Norderstedt
24.11.12

Anstieg ab 1. Januar

Strompreis in Norderstedt steigt massiv an

Der Strompreis steigt stärker als im Bundesschnitt. Stadtwerke können die Umlagen des Bundes nicht ausgleichen. Kunden verärgert.

Von Michael Schick
Foto: pa/Klaus Ohlensc
Die Strompreise in Norderstedt steigen stärker als im Bundesdurchschnitt
Die Strompreise in Norderstedt steigen stärker als im Bundesdurchschnitt

Norderstedt. Nun sind sie da und verärgern die Kunden: Die Stadtwerke Norderstedt haben die Rechnungen mit den neuen Strompreisen verschickt. Und die steigen zum 1. Januar kräftig. 16,9 Prozent mehr muss beispielsweise Hansjürgen van Dyk für den Sondertarif McWatt zahlen. Das bedeutet bei einem Verbrauch von 3500 Kilowattstunden pro Jahr eine jährliche Mehrbelastung von 133 Euro. "Nun müssen wir wieder bluten, damit die Stadt ihre teuren Image-Projekte verwirklichen kann", sagt van Dyk.

Bei einem Verbrauch von mehr als 4757 Kilowattstunden pro Jahr klettert der Preis sogar um 17,7 Prozent. Die Steigerung liegt deutlich über dem Bundesschnitt. Die Energieversorger verlangen zum Jahreswechsel knapp zwölf Prozent mehr. Auch Axel Schulz gehört zu den Kunden, die jetzt 16,9 Prozent mehr bezahlen sollen. Er fragt: "Warum kassieren die Stadtwerke Norderstedt noch mehr als beispielsweise Vattenfall oder LichtBlick?"

Der McWatt ist knapp kalkuliert, davon haben die Kunden bisher profitiert

"Dass die Preise für unseren Sondertarif kräftiger steigen, liegt daran, dass er bisher im Vergleich zu anderen Anbietern und Tarifen relativ günstig war", sagt Theo Weirich, Leiter der örtlichen Stadtwerke. Da fast alle Positionen, die zu den höheren Tarifen führen, Festbeträge sind, schlage die Summe bei einem niedrigeren Ausgangspreis prozentual stärker zu Buche als bei einem hohen. Der McWatt sei knapp kalkuliert, die Kunden hätten bisher davon profitiert und müssten nun im Verhältnis mehr zahlen als diejenigen, die ihren Strom nach dem Grundversorgungs-Tarif beziehen. Hier liege die Tariferhöhung bei 13 Prozent und damit nur knapp über dem Durchschnitt in Deutschland.

"Um es nochmals ganz klar zu sagen: Wir müssen die Kosten an die Verbraucher weitergeben, die uns durch neue gesetzliche Regelungen entstehen", sagt Weirich und nennt die Bestandteile: Die Kunden müssten für die Umlage nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz für 2013 aufkommen. Und die liegt mit 5,277 Cent pro Kilowattstunde um 1,69 Cent höher als die bisherige Umlage. Des Weiteren setzt sich die Erhöhung aus den von der Bundesnetzagentur vorgegebenen Abgaben für die Nutzung der Stromnetze zusammen. Gegenüber 2012 steigen diese Gebühren um 0,71 Cent.

Hinzu kommen die Kosten für die von den Netzentgelten befreiten energieintensiven Industrieunternehmen. Kleine Unternehmen und Endverbraucher tragen diese über eine Umlage, die ab Januar um 0,18 Cent steigt. Und dann ist da noch die Umlage nach dem Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz, die von 0,002 Cent auf 0,12 Cent erhöht wird, und die Offshore-Umlage, die für die Reduzierung von Haftungsrisiken für Übertragungsnetzbetreiber dient und die 0,25 Cent der Gesamterhöhung ausmachen wird.

Die Erhöhung könne durch den günstigeren Einkauf an der Leipziger Strombörse nicht ausgeglichen werden, sagt Weirich zu dem immer wieder genannten Argument, dass die Einkaufspreise für Strom gefallen seien. Zwar seien die Bezugspreise in der letzten Zeit gesunken, aber: "Wir dürfen als Stadtwerke weder spekulieren noch von der Hand in den Mund leben", sagt der Werkleiter.

Die Stadtwerke mussten den Strom kaufen, als die Preise höher waren

Das bedeute, dass der Strom deutlich früher eingekauft als verbraucht wird. Die elektrische Energie, die jetzt die Lampen zum Leuchten bringt und die Waschmaschine antreibt, haben die Stadtwerke schon vor einem bis zwei Jahren bestellt. Und damals, so Weirich, sei der Einkaufspreis höher gewesen als jetzt. So habe der örtliche Versorger vor gut einem Jahr noch 5,72 Cent pro Kilowattstunde für den Basisstrom bezahlt, vor einem Monat kostete die Kilowattstunde nur noch 4,9 Cent.

Der örtliche Energieversorger will offensiv mit den Preissteigerungen umgehen. "Wir werden noch vor Weihnachten eine öffentliche Veranstaltung anbieten, zu der wir die Norderstedter einladen. Dort werden wir ihre Fragen zum Thema gern beantworten", sagt Weirich.

Auch in Bad Bramstedt erhöhen die Stadtwerke zum Jahreswechsel die Strompreise. Die Erhöhung fällt mit 13,4 Prozent für den Grundversorgungs-Tarif ähnlich aus wie in Norderstedt. "Ursache sind die diversen Umlagen, die wir als örtlicher Versorger nicht beeinflussen können", sagt Marc Fischer, bei den Stadtwerken verantwortlich für Handel und Vertrieb. Er hat aber auch eine gute Nachricht: "Durch den etwas günstigeren Bezug können wir die Steigerung etwas abfedern." Das bedeutet: Die Kilowattstunde wird nicht um 3,57 Cent, sondern um 3,5 Cent teurer. Das bedeutet für den Durchschnittshaushalt Mehrkosten von knapp 135 Euro im Jahr.

Von den Stadtwerken Kaltenkirchen war bis Redaktionsschluss keine Stellungnahme zu bekommen.

Hintergrund: Windenergie in Deutschland

In Deutschland drehen sich bisher rund 22 660 Windräder – die meisten davon in Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Brandenburg.

Die installierte Gesamtleistung liegt bereits bei 30.000 Megawatt, das entspricht der Leistung von mehr als 20 Atomkraftwerken, aber Windstrom ist nicht ständig verfügbar.

Wind steuerte im ersten Halbjahr bereits rund neun Prozent des deutschen Stroms bei.

In Nord- und Ostsee sollen bis zum Jahr 2020 Windparks mit einer Leistung von 10.000 Megawatt entstehen, aber die Pläne hinken mangels Anschlüssen dem Zeitplan stark hinterher. Bisher sind hier erst rund 200 Megawatt an Leistung installiert.

Trotzdem warnt Umweltminister Peter Altmaier (CDU) vor einem zu schnellen und starken Ausbau gerade an Land, da heute schon Netze fehlen und Windparks zwangsweise abgeschaltet werden müssen. Auch nicht produzierter Strom muss über den Strompreis vergütet werden.

Nach Angaben von Altmaier liegen die Länderplanungen 60 Prozent über dem Bedarf. Beim Wind gibt es an Land und auf See bis zum Jahr 2022 Vorhaben für 87 400 Megawatt, die Regierung plant aber nur mit 52 000 bis 55 000 Megawatt – sie hofft mittelfristig auf Speicher für überschüssigen Windstrom, damit die Ausbaukosten nicht aus dem Ruder laufen.

Strompreiserhöhung? Sonderkündigungsrecht nutzen
Strompreiserhöhung? Sonderkündigungsrecht nutzen
Für Verträge mit dem Energieversorger gelten bestimmte Kündigungsfristen. Bei den Grundversorgern betrage diese Frist zwei Wochen, erläutert Horst-Ulrich Frank von der Verbraucherzentrale Mecklenburg-Vorpommern in Rostock.
Bei anderen Anbietern müssten sich Kunden an die vertraglich vereinbarte Kündigungsfrist halten. Ausnahme: Bei einer Preiserhöhung dürfe der Vertrag in der Regel innerhalb von zwei Wochen nach Bekanntgabe der Erhöhung gekündigt werden.
Strom- und Gaskunden in Deutschland müssen möglicherweise mit einer zusätzlicher Preiserhöhung rechnen. Das Düsseldorfer Oberlandesgericht hob am Mittwoch (6. Juni) die von der Bundesnetzagentur festgesetzten Entgelte für die Nutzung der Strom- und Gasnetze auf. Die Netzagentur müsse höhere Ansätze berücksichtigen, so die Richter. Diese Kosten können die Unternehmen an die Kunden weiterreichen.
Preissteigerungen müssten die Stromversorger sechs Wochen vorher ankündigen, erklärt Frank. Die Lieferanten müssten nicht begründen, warum sie die Preise anheben – "aber in der Regel wollen sie ja die Schuld von sich weisen", erläutert Frank. So würde oft auf eine Erhöhung der Netzentgelte oder auch höhere Steuern verwiesen.
Allerdings schließen manche Versorger ein Sonderkündigungsrecht aus, wenn Abgaben wie Netzentgelte steigen. Rechtlich sei das aber umstritten, betont Frank.
Denn bei Netzentgelten hätten die Versorger Spielraum. Manche geben höhere Abgaben nicht sofort an ihre Kunden weiter, andere verzichten ganz darauf.
Hier lohne sich ein Blick in die Geschäftsbedingungen, wo das Sonderkündigungsrecht beschrieben wird. (dpa)
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