10.01.13

Städtereise

Jetzt möbelt Berlin den Westen richtig auf

Lange stand der Kiez um Ku'damm, Zoo und Savignyplatz hintan. Das Hotel Waldorf Astoria und andere Attraktionen bringen neuen Schwung.

Von Roland Mischke
Foto: dpa
Das Waldorf Astoria empfängt erste Gäste
Seit Anfang Januar empfängt das Luxushotel Waldorf Astoria die ersten Gäste

Runter von der Stadtautobahn, auf die Bismarckstraße, fünf Minuten Autofahrt, dann ist Charlottenburg-Wilmersdorf erreicht. Wer die schnelle Bahnverbindung von Hamburg aus nutzt, fährt vom Hauptbahnhof drei Stationen mit der S-Bahn zum Bahnhof Zoo. Für Hamburger (und alle anderen Besucher) ist Berlins City West wieder ein attraktives Ziel, und das nicht nur, weil sich der Verkehr dort nicht so grausam staut wie in Mitte.

Das Zentrum des alten West-Berlin mit Bahnhof Zoo, Gedächtniskirche, KaDeWe und Kurfürstendamm-Anbindung war nach dem Ende der DDR etwas abgehängt worden, alles strömte fortan in die historische Mitte. Jetzt aber kehrt der Stadtteil, der Ende des 19. Jahrhunderts von vermögenden Bürgern als hochfahrendes Gegenstück zum wilhelminischen Protz entwickelt wurde, mit Schwung zurück. Er ist mondän, aber auch gemütlich und überschaubar - und optisch ansprechend. Keiner weiß das besser als Hans Eilers, dienstältester Hoteldirektor der Stadt. In seinem Haus, dem feinen Savoy an der Fasanenstraße, haben seit Hildegard Knef und Marlene Dietrich viele Filmgrößen und andere Künstler logiert, inzwischen sind ihre Nachrücker da. "Es gab Zeiten nach der Wende, als wir fürchteten, fünftes Rad am Wagen zu werden", sagt er. Heute ist das gegenüberliegende Kino Delphi mit seinem Riesensaal in rotem Plüsch topsaniert, die Spelunken am Savignyplatz sind verdrängt, und das andere Kino des Westens, der Zoopalast mit dem Berlinale-Auflauf im Februar, wird gerade umgebaut. "Es tut sich so viel im Westen", schwärmt Eilers. Von 25 Millionen Übernachtungen jährlich geht fast die Hälfte auf das Konto der City West.

Es wird mehr werden. Gerade erst eröffnete das Waldorf Astoria, die einzige Filiale des berühmten New Yorker Hotels, schräg gegenüber vom Bahnhof Zoo. Wer länger nicht da war und aus der Bahnhofshalle tritt, traut seinen Augen nicht: Ein eleganter Turmbau stemmt sich in die Höhe; das Hotel, Baukosten 230 Millionen Euro, überragt mit 118 Metern die daneben stehende Gedächtniskirche (68 Meter) und stellt sie doch nicht in den Schatten. Das Waldorf Astoria steht dort, wo das Zoofenster, ein Bau aus der Betonperiode der 60er-Jahre, den Platz vor dem Bahnhof verdichten sollte, ihn aber verramschte. Denn mit dem Zoofenster kamen Fressbuden, Sexkinos und Billigläden im Bikini-Haus, das derzeit entkernt ist und umgebaut wird. Die Penthouse-Wohnungen auf dem Dach sind heiß begehrt - von dort schaut man direkt in den Zoo, einen der tierreichsten Deutschlands. Auch aus der Lang-Bar des Waldorf Astorias, das zum Hilton-Konzern gehört, und aus den 232 Zimmern sind grandiose Rundumblicke möglich. Sie zeigen, wie tief Charlottenburg in Grün steckt, gleich hinterm Zoo beginnt der Tiergarten, der ans Brandenburger Tor grenzt. Hinter dem Tresen der Lang-Bar wird Wieland Hartauer schütteln und rühren, einer der begehrtesten Barmixer der Welt.

Das Luxushotel, das mit dem Romanischen Café für jedermann zugänglich ist, ist der Anfang. Daneben entsteht bis 2016 das Hochhaus Upper West, ebenfalls 118 Meter hoch, 250 Millionen Euro teuer. Hauptmieter wird das Berliner Motel One in den oberen Etagen, darunter werden Büros eingerichtet. Auch im Wolkenkratzer in Form eines Zwillingsturms mit heller Netzstruktur an der Fassade wird es eine Sky Bar in der 33. Etage geben. Der Fernsehturm am Alexanderplatz bekommt also Konkurrenz. 15 Jahre hat es gedauert, den Bau durchzusetzen, erst finanzstarke Hilfe aus einem Fonds im arabischen Abu Dhabi brachte den Durchbruch. Das hat auch Folgen für den Bahnhof Zoo, der etwas heruntergekommen ist und dessen Restaurant im ersten Obergeschoss blinde Fenster hat - es steht seit sechs Jahren leer. Nun hat die Deutsche Bahn angekündigt, den Bahnhof zu sanieren und ihm ein Terrassen-Lokal zu geben, mit "Freisitz" zum Kaffeetrinken und Blick auf den umgestalteten Hardenbergplatz. Das fasziniert viele Westberliner am meisten, denn sie haben es der Bahn unter ihrem ehemaligen Vorstand Hartmut Mehdorn übel genommen, dass zugunsten des Hauptbahnhofs der Bahnhof Zoo vernachlässigt wurde.

Am "Ku'damm" drängeln internationale Marken um eine Niederlassung, der Boulevard bietet derzeit begehrteste Lagen. Boss hat sich zuletzt angesiedelt, Karen Miller, Kookai und andere Flagship Stores der Modebranche. 2013 eröffnen die Amerikaner ihren deutschlandweit modernsten Apple Store. Keine Berliner Shopping-Meile ist so international aufgestellt wie der Kurfürstendamm. Die letzten leer stehenden Einzelhandelslagen sind hart umkämpft, dort werden schwindelerregende Mieten erzielt. "Siebenstellige Auszugsprämien sind auch in europäischen Metropolen wie Paris oder London nichts Ungewöhnliches", sagt Immobilienberater Andreas Malich. Der Ku'damm gelte als "führende Trendlage Deutschlands", alle "Pilot-Stores" großer Konzerne wollen dorthin. 200 Euro Miete pro Quadratmeter sind inzwischen üblich. Schließlich kommen viele Besucher zum Shoppen in die Stadt, das Kaufhaus des Westens (KaDeWe) am Tauentzien, der Verlängerung des Ku'damms, gehört zu den drei ersten Attraktionen, die Touristen bei Berlin einfallen.

Seit Ende 2012 erstrahlt das denkmalgeschützte Haus Cumberland am Ku'damm 192/194 mit hellgrauer Fassade. Mit Liebe zum Detail wurde das Gebäude, das auch Modegeschäfte beherbergt, restauriert. Das Kaffeehaus Grosz darin ist eine Rekonstruktionssensation: acht Meter hohe Jugendstilsäulen, Marmorfußboden im Original, dunkle Holzbar, revitalisierter alter Kamin, blinde Spiegel, zwei Speisesäle und ein alter Paternoster. Es fehlen nur noch Erich Kästner und Kurt Tucholsky als Stammgäste. Namenspatron war George Grosz, der Maler, der "der alte Trinker" genannt wurde und 1959 nahe bei in seiner Wohnung starb, nachdem er betrunken eine Treppe hinuntergestürzt war - bis zuletzt Satiriker.

Berlin-Besucher sollten auch mal ausweichen in die Seitenstraßen des Kurfürstendamms: Fasanen-, Leibniz- und Schlüterstraße, Knesebeck-, Bleibtreu-, Uhland- und Wielandstraße. Dort reihen sich die schönsten Altbaumietshäuser der Stadt, im Parterre kleine Restaurants und Cafés, Boutiquen und besondere Läden. Das, sagen viele nach dem Herumstreifen, sei die eigentliche Attraktion der City West. Sie ist groß, wächst immer noch, aber das Kleinteilige ist von besonderem Reiz.

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