Pinneberg
28.12.12

Kreis Pinneberg

Todesstrecke LSE fordert immer mehr Opfer

Jahresrückblick: 2012 sterben drei Menschen auf der Trasse. Großbrände, Prozesse und eine ausgebüxte Kuh machen Schlagzeilen.

Von Arne Kolarczyk
Foto: Arne Kolarczyk
Beim schwersten Unfall des Jahres sterben am 24. Oktober ein 45 Jahre alter Hetlinger und sein dreijähriger Sohn auf der LSE. Der Opel von Vater und Sohn war mit einem Lkw kollidiert
Beim schwersten Unfall des Jahres sterben am 24. Oktober ein 45 Jahre alter Hetlinger und sein dreijähriger Sohn auf der LSE. Der Opel von Vater und Sohn war mit einem Lkw kollidiert

Großbrände, tödliche Unfälle und spektakuläre Prozesse: Das Jahr 2012 war aus Blaulicht-Sicht ein ereignisreiches. Die Abendblatt-Redaktion lässt die größten Einsätze und Gerichtsverhandlungen der vergangenen 365 Tage noch einmal Revue passieren.

Am 2. Januar beginnt der Prozess gegen Yasin T. vor dem Landgericht Itzehoe. Die Richter sprechen den 25-jährigen am 2. Mai für schuldig, in Elmshorn Ostern 2011 die Rentnerin Minna R., 76, ausgeraubt und ermordet zu haben. Das Urteil lautet auf lebenslange Haft.

Am 26. Januar hinterlässt ein 76 Jahre alter Autofahrer im Halstenbeker Ortskern eine Spur der Verwüstung. Weil der Senior bei seinem Automatikfahrzeug offenbar Gas und Bremse verwechselt, rammt der Mercedes einen Fußgänger und eine Radfahrerin, im Anschluss knickt er ein Schild ab und demoliert einen Bauzaun. Die 64 Jahre alte Radfahrerin stirbt einige Tage später im Krankenhaus. Im April klagt die Staatsanwaltschaft den Halstenbeker wegen fahrlässiger Tötung an. Der Prozess findet 2013 statt.

Am 5. Januar muss sich Ingo W. wegen besonders schwerer Brandstiftung und gefährlicher Körperverletzung vor dem Landgericht Itzehoe verantworten. Der 41-jährige Elmshorner, der am 26. Juni 2011 aus Ärger über die permanente Lärmbelästigung einen Brandanschlag auf den türkischen Kulturverein am Wedenkamp verübt und einen Schaden von 800.000 Euro anrichtet, erhält am 1. Februar eine Haftstrafe von drei Jahren und neun Monaten.

Auf der Landesstraße 105 geht am Abend des 23. Januar zwischen Wedel und Pinneberg ein Linienbus der Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein (VHH) in Flammen auf. Der Fahrer, 36, der sich zum Glück auf einer Leerfahrt befindet, kann sich aus dem Fahrzeug retten. Der Bus brennt völlig aus.

Knapp 11.000 Euro erbeuten Einbrecher, die in der Nacht zum 25. Januar in das Büro des Pinneberger Brahms-Gymnasiums einbrechen und den Schultresor aufflexen. Den Schaden ersetzt die Versicherung, die Ermittlungen der Polizei bleiben erfolglos.

Am Abend des 1. Februar kommt Claus Carstens, der Rektor der Anne-Frank-Gemeinschaftsschule in Elmshorn, bei einem tragischen Verkehrsunfall ums Leben. Der beliebte Pädagoge radelt zu einer Schulausschusssitzung, als er bei Grün den Steindamm überquert und von einem Auto erfasst wird. Am Steuer sitzt Benjamin B., 28. aus Quickborn. Das Amtsgericht Elmshorn verhängt am 20. November gegen ihn eine Geldstrafe von 3600 Euro wegen fahrlässiger Tötung. Die Schulleiterstelle übernimmt am 23. September Maren Schramm, 53.

Am 7. Februar ereignet sich in einem Einfamilienhaus an der Barmstedter Kampstraße eine folgenschwere Explosion. Klaus Siebert, 66, der ehemalige Vorsteher des Amtes Horst, will in dem alten Haus seines Sohnes eine eingefrorene Wasserleitung mit Hilfe eines Heizgerätes auftauen. Bei der Explosion wird Siebert erheblich an der Hand verletzt, er kommt mit dem Rettungshubschrauber in eine Spezialklinik. Seine Schwiegertochter und die beiden Enkeltöchter können sich unverletzt aus der Ruine des Hauses retten. Die Trümmer werden im Laufe des Jahres beseitigt, ein Neubau hochgezogen.

Vier Jahre Gefängnis: So lautet am 14. Februar das Urteil des Landgerichts Itzehoe gegen Sven P. Der ehemalige Bereichsleiter der Arbeitsgemeinschaft (Arge) des Kreises Pinneberg räumt vor Gericht ein, zwischen Oktober 2005 und Mai 2010 insgesamt 226.705,62 Euro an Steuergeldern veruntreut zu haben. Das Geld verprasst der Angestellte in Nachtlokalen.

Ab dem 22. Februar verhandelt der Staatsschutzsenat des Oberlandesgerichts Schleswig gegen Harry M., 20. Dem ehemaligen Pinneberger wird Unterstützung ausländischer terroristischer Vereinigungen vorgeworfen. Für seine Internetaktivitäten erhält der 20-jährige am 27. März eine Haftstrafe von drei Jahren und drei Monaten Haft. Die Morddrohungen, die Harry M. ebenfalls im Internet gegen Wolfgang Seibert, den Chef der jüdischen Gemeinde in Pinneberg, ausgesprochen hatte, sind kein Bestandteil des Verfahrens.

Am 12. März startet der längste Prozess des Jahres. Angeklagt ist Matthias J. aus der Nähe von Kiel, der als verantwortlicher Sicherungsposten des Bahnübergangs Dauenhof im Juni 2010 ein Zugunglück verursacht haben soll, bei dem ein Autofahrer starb. Kernpunkt der Verhandlung ist die Frage, ob zum Unglückszeitpunkt drei Züge auf der Strecke verkehrten, obwohl dem Angeklagten nur zwei gemeldet worden waren. Nach fast dreimonatiger Prozessdauer spricht das Amtsgericht Elmshorn den 37-Jährigen am 11. Juli frei. Dagegen legt die Staatsanwaltschaft Berufung ein. Der zweite Prozess beginnt am Nikolaustag und bringt am 19. Dezember ein anderes Ergebnis: Wegen fahrlässiger Tötung erhält Matthias J. eine sechsmonatige Bewährungsstrafe.

Ein Großbrand legt am 12. April das Zentrum Rellingens lahm. Im Wellnessbereich von Lifestyle Fitness an der Hauptstraße geht aufgrund eines technischen Defektes die Sauna in Flammen auf. Meterhohe Flammen schlagen aus dem Obergeschoss des Gebäudekomplexes, in dem sich auch ein Edeka-Supermarkt befindet. Das gesamte Haus wird evakuiert.

In letzter Sekunde verhindert am 1. Mai eine Lehrerin eine Katastrophe an der Johann-Comenius-Schule in Pinneberg. Dort strömt im Chemieraum Gas aus, was zu einer Explosion hätte führen können. Ursache ist ein defekter Gashahn sowie menschliches Versagen. So ist die Gaszufuhr nach Unterrichtsschluss offenbar nicht unterbrochen worden.

Am 5. Mai macht ein Hausbesitzer in Seestermühe einen grausigen Fund. In einem Stall an der Dorfstraße entdeckt er einen toten Säugling. Die Mordkommission ermittelt eine 21 Jahre alte Frau, die in der Nähe des Fundortes lebt, als Mutter. Sie kommt in die Psychiatrie. Die Ermittlungen der Todesursache gestalten sich als äußerst schwierig, weil die Babyleiche bereits stark verwest ist. Bis heute laufen in der Hamburger Rechtsmedizin umfangreiche feingewebliche Untersuchungen. Wegen fahrlässiger Tötung verurteilt das Amtsgericht Pinneberg Bernd Sch., 47, am 25. Mai zu einer Geldstrafe von 2700 Euro. Der Haseldorfer überfuhr am Vatertag 2011 einen betrunkenen Fußgänger, 23, der nachts mit drei ebenfalls angetrunkenen Freunden auf der L 261 zwischen Holm und Hetlingen herumläuft. Der Angeklagte stellt den Unfall als unvermeidlich dar und legt Berufung ein. Das Landgericht bestätigt am 25. Oktober das Urteil.

In der Nacht zum 19. Juni rast ein Elmshorner, 23, auf der alten B 5 in den Tod. Sein BMW endet zwischen Seeth-Ekholt und Ellerhoop in einem Vorgarten, nachdem er aufgrund überhöhter Geschwindigkeit von der Fahrbahn abkommt und in Flammen aufgeht.

Als Irmgard Engling am 21. Juni vom Zahnarzt kommt, findet sie eine Kuh in ihrem verwüsteten Wohnzimmer vor. Der Rindvieh war ausgebüxt und durch eine Fensterscheibe in das Haus gesprungen. Ein Versuch, das wildgewordene Tier zu betäuben und aus dem Haus zu führen, schlägt fehl.

Ein 38 Jahre alter polnischer Bauarbeiter wird am 29. Juni in Hasloh unter tonnenschweren Hausteilen begraben und stirbt. Der Mann befindet sich in einer Baugrube, als Teile des Vorbaus einstürzen. Laut polizeilichen Ermittlungen sind unzureichende Sicherheitsmaßnahmen ursächlich.

In Seester geht am 2. August der reetgedeckte Hof Früchtenicht nach einem Blitzeinschlag in Flammen auf. Das Gebäude aus dem Jahr 1862 brennt nieder, die Bewohner sind mit Ausnahme einer 78-jährigen Frau im Urlaub. Sie wird von Nachbarn gerettet.

Eine Schlägerei auf dem Elmshorner Holstenplatz hat am 3. August für einen 50 Jahre alten, ortsansässigen Mann tödliche Folgen. Als Täter werden ein Elmshorner, 32, und ein Hamburger, 37, ermittelt. Täter und Opfer stammen aus dem Randständigen-Milieu, das sich regelmäßig am Bahnhof trifft.

Am 24. August kommt ein 21 Jahre alter Schenefelder nach einem Frontalzusammenstoß auf der LSE ums Leben. Auf Höhe Pinneberg-Waldenau verliert der junge Mann aus unbekannter Ursache die Kontrolle über seinen Peugeot, der auf die Gegenfahrbahn gerät und nach der Kollision ausbrennt.

Am Abend des 4. Oktober brennt der Saunabereich des Hotels Holsteiner Hof in Heist aus. Das Hotel kann trotz des beträchtlichen Schadens am 9. Oktober wieder öffnen.

Am Abend des 9. Oktober überfallen zwei vermummte Täter einen 48 Jahre alten Mitarbeiter des Autohofs Reimers, der gerade als letzter das Gebäude verlässt. Die Räuber erbeuten zwar den Schlüsselbund des Mannes, erhalten aber keinen Zugang.

Bei einer Großrazzia fliegt am 9. Oktober eine Cannabis-Plantage in Haseldorf auf. Der Eigentümer hat die Indoorplantage in einem geheimen Keller eines Obsthofes angelegt.

Erneutes Großfeuer am 16. Oktober in Heist. An der Straße Kleiner Ring brennt ein Reetdachhaus. Ursache war ein technischer Defekt.

Menschliches Versagen führte am 17. Oktober zu einer Massenkarambolage auf der A 23, an der auf dem Gebiet der Gemeinde Bokholt-Hanredder fünf Lkw beteiligt sind. Der Schaden ist immens, die Autobahn ein Trümmerfeld. Wie durch ein Wunder bleiben alle Brummi-Fahrer unverletzt.

Am Nachmittag des 24. Oktober kommen ein Hetlinger, 45, und sein dreijähriger Sohn bei einem furchtbaren Unfall auf der LSE ums Leben. Der Crash ereignet sich wiederum im Bereich Waldenau. Der Vater ist nach den Ermittlungen kurz unaufmerksam. Als sein Opel auf den Seitenstreifen gerät, lenkt er zu stark gegen. Der Opel stößt frontal mit einem Laster zusammen.

In der Nacht zum 27. November brennt die ehemalige Gaststätte Bokeler Klause in Bokel nieder. Die Immobilie ist zwei Wochen zuvor zwangsversteigert worden. Die Kripo ermittelt wegen Brandstiftung.

Am 1. Dezember kommt ein 65 Jahre alter Autofahrer aus England ums Leben, als er an einer Kreuzung in Bevern ein Stopp-Schild übersieht.

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