trotzdem war er der Verlierer der USA-Premiere in Austin.

13 Punkte beträgt sein Vorsprung vor dem letzten Rennen. Das ist einerseits ein sehr komfortables Polster. Selbst wenn Alonso den Großen Preis von Brasilien gewinnt, reicht Vettel der vierte Rang, um als dritter Fahrer nach Michael Schumacher und Juan Manuel Fangio den WM-Hattrick perfekt zu machen. Andererseits hätte er sich diesen Nervenkitzel zu gern erspart. "Es war ein tolles Rennen, aber gleichzeitig ist es schade, dass es nicht geklappt hat mit dem Sieg", war er nach der Zieldurchfahrt hin- und hergerissen: "Nach diesem starken Wochenende reise ich sehr zuversichtlich nach Brasilien."

Dafür, dass es überhaupt zum ultimativen Showdown in São Paulo kommt, konnte er so gut wie gar nichts. Im Gegenteil: Beinahe alles, was an diesem Wochenende in seiner Macht stand, schien ihm den Weg zu bereiten für den vorzeitigen Triumph: In allen Trainingsfahrten war er der Schnellste. Er gewann das Qualifying überlegen, selbst beim Boxenstopp nahmen er und die Red-Bull-Crew dem Rest des Feldes Zeit ab. Gerade einmal 2,4 Sekunden dauerte der Reifenwechsel - fast vier weniger als bei Alonso, bei dem die Montage des rechten Hinterrades erst im zweiten Versuch klappte. Auch im Rennen sah der Hesse lange wie der sichere Sieger aus. Doch dann nutzte Hamilton, der Vettel als Einziger folgen konnte, nach 42 Runden seinen Geschwindigkeitsvorteil auf der Start-Ziel-Geraden aus und zog aus dem Windschatten heraus vorbei. "Er hatte eine einzige Chance. Die hat er genutzt", konstatierte Vettel. Er fühlte sich zu diesem Zeitpunkt von Überrundeten aufgehalten.

Den entscheidenden Dämpfer hatte sein Traum vom vorzeitigen WM-Gewinn jedoch schon nach 500 Metern erhalten. Mit dem furiosesten Start in dieser Saison preschte Alonso an den vor ihm losrollenden Nico Hülkenberg, Schumacher und Kimi Räikkönen vorbei auf Platz drei. Die Schützenhilfe seiner Landsleute, auf die Vettel insgeheim gehofft hatte, hatte sich erledigt, da waren die Piloten noch nicht aus den Kampfjets geklettert, mit denen sie in landestypischer Manier vor der Einführungsrunde über den Kurs gedonnert waren. Für Alonso und Ferrari zahlte sich hingegen das Manöver aus, mit dem sie wenige Stunden vor dem Start für große Aufregung gesorgt hatten.

Vorsätzlich brachen die Italiener das Siegel über dem Getriebe von Felipe Massas Boliden, um eine Strafversetzung durch den Weltautomobil-Verband Fia zu erzwingen. Der Brasilianer wurde wunschgemäß um fünf Positionen auf Rang elf zurückgestuft, Alonso rückte auf den siebten Startplatz vor. Der liegt auf der sauberen Seite der neu gebauten Strecke, die Autos haben hier mehr Halt als auf der rechten Spur - die Grundvoraussetzung für einen solchen Raketenstart. Aus Alonsos Sicht ging der Schachzug auf. "Die ersten Runden haben unsere Titel-Chance am Leben gehalten", sagte er: "Es fühlt sich wie ein Sieg für uns an. Heute Nacht hätte keiner von uns daran gedacht, nur drei Punkte auf die Spitze zu verlieren." Red-Bull-Berater Helmut Marko moserte hingegen: "Wir hatten es zum Glück nicht nötig, uns über solche Manöver Gedanken machen zu müssen."

Grund zum Feiern gab es für Red Bull in Austin trotzdem: Zum dritten Mal hintereinander sicherten sich die Österreicher den Konstrukteurs-Titel. "Ein Bier darauf ist sicher drin", flachste Vettel. Auch das erneute Ausscheiden von Mark Webber änderte daran nichts. Der Australier wurde von einem Defekt an der Lichtmaschine ausgebremst. "Normalerweise wäre das Podium möglich gewesen", sagte Webber: "Es ist schlimm, dass wir uns wegen der Zuverlässigkeit wieder Sorgen machen müssen." Bereits in Valencia und Monza hatte die Lichtmaschine gestreikt - damals war jeweils Vettel der Betroffene.

Auch Michael Schumacher war alles andere als glücklich. Der 43-Jährige fiel beim vorletzten Formel-1-Rennen seiner Karriere vom vielversprechenden fünften auf den 16. Platz zurück. Zum sechsten Mal hintereinander blieb er damit ohne Punkte, in der Gesamtwertung ist er als 15. in der Nachbarschaft von Piloten wie Bruno Senna und Jean-Eric-Vergne angekommen. Nach 17 Runden wurde er zu allem Überfluss auch noch von Team-Kollege Nico Rosberg (am Ende 13.) überholt, obwohl der beim Start zwölf Positionen hinter dem Kerpener gestanden hätte.

Während Vettel mit Vorfreude auf die große WM-Sause nach Brasilien weiterreist, wird Schumacher froh sein, wenn er am Sonntagabend in sein neues Leben als Privatmann starten kann.

19. von 20 Läufen zur Formel-1-Weltmeisterschaft in Austin (Texas; 56 Runden à 5,513 km = 308,405 km): 1. Hamilton (Großbritannien) McLaren-Mercedes 1:35:55,269 Std., 2. Vettel (Heppenheim) Red-Bull-Renault 0,675 Sek. zur., 3. Alonso (Spanien) Ferrari 39,229, 4. Massa (Brasilien) Ferrari 46,013, 5. Button (Großbritannien) McLaren-Mercedes 56,432, 6. Räikkönen (Finnland) Lotus-Renault 1:04,425 Min., 7. Grosjean (Frankreich) Lotus-Renault 1:10,313, 8. Hülkenberg (Emmerich) Force-India-Mercedes 1:13,792, 9. Maldonado (Venezuela) Williams-Renault 1:14,525, 10. Senna (Brasilien) Williams-Renault 1:15,133, 11. Perez (Mexiko) Sauber-Ferrari 1:24,341; 12. Ricciardo (Australien) Toro-Rosso-Ferrari 1:24,871, 13. Rosberg (Wiesbaden) Mercedes) 1:25,510, 14. Kobayashi (Japan) Sauber-Ferrari, 15. Di Resta (Großbritannien) Force-India-Mercedes, 16. Schumacher (Kerpen) Mercedes, 17. Petrow (Russland) Caterham-Renault, 18. Kovalainen (Finnland) Caterham-Renault, 19. Glock (Wersau) Marussia-Cosworth alle 1 Runde zurück, 20. Pic (Frankreich) Marussia-Cosworth, 21. de la Rosa (Spanien) HRT-Cosworth, 22. Karthikeyan (Indien) HRT-Cosworth alle 2 Runden.

Ausgeschieden: Webber (Australien) Red-Bull-Renault; Vergne (Frankreich) Toro-Rosso-Ferrari.

Poleposition: Vettel 1:35,657 Min.; schnellste Rennrunde: Vettel 1:39,347.

WM-Stand, Fahrer: 1. Vettel 273 Punkte, 2. Alonso 260, 3. Räikkönen 206, 4. Hamilton 190, 5. Webber 167, 6. Button 163, 7. Massa 107, 8. Grosjean 96, 9. Rosberg 93, 10. Perez 66, 11. Kobayashi 58, 12. Hülkenberg 53, 13. di Resta 46, 14. Maldonado 45, 15. Schumacher 43, 16. Senna 31, 17. Vergne 12, 18. Ricciardo 10.

Teams: 1. Red Bull 440 Punkte, 2. Ferrari 367, 3. McLaren 353, 4. Lotus 302, 5. Mercedes 136, 6. Sauber 124, 7. Force India 99, 8. Williams 76, 9. Toro Rosso 22.

Letztes Rennen: GP von Brasilien in São Paulo am 25. November.

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